Pleite: Spanischer Immobiliengigant ist zahlungsunfähig

Selbst alt eingesessene Anwaltskanzleien bekommen die Krise hautnahe zu spüren.

Jetzt hat die Immobilienkrise in Spanien ihr erstes prominentes Opfer gefordert: Die Immobiliengruppe Martinsa-Fadesa erklärte sich am Dienstag zahlungsunfähig. 

Es sei nicht gelungen, einen dringend benötigten Kredit zu erhalten, der Verwaltungsrat habe daher am Montag beschlossen, Gläubigerschutz zu beantragen, teilte das am Dienstag Unternehmen mit. 

Spaniens Immobilienmarkt hatte seit Ende der 90er Jahre einen gewaltigen Boom erlebt, im vergangenen Jahr platzte auf dem Immobilienmarkt dann eine gewaltige Blase. Der Aktienmarkt in Madrid reagierte mit einem Kurssturz und fiel auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. 

Vier Milliarden Euro Schulden

Martinsa-Fadesa hat vier Milliarden Euro Schulden. Dafür hatte das Unternehmen Anfang Mai einen Finanzierungsplan vorgelegt, der die Aufnahme eines neuen Kredites über 150 Millionen Euro vorsah. Diesen bekam die Immobiliengruppe nun aber nach eigenen Angaben nicht. 

Der Gläubigerschutz würde es nun erlauben, die Krise nicht unumkehrbar zu machen, erklärte die Gruppe. Der Handel mit Aktien von Martinsa-Fadesa war am Montag an der Börse in Madrid ausgesetzt worden, nachdem sie um fast ein Viertel eingebrochen waren. Seit Freitag hatten die Papiere sogar die Hälfte an Wert verloren. 

Medienberichten zufolge sind bei Martinsa-Fadesa nun Stellenstreichungen im Gespräch. Das Unternehmen beschäftigt 880 Mitarbeiter. 

Immobilienboom dank niedriger Zinsen

Der Immobilienboom in Spanien war 1999 mit der Einführung des Euro ausgebrochen, als die Zinsen auf ein niedriges Niveau sanken. Viele Spanier nahmen damals Kredite auf, die Geschäfte der Bau- und Immobilienunternehmen boomten. 2006 entstanden in Spanien 700.000 neue Häuser und Wohnungen. Mehr als in Deutschland, Großbritannien und Frankreich zusammen. 

Als die Zinsen wieder stiegen, gerieten wie zuletzt in den USA viele Immobilienkäufer in Schwierigkeiten. Das Angebot hat inzwischen die Nachfrage längst überflügelt, die Immobilienpreise sanken nach Zahlen von Dienstag inflationsbereinigt schon das zweite Quartal in Folge. 

Auch Colonial und Roca geraten in die Krise

Martinsa-Fadesa ist daher nicht das einzige Immobilienunternehmen, das in Schwierigkeiten geraten ist. Die Gruppe Colonial, die ebenfalls zu den großen Spielern auf dem spanischen Haus- und Wohnungsmarkt spielt, meldete Ende 2007 fast neun Milliarden Euro Schulden. 

Der Badezimmerausstatter und weltweit größte Hersteller von Badfliesen, das spanische Unternehmen Roca, kündigte am Dienstag zudem an, aufgrund des schwächelnden Immobilienmarktes 400 seiner 2500 Stellen in Spanien streichen zu wollen.

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Bild: NULL / Text: SAZ / AFP