Bingen (ots) –

Steigende Pendlerströme, wachsende Lieferverkehre, immer mehr Pkw und der Wunsch nach mehr Raum für Radfahrer stellen die Kommunen vor große Herausforderungen. Vor allem die zunehmende Parknot macht den Stadtverantwortlichen und Bewohnern zu schaffen.

Am Mittwoch, 8. Juni stellte der ADAC im Rahmen der bundesweiten Expertenreihe ,Zeit zum Umparken!‘ die Ergebnisse seiner Untersuchung zum Thema Parken rund 120 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vor.

Auf Einladung der ADAC Regionalclubs Hessen-Thüringen, Mittelrhein, Pfalz und Saarland diskutierten die Experten im NH Hotel in Bingen verschiedene Lösungsansätze aus der Perspektive der Auto-, Motorrad-, Rad- und Wohnmobilfahrer.

„Parken ist ein Schlüsselfaktor für die städtische Mobilität und sollte ganzheitlich betrachtet werden. Das heißt, Veränderungen der städtischen Mobilität wie die Zunahme des Radverkehrs und die Elektrifizierung müssen Berücksichtigung finden“, betonte Prof. Dr. Peter König, Vorstand Verkehr & Technik beim ADAC Mittelrhein, zu Beginn der Veranstaltung.

Im Anschluss präsentierte Ronald Winkler, ADAC Fachreferent für Stadtverkehr, die Ergebnisse der ADAC Umfrage. Demnach beklagen sich 30 Prozent der Innenstadtbewohner, die ein Auto besitzen, über nicht genügend Stellplätze, lange Parkplatzsuchen und hohe Parkgebühren. Die Hälfte der Radfahrerinnen und Radfahrer vermisst in den Innenstädten Abstellmöglichkeiten, vier von zehn kritisieren den dort fehlenden Witterungsschutz.

„Die vielerorts geplanten Gebührenerhöhungen für das Bewohnerparken, ohne dass mehr Parkmöglichkeiten geschaffen werden, lehnt die Mehrheit der Befragten ab. Gleiches gilt für den ersatzlosen Abbau von Pkw-Stellplätzen zugunsten von Radwegen oder Busspuren“, berichtete der Münchener Verkehrsexperte.

Da der Mangel an Stellplätzen im öffentlichen Straßenraum weiter zunimmt, ist es aus Sicht des ADAC wichtig, die vorhandenen Plätze durch Parkraummanagement und mit Hilfe von Digitalisierung flexibler und effektiver zu nutzen. Ein Wegfall von Stellplätzen aufgrund von Flächenumwandlungen kann nur dann Akzeptanz finden, wenn alternative Parkraumangebote in Wohnortnähe geschaffen werden.

Dazu präsentierte Verkehrsplaner Ivan Kosarev (Ingenieurbüro LK Argus) Parkraummanagementkonzepte am Beispiel der Städte Berlin, Düsseldorf und Köln. Die Konzepte basieren auf einer umfangreichen Analyse der städtischen Parkraumsituation, Bewertung von Instrumenten der Parkraumorganisation sowie Empfehlungen für eine zukunftsweisende Praxis auf gesamtstädtischer Ebene. Neben einer Flächenumverteilung sei die Parkraumbewirtschaftung eines der wichtigsten Instrumente.

„Parkraum stark zu verteuern – das löst keine Konflikte. Wir brauchen zukunftsweisende Konzepte, die für eine sichere Mobilität stehen und die auf mehr Miteinander der Verkehrsteilnehmer setzen statt auf ein Gegeneinander“, betonte Kosarev. Ein effizientes Parkraummanagement erfordere eine klare Haltung, Ressourcen und Kommunikation. „Parkraumkonzepte können nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn die Maßnahmen auf eine breite Zustimmung der Öffentlichkeit stoßen“, so Kosarev.

Weitere Konzepte und Lösungen aus der Praxis präsentierten und diskutierten Wolfgang Bohle (Planungsgemeinschaft Verkehr – PGV-Alrutz GbR), Lukas Hartmann (Stadt Landau/Pfalz), Prof. Dr. Petra Schäfer, (Frankfurt University of Applied Sciences) sowie Gerd Seber (Bundesverband Paket und Expresslogistik e.V.). Die Themen reichten dabei von der umfassenden Digitalisierung des Parkens durch Apps, Daten und Services über zeitlich gestaffelten Ladezonen für Logistiktransporte bis hin zu individuelle Parkkonzepte für Fahrradfahrer und Anwohner.

„Es ist höchste Zeit umzuparken, um den gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen gerecht zu werden. Um die Zukunft des Verkehrs erfolgreich zu gestalten, muss das Innovationspotenzial unseres Landes zu nutzen“, hob Michael Puschel vom rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium hervor.

„Die Vorträge und Diskussionen haben eins gezeigt: wir müssen das Parken neu denken und im Rahmen von Experimenten Neues ausprobieren. Ein Parkraummanagement kann nur dann erfolgreich sein, wenn es als Teil eines umfassenden städtischen Verkehrskonzeptes für die Bevölkerung nachvollziehbar wird. Da gibt es noch viel zu tun und wir als ADAC stehen als Partner und Mobilitätsdienstleister für alle bereit“, blickte Prof. Dr. Peter König voraus.

Weitere Informationen sind unter www.adac.de/expertenreihe2022 abrufbar.

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