Börsencrash: Spanien und Deutschland vergraulen Anleger

In Tokio gab der Nikkei-Index um mehr als 3 Prozent nach. Auch die Wall Street eröffnete mit Verlusten, nachdem der Dow Jones am Vorabend nur knapp über 10.000 Punkten haltgemacht hatte.

Auslöser waren vor allem neue Sorgen um Spanien – die Sparkasse CajaSur konnte nur mit Hilfe der Regierung des verschuldeten Landes vor dem Bankrott gerettet werden.

Zusätzlich forderte der Internationale Währungsfonds Spanien zu tiefgreifenden Wirtschaftsreformen auf. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt und im Bankensystem seien Reformen nötig, urteilte der IWF. Die konjunkturellen Aussichten in Spanien seien ungewiss. Bis auf weiteres werde die spanische Wirtschaft nur ein schwaches Wachstum erreichen.

„Die Lage im spanischen Bankensektor streut wieder die Befürchtung, dass sich weitere Banken anstecken und in die Klemme geraten könnten“, kommentierte Lee Hardman von Mitsubishi UFJ . „Es ist ein Mix aus negativen Nachrichten, der die Anleger verunsichert“, sagte Fondsmanager Thorsten Winkler von Veritas Investment Trust.

Sorgen bereitete auch die sich zuspitzende Lage in Korea: Nach Angaben von Überläufern hat Nordkorea im Konflikt um die Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffes seine Streitkräfte in Kampfbereitschaft versetzt.

Dass auch ein unerwartet kräftiger Schub bei den Auftragseingängen der Industrie in der Eurozone nicht für positive Impulse sorgt, ist nach Winklers Meinung ein Zeichen dafür, dass der Markt „angeschossen“ ist. „Positive Nachrichten zählen gar nicht, negative Nachrichten werden überbewertet“, sagte der Fondsmanager.

Der Euro fiel gegenüber dem Yen auf den tiefsten Stand seit November 2001. Ein Euro war zuletzt 109,55 Yen wert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,2223 Dollar fest – nach 1,2360 Dollar am Montag.

Auch andere Börsen in Europa lagen massiv im Minus. Der EuroStoxx 50 fiel um 3,13 Prozent auf 2478,26 Punkte und erreichte im Laufe des Morgens seinen tiefsten Stand seit Juli 2009. Der Cac 40 in Paris verlor 3,23 Prozent auf 3320,06 Punkte. Für den Londoner FTSE 100 ging es um 2,56 Prozent auf 4939,98 Punkte nach unten.

Die Bundesregierung will derweil das Verbot riskanter Börsenwetten in Deutschland ausweiten. Vor gut einer Woche hatte die Finanzaufsicht BaFin bereits hochspekulative Geschäfte mit Aktien von zehn deutschen Finanzkonzernen und Euro-Staatsanleihen untersagt.

Nun sollen nach einem Gesetzentwurf von Finanzminister Wolfgang Schäuble alle „ungedeckten Leerverkäufe“ von Aktien und Euro-Anleihen an deutschen Börsen auf den Index. Der deutsche Alleingang Mitte Mai hatte die Märkte weltweit verunsichert. (dpa, SAZ)

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