Spanien zittert sich ins WM-Finale 2018: Neymar, Cristiano Ronaldo oder Messi?

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Stell‘ Dir vor, Du bist Gruppenerster, weißt aber nicht warum. Und es gibt auch keinen anderen, der es Dir sagen kann! So ungefähr muss man sich die Seelenverfassung der spanischen Seleccion in Russland vorstellen. Genau anders herum also als bei den deutschen Kollegen – die wissen immerhin ganz genau, warum sie ausgeschieden sind.

Und so zittert derzeit ganz Spanien mit seinen Helden, die in der Qualifikation noch so souverän gewonnen hatten. Jetzt aber sind sie in einem Formtief. Das Finale könnte leicht zu erreichen sein, auf dem Papier. Aber auf dem Platz sieht es derzeit düsterer aus. Oder?

„Wir sind doch Erster in unserer Gruppe geworden, aber die Stimmung ist so, als wären wir mit Ach und Krach weiter gekommen oder sogar ausgeschieden.“

Entsprechend erklärte auch Marco Asensio, der Jungstar von Real Madrid, die Lage der Spanier vor dem Achtelfinalspiel gegen Russland am Sonntag, 1. Juli (16 Uhr): „Wir sind doch Erster in unserer Gruppe geworden, aber die Stimmung ist so, als wären wir mit Ach und Krach weiter gekommen oder sogar ausgeschieden.“

Fast wäre es ja auch so weit gewesen. Zwar setzten sich die Spanier am Ende in ihrer Gruppe durch, aber das 2-2 gegen Marokko im letzten Vorrundenspiel, das letztlich den Gruppensieg brachte, war doch deutlich holpriger als erwartet. Nur durch ein Tor, das per Videobeweis kurz vor Spielende für legal erklärt wurde, gab es ein Unentschieden. Schon das 1-0 davor gegen Iran war keine Offenbarung. Und das 3-3 gegen Portugal im Auftaktspiel erst recht nicht.

Andres Iniesta: „Ich sehe keinen Grund, wieso wir uns nicht verbessern sollten.“

So machen sich die Spanier Mut, allerdings auf der Basis von Selbskritik: „So geht es nicht weiter“, erklärte Trainer Fernando Hierro, der den gefeuerten Julen Lopetegui mit Würde vertritt, wenn auch bislang noch ohne überzeugende Argumente. „Wir müssen einiges ändern, immerhin sind wir aber noch im Turnier und das sogar als Gruppenerster.“ Kapitän Sergio Ramos erinnerte an die WM 2010 und erklärte: „Wir müssen uns alle hinterfragen, aber wir können alles schaffen.“ Auch Andres Iniesta sagte: „Ich sehe keinen Grund, wieso wir uns nicht verbessern sollten.“

Spanien hofft auf eine Erleuchtung Hierros – und mehr Spielminuten für Marco Asensio

Dafür hofft Spanien jetzt auf eine Erleuchtung Hierros – und mehr Spielminuten für Marco Asensio, der schon bei Real Madrid öfter auf der Bank sitzt, als den Fans lieb ist. Erst 26 Spielminuten bekam der Stürmer in diesem Turnier insgesamt. Jetzt könnte er endlich von Anfang an auflaufen und für mehr Druck sorgen, der zuletzt wegen des allgemeinen Ballgeschiebes im Mittelfeld der Spanier nicht zustande kam. Für ihn muss wohl David Silva weichen. Der Mann von Manchester City hat pünktlich zur WM ein Formtief erwischt – von seinen tollen Spielen, die er in der Qualifikation zeigte, ist er jedenfalls Lichtjahre entfernt.

Das alte Problem: Ballbesitz in Tore ummünzen…

Im defensiven Mittelfeld zeigte bislang Sergio Busquets unerklärliche Schwächen, so dass man in der spanischen Heimat davon ausgeht, dass ihm der robuste Koke zur Seite gestellt werden wird. Koke, bei Atletico Madrid gewohnt, dass man auch gute Akzente setzen kann, wenn das Spiel der Mannschaft mal nicht wirklich rund läuft, könnte das kämpferische Element der Spanier stärken. Und vorne könnte der hölzerne Diego Costa gegen den quirligen Iago Aspas ersetzt werden. Der schoss immerhin auch das 2-2 gegen Marokko, per Hacke, trickreich und wendig, wie es Costa in diesem Turnier wohl nicht mehr hinbekommen wird (wenn überhaupt jemals). Das alte Problem, den Ballbesitz der Spanier in Tore umzumünzen, konnte der Mann von Atletico bislang erst gegen Portugal lösen, danach nicht mehr.

Erst Kroatien, dann England, dann Brasilien?

So oder so sind die Spanier gegen Russland aber haushohe Favoriten. Das sehen auch die Wettbüros und Buchmacher so, die Spanien weiter als Topfavoriten auf den Titel sehen. Auch, weil der Weg der Spanier ein vermeintlich leichter sein könnte. Denn wird Russland geschlagen, käme als nächster Gegner im Viertelfinale wohl Kroatien auf Spanien zu, die es im Achtelfinale mit Dänemark zu tun haben. Die Kroaten sind mit ihren Stars Luka Modric (Real Madrid) und Ivan Rakitic (FC Barcelona) aber bärenstark. Spanien muss sich also anstrengen. Gelingt das, ist der Sieg aber drin.

Es wäre alles drin bei den Spaniern. Wenn sie anfangen, Tore zu schießen…

Im möglichen Halbfinale wäre dann der Gegner vermutlich England, dem jetzt zwei leichte Spiele gegen Kolumbien und danach Schweiz (oder Schweden) bevorstehen. Erst im Finale würde man theoretisch auf Brasilien, Portugal, Belgien, Argentinien oder Frankreich treffen können. Es wäre also alles drin bei den Spaniern. Wenn sie anfangen, Tore zu schießen.

Thiago: „De Gea arbeitet wie ein Tier, wir vertrauen ihm…“

Und zu verhindern. Schon jetzt haben die Spanier fünf Gegentore kassiert, drei mehr als beim Titelgewinn 2010 in Südafrika im ganzen Turnier. Aber eine Diskussion um Torwart David de Gea gibt es dennoch nicht. Ersatzkeeper Pepe Reina erklärte ruhig: „Es gibt keine Zweifel an De Gea.“ Und Bayern Münchens Thiago Alcantara verkündete: „De Gea arbeitet wie ein Tier, wir vertrauen ihm.“ Ob er selbst gegen Russland dabei sein wird, steht aber noch in den Sternen. Denn überzeugt hat Thiago bislang selbst nicht.



Video Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=WrKNEP1tINA / Text: Wilhelm Wagner

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