Chávez provoziert weiter – Tappte Juan Carlos in die Falle?

Ist es echte Empörung oder taktische Rafinesse? Ging  König Juan Carlos Hugo Chávez in die Falle?

Chávez jedenfalls kann und will seinen Mund einfach nicht halten. Erneut hat der venezolanische Regierungschef den spanischen König Juan Carlos dazu aufgefordert, sich für dessen “Porqué no te callas?” – Warum hälst du nicht die Klappe – zu entschuldigen.

Chávez besteht darauf, dass sich der König von Spanien, der immerhin nicht “König von Lateinamerika” sei, für sein “provokantes Benehmen” entschuldigen solle. Angeblich habe Chávez die Bemerkung von König Juan Carlos gar nicht gehört, sonst wäre es zu einem völligen Eklat gekommen. Der König habe “viel Glück gehabt”, denn Chávez sei nach eigenen Angaben “eine Mischung aus Indianer, Weiβ und Schwarz”, und hätte eine entsprechend heftige Anwort gegeben. Chávez drohte außerdem damit, die spanischen Firmen in Venezuela scharf zu kontrollieren. Na denn.

Was denken Sie? Soll sich König Juan Carlos bei Hugo Chávez entschuldigen? Schreiben Sie uns, was Sie vom spanischen König halten.

Chávez muss für seine Volksabstimmung als "Rächer der Unterdrückten" auftreten – Juan Carlos ist ihm in die Falle gegangen

Offenbar sucht Chavez wenige Tage vor der entscheidenden Volksabstimmung am 2. Dezember, mit der er sich praktisch als Diktator einsetzen lassen will, die außenpolitische Konfrontation – egal mit wem. Auf einer Sitzung der Öl-fördernden Staaten (Opec) vergangene Woche in Saudi-Arabien bekreuzigte sich der Venezolaner vor Gastgeber König Abdallah und zitierte in seiner Rede Jesus Christus, eine Todsünde in einem arabischen Land – aber die Saudis ließen es ihm durchgehen. Seit Monaten versucht Chávez, die USA zu provozieren, aber ohne Erfolg. Die US-Diplomatie straft ihn mit Gleichmut.

Juan Carlos scheint Chávez diesbezüglich in die Falle getappt zu sein – denn nun kann sich Chávez endlich als "Rächer der Unterdrückten" aufspielen. Auch die spanische Volkspartei PP, die einen diplomatischen Bruch mit Venezuela herbeireden möchte, handelt letztlich im Interesse von Chávez.

Für die Abstimmung am 2. Dezember, mit der Chávez die Verfassung Venezuelas entscheidend zu seinen Gunsten ändern will, kommt ihm das Scharmützel mit dem spanischen Monarchen also gerade recht. Zuletzt gingen Zehntausende in Venezuela gegen die Politik des Präsidenten, der sich gerne auf Lebenszeit in diesem Amt sähe, auf die Straßen. Sollte Chávez eine Chance mit seinem Referendum haben, dann möglicherweise nur durch den "Gefallen", den ihm der spanische König erwiesen hat.

Was denken Sie? Soll sich König Juan Carlos bei Hugo Chávez entschuldigen? Schreiben Sie uns, was Sie vom spanischen König halten.

Auf dem Gipfeltreffen in Chile vor zehn Tagen hatte der Monarch Hugo Chávez den Mund verboten, nachdem dieser wiederholt gegen Spaniens ehemaligen Regierungschef José María Aznar gewettert und ihn als “Faschisten” bezeichnet hatte.

Auch als sich Präsident José Luis Rodríguez Zapatero einschaltete und seinen Vorgänger verteidigte, sprach Chávez unentwegt weiter, obwohl sein Mikrophon bereits ausgeschaltet war. Daraufhin mischte sich König Juan Carlos mit einem völlig entnervten “Warum hälst du nicht einfach die Klappe” ein und verlieβ später den Saal.

Die Äuβerung vom letzten Iberoamerika-Gipfel am vorletzten Wochenende hat mittlerweile Kultstatus erlangt und ist von Millionen von Spaniern als Klingelton herunter geladen worden.

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