Barcelona: Terroralarm! Verdächtige planten Selbstmordattentat

Bei Razzien in der katalanischen Stadt wurden am Samstag 15 Terrorverdächtige festgenommen, unter ihnen zwölf Pakistaner. Zudem fanden die Beamten Material zur Herstellung von Sprengstoffen und vier Zeitzünder, wie Spaniens Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba am Samstag in Madrid sagte. Ob die Anschlagspläne im Zusammenhang mit dem Europa-Besuch von Pakistans Präsident Pervez Musharraf standen, war unklar.

Bei den Festgenommenen handele es sich um die Mitglieder einer Gruppe „radikaler Islamisten“ von „beträchtlichem Organisationsgrad“, sagte Rubalcaba. Die Gruppe habe den Punkt erreicht, wo „ideologische Radikalisierung“ in „gewaltsame Handlungen“ überzugehen drohe. Außer zwölf Pakistanern wurden demnach zwei Inder bei morgendlichen Razzien in fünf Häusern im zentralen Viertel Raval festgenommen. Später wurde nach spanischen Medienberichten noch der Inhaber einer Bäckerei festgenommen, die in der Nähe einer von den Sicherheitskräften durchsuchten Moschee liege. Das wurde von den Behörden zunächst nicht bestätigt.

Anlass für die Razzien waren laut Rubalcaba Informationen des spanischen Geheimdienstes CNI und internationaler Geheimdienste, denenzufolge auf spanischem Boden Anschläge geplant gewesen seien, „genau gesagt in Barcelona“. Bei den Durchsuchungen wurden neben dem Material zur Sprengstoff-Herstellung  Computer und Speichermedien beschlagnahmt, die noch analysiert wurden. Der private Rundfunksender Cadena Ser berichtete, einige der Festgenommenen gehörten einer Gruppe an, die bestimmte Zweige des Terrornetzwerks El Kaida finanziell unterstützen.

Unklar war zunächst auch, ob die möglicherweise geplanten Anschläge mit dem Europa-Besuch Musharrafs in Verbindung standen. Wie die spanische Zeitung „El País“ am Samstag berichtete, warnte der spanische Geheimdienst Frankreich, Portugal und Großbritannien vor möglichen Anschlägen. „Bewegliche“ Gruppen hauptsächlich pakistanischer Bürger bereiteten demnach Attentate vor. Diese bedrohten auch Spanien „unmittelbar“. Musharraf wollte bei seiner am Sonntag beginnenden Europareise Belgien, Frankreich, Großbritannien und das Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos besuchen.

Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero äußerte sich zufrieden über den Fahndungserfolg in Barcelona. Nun sei es wichtig, die Tragweite der Absichten der mutmaßlichen Islamistengruppe zu unteruchen, sagte er im portugiesischen Braga. Seit den Terroranschlägen auf vier Pendlerzüge in Madrid, bei denen vor fast vier Jahren 191 Menschen starben, hat es in Spanien immer wieder Festnahmen von Terrorverdächtigen gegeben. In dem Prozess um die Anschläge vom 11. März 2004 wurden 21 Angeklagte verurteilt, drei von ihnen zu Haftstrafen von rund 40.000 Jahren.