Beatles, Stones, Take That, Amy Winehouse: Die Schmach der Popnation im Eurovision Song Contest!

Zu Beginn allerdings ein Fakt: Großbritannien ist das erfolgreichste Teilnehmerland des Eurovision Song Contest. Ganz offiziell, wenn es nach der Gesamtpunktzahl geht. Fünf Siege und  – Rekord! – 15 zweite Plätze reichen dafür aus. Etwas jüngere Anhänger der Show dürfte das erstaunen. Denn seit 1997 konnten die Musiker von der Insel, die Welterfolge wie die Beatles, die Rolling Stones, Elton John, Queen, Take That, Amy Winehouse und One Direction hervorgebracht hat, keinen Sieg mehr holen. Stattdessen machten sie mit krachenden Niederlagen auf sich aufmerksam.

Eine ist geradezu legendär: 2003 landete das Duo Jemini in Riga mit «Cry Baby» nach ziemlich fragwürdiger Performance auf dem letzten Platz – mit sage und schreibe null Punkten. Man fand zwei Entschuldigungen: Ein technischer Defekt hatte den Hintergrund-Track unhörbar gemacht, nur deswegen sangen die beiden schief. Und weil die Briten angekündigt hatten, mit George W. Bush in den Irakkrieg zu ziehen, mochte sie in Europa angeblich keiner mehr.

Weniger tragisch, weil immerhin mit zehn Punkten, war der letzte Platz für Josh Dubovie 2010 in Olso. «That Sounds Good to Me» hieß sein Titel, zu Deutsch: Das hört sich gut an für mich. Offenbar aber nicht für die europäischen ESC-Fans, die lieber Deutschlands Lena mit «Satellite» auf Platz eins wählten.

Weder Jemini noch Dubovie werden dem Durchschnittseuropäer noch in Erinnerung sein, doch auch große Namen brachten der Insel zuletzt wenig Glück. Die Titel «Total Eclipse of the Heart» und «Holding out for a Hero» haben die Waliserin Bonnie Tyler weltweit berühmt gemacht – allerdings in den 80er Jahren. Beim jüngsten ESC in Malmö reichte es mit «Believe In Me» nur für Platz 19.

Damit war sie allerdings immer noch besser als Engelbert im Jahr zuvor, der mit «Love Will Set You Free» peinlich scheiterte und den vorletzten 25. Platz machte. Engelbert hat Millionen Platten verkauft, seine große Zeit liegt aber ebenfalls schon Jahrzehnte zurück. In einer Leserumfrage des «Guardian» fanden danach 56 Prozent, das Land solle beim ESC lieber gar nicht mehr antreten. Und Mike Nolan von Bucks Fizz, die 1981 den ersten Platz für Großbritannien geholt haben, orakelte: «Wir gewinnen nie wieder.»

Allzu schwer scheinen die Briten die Niederlagen aber nicht zu nehmen. Wie zu Europa insgesamt pflegen sie auch zum ESC eine gern zur Schau gestellte, mit Ironie unterfütterte Distanz. Vom «Festival der kontinentalen Disharmonie» schrieb die Zeitung «The Telegraph» am Wochenende, oft fällt auch das Leihwort «Kitschfest». Wenn es mal wieder schlecht läuft, spottet die Presse ausführlich über schräge Tänze der Konkurrenz und ereifert sich über das vermeintlich parteiische Abstimmungsverhalten etwa in Nordeuropa oder den Balkan-Staaten. 

Richten soll es für das Vereinigte Königreich diesmal eine Frau, die vor wenigen Tagen der BBC gegenüber sagte: «Im Januar hatte noch niemand von mir gehört.» Das Gegenteil von Promi-Bonus also. Ihre Ballade «Children of the Universe» hat Molly Smitten-Downes selbst geschrieben. «Es könnte sich lohnen, eine Flasche Sekt kaltzustellen», machte die «Metro» am Sonntag Stimmung.

Andere sind weniger optimistisch, etwa BBC-Moderatorenlegende Sir Terry Wogan, der fast 30 Jahre lang die TV-Übertagung des ESC kommentiert hat: «Wenn wir Take That auf die Bühne stellen könnten, hätten wir eine hervorragende Chance», witzelte er via «Daily Mail». Im selben Blatt gab Ex-Abba-Sänger Björn Ulvaeus, der 1974 mit «Waterloo» gewonnen hat, den ultimativen Tipp: Die Briten müssten einfach mal wieder mit einem richtig guten Song antreten.