Banco Santander: Ana Botin will nach oben! “Erste Frau in den Top Ten”

Sie ist die erste Frau, die eines der Top-Ten-Geldinstitute der Welt leiten darf. «Mit US-Notenbankchefin Janet Yellen und der Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde ist sie nun die mächtigste Frau der Finanz-Welt», wurde am Donnerstag im spanischen Fernsehen unisono analysiert.

Die «Eiserne Lady», wie die charakterstarke Mutter dreier Söhne in Spanien genannt wird, steht vor schweren Aufgaben. Sie wird sicher an den überragenden Leistungen ihres Vaters gemessen werden. Der am Dienstag an einem Infarkt verstorbene Emilio Botín wurde von Medien des Landes als «Modernisierer der spanischen Wirtschaft» gewürdigt. Während seiner 28-jährigen Präsidentschaft verwandelte er die einstige Provinzbank in ein Weltimperium mit 183 000 Mitarbeitern und hundert Millionen Kunden. Das Jahr 2013 schloss die Bank trotz Krise bei einem Umsatz von 39,75 Milliarden mit einem Nettogewinn von 4,37 Milliarden Euro ab.

Ana Botín stehe nun vor der Herausforderung, das Wachstum der Santander zu konsolidieren und die erfolgreiche Expansionspolitik in Europa, Lateinamerika und den USA fortzusetzen – und eventuell auf Asien auszuweiten, schrieb die Zeitung «El País». Gut vorbereitet auf ihren neuen Job ist die älteste von sechs Geschwistern allemal. Sie studierte unter anderem in Harvard, spricht fünf Sprachen und blickt auf eine steile Karriere als Bankerin zurück – nicht nur in dem 1857 von ihrem Ururgroßvater gegründeten Unternehmen.

«Mir wurde nichts geschenkt», sagte sie vor Jahren dem US-Magazin «Time». Tatsächlich begann die schwarzhaarige Frau ihre Laufbahn 1981 bei der Konkurrenz, der US-Investmentbank J.P. Morgan. 1988 holte der Vater sie in das Familienunternehmen. Als Leiterin der Abteilung für Auslandsinvestitionen hatte sie maßgeblichen Anteil am Aufstieg der Bank zum «global player». 1999 wurde sie vom Vater für eine Fusion geopfert, aber schon nach drei Jahren kehrte sie zurück. Zuletzt leitete sie die Geschicke der Santander in Großbritannien.

Die Bankchefin ist mit dem Sohn einer Adelsfamilie verheiratet. Von ihrer Mutter, der Pianistin Paloma O’Shea, lernte sie Klavierspielen. Sie hat auch ein Faible für den Golfsport. Die zumeist ernst dreinblickende Frau pflegt einen britisch-distanzierten Stil, gibt kaum Interviews und soll wie ihr Vater 14 Stunden am Tag arbeiten. Ihr Privatleben ist den Spaniern weitgehend unbekannt. Das wird sich jetzt sicher ändern.

Ana Botín blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft. «Wir werden weiter entschlossen arbeiten, um die Santander jeden Tag ein Stück besser zu machen», ließ sie mitteilen. Der Schriftsteller und Journalist Mariano Guindal, ein Kenner der Finanzwelt, weiß aber: «Ihre Arbeit wird nicht leicht. Wenn man den Namen Botín trägt, ist das eine Last in so einem Posten.»