Rajoy beendet den „Aznarismus“: Wir müssen modern werden

Am Samstag hat er sich vom “Aznarzismus” endgültig verabschiedet. Er ist fest entschlossen, der konservativen Volkspartei PP ein neues Image zu verleihen. 

Mariano Rajoy – alter, neuer Parteivorsitzender der PP

Mariano Rajoy ist am Samstag auf dem Parteitag in Valencia erneut zum Vorsitzenden der PP gewählt worden. Er war der einzige Kandidat, der sich präsentiert hatte, nachdem die Partei nach den verpatzten Wahlen im März in eine tiefe Krise geraten war. Rajoy ist damit auch wieder Spitzenkandidat für die kommende Parlamentswahl 2012.

Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass Rajoy’s Probleme nun vom Tisch gefegt seien. Die PP ist gespalten, das wurde besonders mit der Ansprache von Ex-Regierungschef Aznar am Samstag deutlich. 

"Verantwortungsbewusste Unterstützung" von Aznar

Mit nur zwei Worten machte er die enorme politische Distanz zu seinem “ehemaligen Schüler” deutlich: Aznar sprach davon, Rajoy habe seine “verantwortungsbewussten Unterstützung”. Keine Euphorie, keine Regung lieβ erkennen, dass Aznar von Rajoy’s Plänen, “die Partei ins Zentrum zu bringen” überzeugt sei. 

Vielmals erinnerte er daran, man solle nicht zu sehr in die Mitte abdriften, nur um neue Wähler zu mobilisieren. Es könnten schlieβlich angestammte Wähler abspringen.

Der ehemalige Regierungschef brachte es auf die Spitze, indem er zu Rajoy’s Rede am Nachmittag gar nicht erst erschien. Deutlicher kann man wohl nicht zeigen, dass von Harmonie und Überzeugung keine Rede sein kann.

Tiefschlag für Aguirre, verblüffte “Aznaristen”

Rajoy, der von seinen Gegnern in der eigenen Partei in den letzten Wochen mehrfach – mehr oder weniger indirekt – dazu aufgefordert worden war, den Rücktritt einzuleiten, lieβ sich allerdings nicht beirren.

Er biss die Zähne zusammen, kämpfte und siegte. Weder Rivalin Esperanza Aguirre, noch der übrige Kern der “Hardliner” rechnete mit dem, was am Samstag geschah, als Rajoy seine neue Spitze vorstellte. Alle, die es in den vergangenen Wochen gewagt hatten, den Parteivorsitzenden zu kritisierten, bezahlten an diesem Tag ihre Rechnung.

Rajoy umgibt sich von seinen eigenen Fans, die “Ära Aznar” ist abgeschlossen

Seine Spitze sollte neu besetzt, die alte Abstellkammer entrümpelt werden. Eine neue Besetzung der PP mit einer Ausnahme – selbstverständlich – Rajoy.

Und während Aguirre & Co. die Namen der neuen Parteispitze verlesen bekamen, konnten sie wenigstens ruhig Blut behalten, solange der Name “Gallardón” nicht fiel. 

Ihr gröβter Albtraum wurde jedoch war, als Rajoy nach einer Weile fast schon triumphierend den Namen des Madrider Bürgermeisters als hohes Mitglied des Kommitees nannte. Die Präsidentin der Comunidad Madrid erstarrte zu Eis. Ihr größter Rivale ist "drin", sie bleibt "drauβen", ebenso wie viele andere hoch gehandelte Hardliner. Selbst ein Regionalbaron wie Valencia’s Francisco Camps hat das Nachsehen. 

Nun bleibt abzuwarten, wie Rajoy den Weg in die Mitte finden wird. Die Tageszeitung "El País" verglich kürzlich die konservative Volkspartei mit einer "Bastion" für Bessergestellte, Katholiken und die Nachfahren vieler Franco-Anhänger. 

Der Mord am eigenen Ziehvater…

Die Schlacht zwischen den beiden Titanen Rajoy und Aguirre ist jedenfalls noch nicht ausgestanden. Er hat zwei Niederlagen nach gescheiterten Parlamentswahlen auf dem Buckel, behält jedoch die Macht in der Partei. Sie ist die unbestrittene Königin der Comunidad de Madrid, jedoch ohne Entscheidungsbefugnis. 

“El País” bezeichnete in ihrer Sonntagsausgabe den Kampf zwischen Mariano Rajoy und Esperanza Aguirre als schmerzvoll und quälend: “Fast so schmerzlich wie der Mord am Vater, mit Namen Aznar, der am Samstag definitiv von Rajoy begangen worden ist”.



Bild: NULL / Text: SAZ