Die sozialistische Regierung hatte das neue Tempolimit erlassen, um die gestiegenen Ölpreise aufzufangen. Laut Verkehrsministerium lassen sich damit jährlich rund 1,4 Milliarden Euro an Spritkosten einsparen.

Die Maßnahme hat in Spanien jedoch eine heftige Kontroverse über den tatsächlichen Nutzen ausgelöst. Und nicht nur Formel-1-Pilot Fernando Alonso sagt und denkt: "Bei Tempo 110 schlafe ich doch ein!"

Für die Regierung sieht die Sache anders aus. "Wir wissen nicht, wie lange die politische Instabilität im Norden Afrikas und in den arabischen Ländern anhält. Handeln müssen wir aber jetzt", sagte Vizepremier Alfredo Pérez Rubalcaba . Schließlich hängt das Krisenland Spanien zu 80 Prozent von Energieimporten ab.

Die konservative Volkspartei (PP) kritisiert den Plan jedoch als "chaotisch, lächerlich und grotesk" und hält den angekündigten Spareffekt für übertrieben. So treffe das Tempolimit zwar die Autofahrer, nicht aber Lastwagen und Busse, die sowieso langsamer fahren müssten. Sie machten aber rund ein Drittel des gesamten Spritverbrauchs aus. Außerdem entfalle auf die Autobahnen nur 60 Prozent des Verkehrs. Der Rest konzentriere sich auf die Städte.

"Es geht hier um sowjetische Maßnahmen, wie sie heute die Menschen auf Kuba gewöhnt sind", kritisierte PP-Sprecher Esteban González Pons. "Die Spanier können aber nicht per Dekret zum Sparen gezwungen und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden." Vielmehr brauche das Land ein neues Energiemodell.

Auch Spaniens Automobilclubs laufen gegen die Verordnung Sturm. "Am Ende wird immer der Autofahrer bestraft", beklagte der Verband CEA. Das Tempolimit werde nur zu einer Zunahme der Strafzettel führen. Die Regierung müsse stattdessen mit Kaufanreizen dafür sorgen, den veralteten Fuhrpark im Lande zu erneuern.

Den Umweltschützern geht der Sparplan dagegen nicht weit genug. "Die Regierung hat die Chance vertan, eine wirklich durchgreifende Lösung zu beschließen", heißt es bei Greenpeace. Die Organisation Ecologistas en Acción forderte, die Geschwindigkeit auf Autobahnen dauerhaft auf 100 km/h zu begrenzen.

Genau das fürchten viele Autofahrer in Spanien am meisten. Das erste Tempolimit überhaupt war im Zuge der großen Ölkrise von 1973 noch unter der Franco-Diktatur eingeführt worden – es wurde nie wieder abgeschafft. (SAZ, dpa; Foto: Ferrari)