Affäre im Tschad: Minister spricht von “Entrüstung”

„Mein Volk ist entrüstet. Der Westen hat uns angeblich die Menschenrechte gebracht. Nun kommen sie zu uns und verletzen diese Rechte“, sagte Tourismusminister Ibrahim Ahmed Koulamallah im Interview mit der spanischen Zeitung „El País“ (Mittwochsausgabe). 

Als Grund sieht Koulamallah, der im südspanischen Córdoba an einer Konferenz teilnahm, die Armut auf dem afrikanischen Kontinent. „Alle denken, dass Afrika arm ist, und nutzen dies aus“, sagte er. „Die Leute glauben, in Afrika ist alles erlaubt.“

Das zentralafrikanische Land wirft der Hilfsorganisation Arche de Zoé vor, sie habe 103 Kinder aus dem Tschad „entführen“ wollen. Die Organisation beteuert hingegen, es handele sich um Waisenkinder aus der angrenzenden sudanesischen Krisenregion Darfur, die „vor dem sicheren Tod“ gerettet werden sollten. Am Montag und Dienstag wurden im spanischen Fernsehen wiederholt Szenen der weinenden Kinder gezeigt, die laut den Behörden des Tschad ihre Familien vermissen und nach „zurück Hause wollen“.  

16 Europäer und zwei Einheimische müssen sich in diesem Fall nach Angaben der tschadischen Behörden vom Montag wegen Kindesentführung und Betrugs beziehungsweise wegen Beihilfe dazu verantworten, darunter auch sieben spanische Besatzungsmitglieder der Fluggesellschaft Girjet. Während den Franzosen in erster Linie Entführung und Betrug vorgeworfen wird, gelten die Spanier als „Komplizen“. Heute werden die Angeklagten in die Hauptstadt Yamena gebracht, wo sie verurteilt werden sollen.