Köln (ots) –

Während sich die Krise im Jemen zum siebten Mal jährt, benötigen etwa 21 Millionen Menschen – mehr als zwei Drittel der jemenitischen Bevölkerung – humanitäre Hilfe. 17,4 Millionen Menschen sind von akutem Hunger und Nahrungsmittelknappheit betroffen sind. Die Klimakrise und Einfuhrbeschränkungen bedrohen Mensch und Natur.

Der Jemen befindet sich in einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt. Sieben Jahre nach Beginn der schweren Eskalation des Konflikts wird die Lage im Land immer verheerender.

„Schätzungen zufolge sind durch den Krieg im Jemen fast 400.000 Menschen ums Leben gekommen, und mehr als 21 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Der Hunger ist weit verbreitet und wird durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch noch verschlimmert, so dass Millionen von Menschen nicht wissen, woher sie ihre nächste Mahlzeit nehmen sollen“, erklärt Nuri Köseli, Pressesprecher von Islamic Relief Deutschland, die dramatische Lage des Landes.

„Die Hungersnot ist eine ständige Bedrohung und die von Islamic Relief im Jemen unterstützten Kliniken haben Mühe, die vielen unterernährten Patienten, insbesondere Kinder, zu versorgen.

Die chronische Unterfinanzierung und die fehlende notwendige internationale Reaktion erschwert die Krise, da humanitäre Hilfsorganisationen aufgrund fehlender finanzieller Mittel eingeschränkt sind und ihre Hilfe nicht ausweiten können.“

Neben den Menschen im Jemen leidet auch die Umwelt unter den Auswirkungen der anhaltenden Krise. Das Land war bereits zuvor von Überschwemmungen, Dürre und schweren Sandstürmen bedroht, doch die durch die Krise ausgelöste zunehmende Entwaldung und Wüstenbildung fügt ihm weiteren Schaden zu.

Steigende Nachfrage nach Holz

Aufgrund der Blockade der von den Huthi kontrollierten Gebiete und der Einfuhrbeschränkungen für den Hafen von Al Hodeidah sind Menschen und Unternehmen gezwungen, Bäume für Brennholz zu fällen. Seit 2018 wurden mehr als 5 Millionen Bäume gefällt – allein in der Hauptstadt Sana’a werden jährlich mehr als 889.000 Bäume gefällt, um Bäckereien und Restaurants zu versorgen.

Die steigende Nachfrage nach Holz hat eine Welle der Abholzung ausgelöst, deren Auswirkungen für die langfristige Entwicklung des Jemen verheerend sind. Die Nachfrage und die hohe Arbeitslosigkeit haben dazu geführt, dass einige ehemalige Landwirte, deren Land nicht mehr bewirtschaftet werden kann, sich dem Holzeinschlag zuwenden, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Schutzmaßnahmen für Wälder und Waldgebiete wurden aufgegeben und der Verlust von Lebensraum hat einige Vögel sowie andere Tierarten zur Abwanderung gezwungen.

Klima und Ernährungsunsicherheit: Wasser- und Nahrungsmangel für Mensch und Tier

Abholzung und Wüstenbildung verschärfen das ohnehin schon verheerende Problem der Ernährungsunsicherheit im Jemen, indem sie einstige landwirtschaftliche Nutzflächen vernichten und die Quellen für sauberes Trinkwasser erschöpfen.

Millionen von Menschen stehen am Rande einer Hungersnot, und Unterernährung ist weit verbreitet. Viele Familien wissen nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommen soll.

Menschen und Vieh sind im gesamten Jemen vom Wasser- und Futtermangel bedroht, und die schrumpfenden Anbauflächen entziehen denjenigen, die darauf angewiesen sind, die Möglichkeit, sich und ihre Familien zu ernähren. 75 Prozent der jemenitischen Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten und sind auf stabile klimatische Bedingungen angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Ist dies nicht der Fall, sind Haushalte und Gemeinschaften gezwungen umzusiedeln, was zu einer der größten Binnenvertreibungen der Welt führt.

Nicht nur die Häuser und Lebensgrundlagen der Jemeniten gehen durch den Klimawandel verloren. Die Krise hat zu einer Vernachlässigung der empfindlichen terrassenförmig angelegten landwirtschaftlichen Systeme geführt, die seit Jahrtausenden als Nahrungs- und Lebensgrundlage in dem gebirgigen Land dienen. In Verbindung mit extremen Wetterereignissen bedroht dies die Existenz dieser Lebensweise.

„Der Klimawandel ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit, und oft tragen diejenigen, die am wenigsten dazu beigetragen haben, die Hauptlast seiner negativen Auswirkungen. Der Jemen ist da keine Ausnahme. Der Klimawandel verschlimmert die humanitäre Krise im Land“, sagt Ammar Abdulbaset Nagi Aldumini von Islamic Relief Jemen.

„Wir haben von Menschen gehört, die versuchen, mit dem Verkauf von Brennholz ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, weil sie keine andere Einkommensquelle haben, aber der Schaden, der dadurch in der jemenitischen Landschaft angerichtet wird, ist tiefgreifend. Ohne Ackerland und Landwirtschaft werden noch mehr Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren und in die Ernährungsunsicherheit gedrängt werden, und alle Bemühungen um eine langfristige Erholung werden ernsthaft behindert werden.“

„Um der Entwaldung Einhalt zu gebieten, müssen sich alle beteiligten Parteien zunächst auf ein Ende des Konflikts einigen. Eine dauerhafte Beendigung des Konflikts wird es den Jemeniten ermöglichen, Zugang zu dem von ihnen benötigten Brennstoff zu erhalten – erst dann kann der Jemen Maßnahmen zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion und zur Verringerung der Armut ergreifen.“

Islamic Relief im Jemen

Islamic Relief ist seit 1998 im Jemen tätig. Nach der Eskalation der Krise im Jahr 2015 hat die internationale Hilfsorganisation auch in Kooperation mit UN-Organisationen ihre Programme in dem Land deutlich verstärkt.

Die Hilfsorganisation stellt Nahrungsmittel, Wasser, Gesundheitsversorgung und Bildung bereit, um Unterernährung und gefährliche Krankheiten wie Covid-19 und Cholera zu bekämpfen.

In Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm (WFP) werden Lebensmittel und Gutscheine an bedürftige Menschen, darunter auch Binnenvertriebene, verteilt.

Die Teams vor Ort unterstützen Gesundheitseinrichtungen bei der Versorgung und Aufklärung zur Bekämpfung gefährlicher Krankheiten wie COVID-19 und Cholera. Seit Beginn der Pandemie hat Islamic Relief Medikamente und Ausrüstung, einschließlich Beatmungsgeräte, an Isolationszentren im Jemen geliefert.

Islamic Relief setzt sich für den Zugang zu sauberem Trinkwasser ein und unterstützt Familien und Gemeinden in den kalten Wintermonaten durch die Bereitstellung von Lebensmitteln, Brennmaterial und Decken.

Während des Ramadan und zu Kurban werden zudem Lebensmittelpakete verteilt, um bedürftigen Menschen mit Nahrungsmittelsicherheit zu helfen.

Außerdem leistet Islamic Relief verwaisten Kindern lebenswichtige Hilfe unter anderem durch ihr Waisenpatenschaftsprogramm, das Tausende von Kindern im Land unterstützt.

„Kinder sind im Jemen mit extremer Not konfrontiert. Die Menschen im Jemen brauchen die internationale Unterstützung jetzt mehr denn je. Die Weltgemeinschaft steht in der Verantwortung, die lebensrettende Arbeit im Jemen fortzusetzen. Wir fordern die internationale Weltgemeinschaft auf, die Notsituation der Zivilbevölkerung im Jemen nicht außer Acht zu lassen!“, appelliert Nuri Köseli.

In den letzten Jahren haben die Unterstützerinnen, Unterstützer und Partnerinstitutionen von Islamic Relief mehr Geld für den Jemen gespendet als einige wirtschaftlich starke Regierungen.

Hintergrundinformationen:

– Steigende Arbeitslosigkeit und Inflation führen dazu, dass viele Familien keine Nahrungsmittel haben und andere Grundbedürfnisse nicht decken können.
– Mindestens 4 Millionen Menschen im Jemen sind Binnenflüchtlinge.
– Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Dies beeinträchtigt ihre Lebensgrundlagen, ihre Landwirtschaft und ihre Gesundheit. Zudem erhöht der mangelnde Zugang zu sauberem Wasser das Risiko, sich mit durch Wasser übertragenen Krankheiten wie Cholera anzustecken.
– Jemenitische Kinder werden ihrer Zukunft beraubt, weil aufgrund des Konflikts rund 2 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen können.
– Hinzu kommt, dass die Millionen von Kindern, die von Unterernährung und Hunger betroffen sind, wahrscheinlich lebenslang gesundheitliche Probleme haben werden, wenn sie überleben.
– Die chronische Unterfinanzierung erschwert die internationale Reaktion auf die Krise im Jemen, da einige Organisationen ihre Hilfe aufgrund fehlender finanzieller Mittel einschränken müssen.

Pressekontakt:
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