Air Comet pleite: Weihnachten auf dem Flughafen

Statt Weihnachten im Kreise der Familie zu feiern, hockte sie jedoch mit Tränen in den Augen neben ihrer 17-jährigen Tochter auf dem Flughafen Madrid-Barajas.

Die spanische Fluggesellschaft Air Comet, die Mutter und Tochter nach Ecuador bringen sollte, hatte kurz vor Weihnachten wegen eines Bankrotts den Betrieb eingestellt. Tausende lateinamerikanische Gastarbeiter, die mit der Linie nach Ecuador, Peru, Argentinien oder Kolumbien fliegen wollten, saßen in Madrid fest.

Viele von ihnen ließen sich auf dem Flughafen in einem Camp an den verwaisten Abfertigungsschaltern von Air Comet nieder. "Der Weihnachtsmann bringt mir in diesem Jahr keine Geschenke", befürchtete die fünfjährige Estefanía. "Sein Flugzeug fliegt bestimmt auch nicht."

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Etwa 200 gestrandete Passagiere organisierten zu Heiligabend ein improvisiertes Weihnachtsessen. Sie sammelten Geld und schickten zwei Freiwillige in die Madrider Innenstadt, um dort Brathähnchen und Wein zu besorgen.

"Die Hähnchen ähneln noch am ehesten der traditionellen Weihnachtspute", sagte Graciela Nájera. Die 31-jährige Ecuadorianerin hatte vor drei Jahren eine ähnliche Situation erlebt. Damals hatte mit Air Madrid ebenfalls eine Fluglinie den Betrieb eingestellt, die sich auf Billigflüge nach Lateinamerika spezialisiert hatte.

Jeder der gestrandeten Fluggäste hatte von einem eigenen kleinen Drama zu berichten. Die einen hatten ihre Kinder daheim in Lateinamerika seit Jahren nicht gesehen, andere waren auf dem Weg zu kranken Angehörigen. Bei so viel Unglück hatten auch die Wachpolizisten des Madrider Flughafens Mitleid. Sie verteilten ihre Weihnachtsrationen mit Scampi und Lammbraten an Familien mit Kindern.

Die in den Wartehallen campierenden Fluggäste hatten keinen Zweifel daran, wem sie das vermasselte Weihnachtsfest zu verdanken hatte: Für sie ist Gerardo Díaz Ferrán, der Besitzer der bankrotten Linie, der Hauptschuldige. "Ich mag gar nicht dran denken, dass er daheim vor einem reich gedeckten Weihnachtstisch sitzt und wir uns die Nächte auf dem Flughafen um die Ohren schlagen müssen", beklagte sich der Lastwagenfahrer Angel Muela.

Díaz Ferrán ist nicht nur der Chef von Air Comet sondern auch der Präsident des spanischen Arbeitgeberverbandes. Die Linie war ihren Angestellten seit fünf Monaten die Gehaltszahlungen schuldig geblieben.

Über seine Firma sagte der "Boss der Bosse": "Mit Air Comet hätte ich keine Reise gebucht." Die spanische Regierung hatte mit einer Gläubigerbank ausgehandelt, dass die insolvente Linie ihre geleasten Flugzeuge bis zum 10. Januar benutzen darf, um den Lateinamerikanern noch zu ihren Weihnachtsferien zu verhelfen. Air Comet lehnte das Angebot jedoch ab, angeblich weil die Linie nicht einmal mehr den Treibstoff zahlen konnte.

Das spanische Verkehrsministerium organisierte über die Weihnachtstage Sonderflüge, die 2200 der insgesamt 4600 gestrandeten Air-Comet-Passagiere mit ein paar Tagen Verspätung noch ans Ziel brachten. 1400 konnten auf andere Gesellschaften umgebucht werden. Für die Rückflüge müssen die Betroffenen selbst aufkommen.  (SAZ, dpa)

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Foto: SAZ