“Bodies – The Exhibition”: Präparierte Leichen in Madrid

Diese nennt sich aber “Bodies – The Exhibition” und beinhaltet praktisch das gleiche Thema: Präparierte Körper von anonymen Spendern, die zuvor ihr Einverständnis gegeben haben, nach ihrem Ableben sozusagen als “Ausstellungsstück” der Nachwelt erhalten zu bleiben. 

Insgesamt 17 Körper und über 200 Organe sind vom 5. Mai bis zum 30. Juni in Madrid an der Plaza Colón zu sehen.

Es ist das erste Mal, dass der Tod in dieser Form in Spanien präsentiert wird. Die Deutschen sind solche Ganzkörperplastinate dank Gunther von Hagens bereits gewohnt, die Spanier hingegen sind Neulinge auf diesem Gebiet und reagieren verhalten.  

Ist das nun Kunst, oder Wissenschaft, oder vielleicht auch der Kick am Tabuthema Tod? “Bodies” soll laut Veranstalter “pädagogisch wertvoll”, nüchtern und anschaulich sein. Jeder Muskel, jede Vene, jede Faser sind klar und deutlich zu erkennbar, der Körper offenbart sich den Besuchern wie ein offenes Buch. 

Bei den Spendern handelt es sich ausschlieβlich um Chinesen, was man diversen Plastinaten aufgrund der angedeuteten Gesichtszüge auch ansehen kann. Häufig schon war vermutet worden, dass bevorzugt Chinesen eingesetzt werden, weil es sich um hingerichtete Sträflinge handelt. 

Professor Roy Glover von der Universität Michigan betont jedoch, dass es sich durchweg um Spender handele, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Der eigentliche Grund sei, dass in China die besten Anatomiekünstler der Welt sitzen, versichert Glover. 

Und tatsächlich liefert die Medizinische Hochschule in Dalian bereits seit Jahrzehnten Körper an Hochschulen, Krankenhäuser und Universitäten auf der ganzen Welt, die für wissenschaftliche Untersuchungen verwendet werden. Dalian ist sozusagen der Umschlagplatz Nr. 1 für gespendete Körper. 

Das Geschäft mit dem Tod blüht. Hunderte von Ausstellungen à la “Körperwelten” finden mittlerweile weltweit statt, die meisten Körper stammen aus China. 

Die Menschen strömen in Scharen in die Museen, selbst Kinder dürfen sich einmal ganz nah angucken, wie ein menschliches Herz oder eine pechschwarze Raucherlunge (Bild) aussieht. 

Alles ist allerdings so perfekt und anschaulich präpariert, dass auch der kleinste Ansatz von Abschreckung oder gar Ekel im Keim erstickt wird – die Neugierde überwiegt.