Air Berlin bleibt in der Luft: Spanien-Urlaub kann geplant werden

Europas Fluggesellschaften müssen sich im kommenden Jahr warm anziehen. Für die kränkelnde Air Berlin wird es allerdings voraussichtlich erst einmal wärmer.

Die staatliche Etihad Airways, reiche Retterin vom Persischen Golf, verschafft Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft mit ihrem Einstieg das nötige Polster, um heil durch eine drohende Wirtschaftskrise zu kommen. Doch mit dem neuen deutsch-arabischen Bündnis kommt auch neue Konkurrenz für Lufthansa & Co.: Die Araber erhalten dank Air Berlin endlich den langersehnten Anschluss zu zig Flughäfen in Europa.

Für Europas Fluggesellschaften sieht es im kommenden Jahr düster aus. Auf 600 Millionen US-Dollar schätzt die Weltluftfahrt-Organisation IATA die Verluste für den positiven Fall, dass die Politik den Euro rettet und eine veritable Bankenkrise ausbleibt. Sollte sich die Krise allerdings ausweiten, rechnet IATA-Chefökonom Brian Pearce sogar mit Verlusten in mehrfacher Milliardenhöhe. «Der Wirtschaftsabschwung wird die Billigflieger ebenso treffen wie die klassischen Linienfluggesellschaften», sagte Pearce Anfang Dezember in Genf. Und: Nirgendwo dürfte die Krise so stark zuschlagen wie in Europa.

Keine Frage, dass sich Air Berlin für diesem Fall wappnen musste. Seit Jahren fliegt die rot-weiße Fluglinie in den roten Zahlen. Selbst als der europäische Marktführer Lufthansa und Billigfluggesellschaften wie Ryanair dicke Gewinne schrieben, gewann Air Berlin nicht an Höhe. Zuletzt schleppte das Unternehmen, das weder Billigflieger noch klassischer Linienflieger sein will, einen Schuldenberg von fast 650 Millionen Euro mit sich herum. Das ist rund dreimal so viel, wie die Fluglinie an der Börse wert ist. Und in der Krise führen solche Lasten leicht zum wirtschaftlichen Absturz.

Für die Scheichs aus dem Emirat Abu Dhabi ist das finanzielle Leichtgewicht Air Berlin eine billige Beute. Mit rund 73 Millionen Euro kostet sie das ganze Aktienpaket weniger als ein einziges Mittelstreckenflugzeug von Boeing oder Airbus, von denen Air Berlin eine dreistellige Zahl betreibt. Außerdem spendiert Etihad einen dicken Kredit, der über fünf Jahre läuft. Doch der strategische Vorteil für die Araber könnte immens sein. «Deutschland ist ein wichtiger Markt, und Air Berlin ist auch in Österreich, der Schweiz und Spanien gut vertreten», schwärmt Etihad-Chef James Hogan. «Solch eine Präsenz könnten wir alleine nie so schnell erreichen.»

Wenn die Zusammenarbeit wie geplant funktioniert, können die Araber ihren Kunden ab dem kommenden Jahr über ihr Drehkreuz Abu Dhabi Flugverbindungen aus Asien, Australien oder Nordamerika hin zu Zielen wie Nürnberg, Berlin oder direkt zu den Stränden von Palma de Mallorca anbieten. Das Streckennetz von Air Berlin macht es möglich. Umgekehrt können Air-Berlin-Kunden die Langstreckenflüge von Etihad nutzen.

Genau das ist der Vorteil, den die hiesigen Branchengrößen wie die Lufthansa ihren Konkurrenten aus den Golfstaaten bislang nicht gönnen. «Die Golfcarrier setzten Passagier- und Frachterlöse in den Kernmärkten unter Druck», analysierte Lufthansa-Chef Christoph Franz erst im Herbst. Fluglinien wie Emirates, Qatar Airways und Etihad machen Europas größter Fluggesellschaft vor allem auf der sonst so lukrativen Langstrecke zu schaffen.

Bislang konnte die Lufthansa wie andere europäische Gesellschaften mit ihrem Zubringernetz in Europa gegenhalten, das Emirates und den anderen fehlt. Dieser Vorteil dürfte nun schrumpfen. «Der Einstieg von Etihad ist auch eine Kampfansage an die Lufthansa», sagt ein Brancheninsider. Bislang hätten die Golf-Gesellschaften die Beteiligung an anderen Fluglinien abgelehnt. «Jetzt ist das ja quasi die Verstaatlichung von Air Berlin durch die Hintertür.» Denn hinter Etihad steht niemand anderes als das Emirat Abu Dhabi.

Europas Fluggesellschaften droht angesichts der neuen Konkurrenz ein noch härterer Start ins nächste Jahr, als ohnehin zu erwarten war. Die Lufthansa hat bereits einen schärferen Sparkurs angekündigt, auch bei Air France-KLM zeichnen sich neue Sparmaßnahmen ab. «Der Himmel verdüstert sich weiter», sagt einer aus der Branche. Bei Air Berlin, vor kurzem noch als Pleite-Kandidat gehandelt, dürfte das Licht allerdings auf lange Sicht erst einmal nicht ausgehen.