Brasilien wie Spanien: Warten auf den Regen! “Tropfen auf den heißen Stein”

Kinder und Erwachsene freuten sich und bauten Eisfiguren. Doch der gefrorene Niederschlag war lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein, denn Brasilien leidet vor allem im Süden unter einer Dürre. Erstmals in der Geschichte musste São Paulo auf Notreserven zur Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen zurückgreifen, und das Wasser-Niveau in den Staudämmen für die Wasserkraftwerke ist niedrig.

Der staatliche Stromversorger ONS muss die Wasserstands-Prognose für Reservoirs der wichtigen Kraftwerksregionen im Südosten und im zentralen Westen immer wieder reduzieren. Die Staudämme der Kraftwerke werden vermutlich Ende Mai nur zu 36 Prozent gefüllt sein. In den beiden Stromgebieten sank das Volumen Ende Februar sogar auf 34,6 Prozent – fast der gleiche Stand wie 2001 (34,5), als in Brasilien wegen großer Trockenheit, leerer Staubecken und geringer Kraftwerksproduktion eine Stromrationierung propagiert wurde.

Von solchen Aufforderungen an die Bevölkerung will die Regierung nichts wissen. «Wir denken an keine Möglichkeit für eine Rationierung», beteuert Energie- und Bergbauminister Edison Lobão immer wieder. «Wir bekämpfen die Verschwendung, aber wir schlagen, nicht vor, dass die Menschen aufhören das zu konsumieren, was sie brauchen.» Und mit Blick auf die WM fügte er hinzu: «Wir haben keinerlei Befürchtungen wegen der (Strom-)Nachfrage bei der WM, selbst wenn der Regen weiter ausbleibt.» Jede Art von Rationierung wäre aber auch äußerst unpopulär vor allem im laufenden WM- und Wahljahr 2014.   Der brasilianische Energieexperte, Physiker und Ex-Minister José Goldemberg erinnerte schon im Februar daran, dass die Regierung bei der Energiekrise 2001 die Haushalte offiziell aufgefordert habe, Strom zu sparen. Diese Aufforderung könnte aus seiner Sicht auch heute helfen. «Wenn es in ein, zwei Monaten nicht regnet, wird sich die Situation verschlimmern. Es gibt keine kurzfristige Lösung. Das Empfehlenswerteste ist jetzt: Beten für den Regen», sagte er schon vor Wochen in einem Interview der Zeitschrift «Exame». Doch bislang wurden die Gebete nicht erhört.

Auf Regen hofft man auch bei der «Sabesp» in São Paulo, einem der weltweit größten Wasserversorger. Erstmals greift das Unternehmen in der Mega-Metropole seit vergangener Woche auf noch nie genutzte tiefer liegende Notfall-Wasserreserven zurück, da die Pegelstände in dem aus Staudämmen bestehende Reservoirsystem Cantareira auf bedrohliche 8,2 Prozent gefallen waren. Aus dem System beziehen acht Millionen Menschen im Großraum der WM-Eröffnungsstadt ihr Trinkwasser. Die hochgepumpten Notreserven ließen die Pegelstände zwar wieder auf über 26 Prozent steigen, doch die Gesamttendenz bleibt fallend.

Am Sonntag – während des ersten Testspiels im Eröffnungsstadion von São Paulo – gab es zwar heftige Regenschauer, das Cantareira-System konnte aber davon nicht profitieren. Laut Sabesp fiel das Wasservolumen weiter von 26,7 Prozent am Freitag auf 26,2 Prozent am Dienstag. Besserung ist nicht in Sicht, denn das Warten auf Regen geht nach Einschätzung des Meteorologischen Institutes Inmet weiter. Zur der in rund drei Wochen beginnenden WM wird São Paulo aber nicht auf dem Trockenen sitzen. Die Reserven sollen mindestens bis Ende November reichen.