München (ots) –

– Perspektivenwechsel erforderlich: Situation und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen müssen jetzt in den Fokus rücken.
– Bewusstseinswandel unverzichtbar: Fehlende Interaktion und Betreuung, ausgefallene Stunden und geringere Lernzeit lassen sich nicht in einem Sommer aufholen.
– Bildungswende notwendig: Statt Standardantworten braucht es künftig individuelle Lösungen, die persönliche Lernpfade und Förderung flächendeckend ermöglichen.

München (ots) – Von wegen Zukunft – Kinder und Jugendliche sind die Verlierer*innen der Pandemie

Erste Untersuchungen sind alarmierend: Laut ifo Institut hat sich die Lernzeit von Schüler*innen in der Pandemie um über drei Stunden nahezu halbiert. Betroffen sind alle Kinder, unabhängig von sozialem Hintergrund und Leistungsstand. Bis zu drei Monate Unterricht haben sie verpasst, so eine Auswertung von Prof. Dr. Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik der Universität Augsburg. Die deutschen Jugendämter prognostizieren einen frühen Knick in Lebens- und Karriereweg für Jugendliche aus allen Schichten. Sie befürchten zudem, dass sich die Zahl der Schulabbrecher*innen verdoppeln könnte. “Durch die entstandenen Lern- und Entwicklungslücken drohen massive persönliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen”, hebt Prof. Zierer hervor. Das ifo Institut geht von einem geringeren Lebenseinkommen und gesamtwirtschaftlichen Wachstumsverlusten von bis zu 2,5 Billionen Euro aus. “Wir stehen vor großen sozialen Fragen, die den Zusammenhalt in unserer offenen Gesellschaft und damit die Demokratie insgesamt gefährden”, so Zierer. Kinder und Jugendliche gehören zu den Verlierer*innen der Pandemie, gleichzeitig spielen ihre Situation, Bedürfnisse und Belastungen in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle. In 120 Ausgaben der drei quotenstärksten Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen im Pandemiezeitraum waren sie ohne Stimme und ohne Gehör. Von 666 Gästen bei “Anne Will”, “Maybrit Illner” und “Hart aber fair” hatten nur 3 Prozent (20 Gäste) eine berufliche Expertise mit Bezug zu Kindern und Jugendlichen. Nur 1,6 Prozent (11 Gäste) brachten einen Hintergrund aus dem Bereich Schulwesen mit.

Individuelle Förderung muss Schulstandard werden

“Wir brauchen jetzt einen raschen und ernstgemeinten Perspektivenwechsel”, fordert Zierer. Wer die Wirtschaft und künftige gesellschaftliche Entwicklung vor weiteren großen Schäden durch die Pandemie schützen möchte, müsse jetzt die Schüler*innen in den Blick nehmen. “Die grundlegende Neuausrichtung unseres Schulsystems ist zwingend notwendig”, fordert Prof. Zierer. “Schon vor der Bildungskrise durch Corona fehlte es flächendeckend an individueller Förderung.” Gerade diese sei nun umso mehr gefragt, um die Entwicklungs- und Lernlücken zu schließen. “Wir müssen als Gesellschaft gegenüber den Kindern und den Eltern ehrlich sein: Ein Sommer mit Nachhilfe oder kürzeren Ferien wird nicht ausreichen, um den massiven Bildungs- und Lernverlust aufzufangen”, unterstreicht der Pädagoge. Erforderlich sind kreative und skalierbare Konzepte mit einer langfristigen Perspektive. Sie müssen bei den individuellen Anforderungen und Fähigkeiten der Schüler*innen ansetzen und gestützt auf digitale Prozesse persönlich passgenaue Wege aufzeigen. Gleichzeitig gilt es, den Lehrenden Raum für individuelle Betreuung und den regulären Unterricht zu geben. “Zunächst müssen wir den Wissensstand und die Defizite jedes einzelnen Kindes erkennen”, so Zierer. Eine Option bieten dafür digitale Testverfahren, die Lernfortschritt und -lücken erfassen und auswerten. “Ohne großen Aufwand kann das individuelle Entwicklungsniveau automatisch bestimmt werden.” Im nächsten Schritt lassen sich, basierend auf den Ergebnissen, konkrete Lernziele, Aufgaben, Materialien und Übungen zu einem individuellen Lernpfad für jede Schülerin und jeden Schüler zusammenstellen. “Auch das kann digital erfolgen und schafft, ergänzt durch fortwährenden Abgleich der Fortschritte, die Möglichkeit für Lehrende, jedem Kind die passende Unterstützung zu geben”, so Zierer.

Persönliche Unterstützung funktioniert ganz praktisch

Wie solche kreativen und skalierbaren Lösungen in der Realität aussehen können, zeigen Prof. Zierer und sein Team gemeinsam mit dem STARK Verlag und dem Testspezialisten Alpha Test in einem Pilotprojekt. Unter dem Titel “BrückenWerk Sommerschule” setzen die Partner in Augsburg ein wissenschaftlich begleitetes Vorhaben um, das den Ausgangspunkt für eine flächendeckende Lösung liefert. Kernelement ist das Konzept der “Starken Lernpfade”, ein digital gestütztes Diagnose- und Coaching-Tool. Basierend auf einer umfangreichen Bibliothek mit Test-Modulen und gezielten Empfehlungen für weiteres Lehren und Lernen ermöglicht es, Entwicklungs- und Lernlücken zu erkennen, zu beheben und Kinder und Jugendliche individuell zu fördern. Zunächst wird dabei der Lernfortschritt erfasst und automatisch nach einzelnen Checkpoints ausgewertet. Das persönliche Lernniveau ist dann Ausgangspunkt für den eigenen Lernpfad, der passgenaue Vorschläge zu Lehrmaterialien und Übungen bis hin zu Erklärvideos und interaktiven Aufgaben macht. Entscheidende Ergänzung ist die Begleitung durch eine Lehrkraft oder einen Lerncoach. Beim Pilotprojekt in Augsburg übernehmen Lehramtsstudent*innen diese Aufgaben. Hinzu kommt das Lernen in Kleingruppen mit individueller Beratung sowie eine fortwährende Überprüfung der Fortschritte über die Testmodule und strukturiertes Feedback an jede einzelne Schülerin und jeden einzelnen Schüler. “Wir schaffen mit den ‘Starken Lernpfaden’ ein individuelles Förderprogramm, das in der Breite eingesetzt werden kann”, sagt Prof. Zierer. “Solche Lösungen geben Antworten auf die aktuellen Fragen im Zuge der Pandemie und eröffnen gleichzeitig die Möglichkeit, unser Schul- und Bildungssystem fit für die Zukunft zu machen.”

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Quelle: ots