Chavez: “Ihr habt uns die Kehlen durchgeschnitten”

Hugo Chávez hat nachgetreten: In Venezuela sagte er vor der Presse: "Ich weiß, wie uns die Spanier früher den Mund verboten haben: Sie haben uns die Kehlen durchgeschnitten, die Haut abgezogen und die Köpfe auf Pfähle gespiest."

Diese Anspielung auf Spaniens Vergangenheit in Lateinamerika konnte sich der Präsident dann doch nicht verkneifen, nachdem ihm Spaniens König Juan Carlos am Wochenende auf dem Iberoamerikanischen Gipfel nahelegte, doch "bitte die Klappe zu halten".

Die spanische Volkspartei PP möchte aus dem Fall mittlerweile einen innenpolitischen Skandal generieren. Man müsse den venezolanischen Botschafter einbestellen, die Beziehungen zu Venezuela überprüfen – und überhaupt sei die Außenpolitik der regierenden Sozialisten auf ganzer Linie gescheitert. Denn bis vor wenigen Tagen noch, so die PP, habe man Chávez zu sen Säulen der spanischen Außenpolitik gezählt – und jetzt das.

Darf ein Monarch so mit einem Staatsmann reden? Oder hat sich Hugo Chávez die Lachnummer selber zuzuschreiben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Nanu? El Mundo pfeift die Volkspartei zurück – das erlebt man selten

In bislang unbekannter Manier hat darauf die konservative spanische Zeitung El Mundo die PP zurückgepfiffen. Kein Geringerer als Felipe Sahagún, Professor für Internationale Beziehungen und Berater von El Mundo, warnte die PP (Partido Popular) davor, wegen einiger Wählerstimmen mehr die Wahrheit zu verdrehen.

Denn nur in den ersten Monaten ihrer Regierungszeit hätten sich die Sozialisten tatsächlich um die neuen Populisten (Chávez, Morales, Correa) und alten Dikatatoren (Castro) in Lateinamerika bemüht – seitdem aber gälten wieder Chile, Brasilien, Argentinien, Kolumbien und Mexiko zu den festen Partner spanischer Außenpolitik auf dem südamerikanischen Kontinent.

Chávez will provozieren – den Gefallen sollte man ihm nicht tun

Sahagúns Analyse: Chávez brauche diese Scharmützel mit dem Ausland, um sich bei seinen eigenen Leuten zu profilieren. Diesen Gefallen solle man ihm nicht tun. Auch die USA, seit Jahren täglich schlimmeren Attacken aus Venezuela ausgesetzt, ließen sich nicht provozieren. Von einem Abbruch dipolomatischer Beziehungen wolle man in Washington nichts wissen – durchaus aus Eigennutz.

Ebenso wichtig sei es für die Spanier, ihre Interessen zu wahren. 300.000 Spanier leben in Venezuela, Firmen wie Repsol, Santander, Mapfre, Telefónica, Prisa und BBVA haben Milliarden in das Land gesteckt. Sahagún erinnerte außerdem an die 14 Treffen des früheren Regierungschefs Aznar mit Chávez und an die Waffenlieferungen an Venezuela in dieser Zeit.