Angehörige fordern: “Sagt uns endlich die Wahrheit!”

Sie werfen der Regierung vor, ihnen nicht die Wahrheit gesagt zu haben.

Spaniens Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba versprach zwar, dass die Mehrzahl der Toten bereits bis Sonntagabend identifiziert sein solle. 

Fünf Tage nach dem Flugzeugabsturz von Madrid sind allerdings noch immer nicht alle Opfer identifiziert. Bislang sei die Identität von 90 Toten geklärt. 

Die Forensiker arbeiteten "Tag und Nacht". 153 Menschen waren direkt bei dem Unglück am vergangenen Mittwoch ums Leben gekommen, eine Frau starb am Samstag an ihren schweren Verbrennungen. Bei rund 50 Todesopfern war eine Identifizierung anhand digitaler Fingerabdrücke möglich, bei den anderen mussten DNA-Analysen vorgenommen werden. 

Stark verkohlte Leichen werden möglicherweise niemals identifiziert

Ein Experte erklärte gegenüber dem Fernsehsender TVE, dass es in einigen Fällen nahezu unmöglich sei, eine sichere Identifizierung durchzuführen: 

"Bei stark verkohlten Leichen ist selbst eine DNA-Analyse sehr schwierig. Es kann noch sehr lange dauern, bis alle Todesopfer identifiziert werden. Möglicherweise werden einige Fälle nie geklärt werden können".

"Wer den Angehörigen erzählt hat, in 48 Stunden sei die Identifizierung der Leichen abgeschlossen, hat schlichtweg gelogen", fährt er fort. "Die Menschen wollen ihre Liebsten übergeben bekommen. Sie können mit der Todesnachricht nicht abschließen, bevor sie ihre verstorbenen Angehörigen nicht beerdigt haben". 

So hart wie es klingt, man hätte den Familienangehörigen keine Hoffnungen machen dürfen, was die Identifizierung angeht. "Diese Menschen brauchen jetzt Medikamente, um schlafen und ausruhen zu können. Zudem müssen sie sich zusammenschließen, Trost in der Familie, oder auch in der Kirche suchen", erläutert der Experte.

Die Überlebenden durchlaufen zwei Phasen

Überlebende einer derartigen Katastrophe durchlaufen hingegen stets zwei Phasen: Sobald sie ihr Glück fassen können, suchen sie Zweifel, manchmal gar Schuldgefühle auf. "Warum habe ausgerechnet ich überlebt, wenn es so viele Opfer gab?" 

Phase zwei erreicht schließlich die Einsicht des "zweiten Geburtstags". "Von diesem Moment an beginnt ein neues Leben für die Überlebenden. Sie werden nie wieder so leben wie zuvor, ihre Ansichten und Lebensweise ändern sich radikal. Es gibt ein Vorher und ein Nachher".

Am Montagmorgen befanden sich noch alle 18 Verletzten in Krankenhäusern, zwei von ihnen in kritischem Zustand. Die Ärzte sorgten sich vor allem um den Zustand einer 44-jährigen Frau. 

Die Menschen wollten aussteigen, sogar Busse hatten sich dem Flieger genähert

Über die genaue Ursache der Katastrophe gab es weiter keine Klarheit. Der Zorn der Angehörigen wurde zudem von Berichten Überlebender bestärkt, wonach mehrere Passagiere nach einem ersten Fehlstart aussteigen wollten und dies nicht durften. 

"Viele Menschen wollten aussteigen", berichtete die Notärztin Ligia Palomino. Es hätten sich sogar Busse dem Flugzeug genähert. Letztlich habe aber niemand aussteigen dürfen vor dem zweiten Startversuch, der dann in die Katastrophe führte.

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