Alles über die Katalanen

Rom gewann zum Ende des dritten Jahrhunderts die Vorherrschaft und erhob die Gegend etwa 19 nach Christi zur römischen Provinz. Dann gelangte die Pyrenäenhalbinsel unter gotischen Einfluss. Es folgten fränkische und französische Ansprüche und Einflüsse. 1173 dann entstand aus Ländereien der Grafen Barcelonas und Aragoniens eine Staatengemeinschaft, die Krone Aragoniens. Im Hoch- und Spätmittelalter entwickelte sich dieser Zusammenschluss zu einer beherrschenden wirtschaftlichen und kulturellen Macht, deren Zentrum der katalanische Teil der Staatengemeinschaft, das Prinzipat Katalonien, war.

Aus dem Spanischen Erbfolgekrieg (1700-1713) ging Philipp V. als Sieger hervor und er bestrafte Katalonien für seine Unterstützung der Habsburger. Barcelona ergab sich 1714 den Bourbonen und verlor seine Eigenständigkeit.

Die Sprache

Unter Franco wurde Katalanisch unterdrückt und noch bis 1967 wurde an den Schulen in den katalanischen Gebieten ausschließlich auf Spanisch unterrichtet. Seit 1978 aber ist der Autonomiestatus der Region verfassungsmäßig abgesichert und seither gilt Katalanisch als gleichberechtigte Sprache gegenüber dem Spanischen.

Katalonien heute

Katalonien gilt seit 1978 als autonome Gemeinschaft innerhalb Spaniens. Gegenüber den anderen autonomen Gemeinschaften (Baskenland, Galicien, Navarra) hat Katalonien ein größeres Maß an Eigenständigkeit in Verwaltung und auch Gesetzgebung. 

Wirtschaftlich gilt Katalonien als wirtschaftsstärkste autonome Region Spaniens. Katalonien ist hoch industrialisiert. So ist die Region ein Standort für die Chemie-, Textil-, Arzneimittel- und Automobilindustrie.

Der Tourismus ist ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig. Die Costa Brava und die Costa Daurada sind beliebte Ferienziele der Europäer und Barcelona, Kataloniens Hauptstadt, ist auch für Kreuzfahrtschiffe ein wichtiger Mittelmeerhafen.

Landwirtschaftliche Bedeutung hat in Katalonien besonders der Weinanbau, denn neben Frankreich sind die Katalanen die bedeutendsten Sektproduzenten und Sektexporteure weltweit.

Die Katalanen und ihr Nationalbewusstsein

Katalanen sind stolze Menschen. Alljährlich am 11. September gedenken sie ihrer Toten und trauern um den Verlust ihrer Unabhängigkeit 1714, feiern aber dennoch ihre Sprache und ihre Kultur. Diese sind trotz aller Repressalien über Jahrhunderte erhalten und werden weiter patriotisch gepflegt.

Els Segadors (Der Schnitter) ist der Titel der katalanischen Nationalhymne und in ihrem Text wird an einen Aufstand gegen die kastilischen, spanischen, Machthaber erinnert. In der heutigen Zeit singen die Katalanen ihre Hymne mit besonderer Inbrunst.

Katalonien will die Unabhängigkeit von Spanien

Nachdem eine offizielle Volksbefragung von der spanischen Regierung als gesetzeswidrig und nicht verfassungsgemäß abgelehnt und verboten wurde haben die Katalanen nun am 9. November 2014 dennoch eine symbolische Volksbefragung durchgeführt. Die spanische Regierung tolerierte diese Aktion unter der Bedingung, dass sich die katalanische Regierung nicht an der Organisation der Volksbefragung beteilige.

Das Ergebnis ist beachtlich. Etwa 2 Millionen der etwa 5 Millionen stimmberechtigten Katalanen gingen zu den Wahlurnen und über 80 Prozent der Wähler stimmten mit „si“ einer Abspaltung von Spanien zu. Auch wenn Madrid die Volksabstimmung nicht anerkennt – das politische Gewicht des Wahlergebnisses ist unumstritten. Der Regionalpräsident Kataloniens Artur Mas will nun die Durchführung eines legalen Referendums vorantreiben.

Die Katalanen wollen sich von Spanien lösen um die eigenen Interessen in einem eigenen Land verwirklichen zu können. Sie fühlen sich von der spanischen Steuerpolitik gegängelt und ausgenutzt. Katalonien ist Heimat für 16 Prozent der Spanier und erarbeitet ungefähr 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Dennoch wird auch in Katalonien immer mehr gespart, sei es an Ausgaben für Bildung und Kultur oder auf vielen anderen Gebieten des sozialen Lebens. Die Katalanen wollen nicht mehr das aus Madrid kommende Umverteilungsmuster des Länderfinanzausgleichs unterstützen sondern die Milliarden besser im eigenen Land anlegen um die Infrastruktur zu verbessern, Investitionen vorzunehmen und der Arbeitslosigkeit (in Katalonien etwa 25 Prozent) zu begegnen.