Modernstes Gebäude in Spanien – ohne eine Verwendung

Lepe SpanienLepe Spanien - Fotoquelle: tangencial - 95299108 / Shutterstock.com

Es ist hochmodern, brandneu und hat 21 Millionen Euro gekostet. Das Krankenhaus in Lepe, Spanien, sorgt für jede Menge Aufruhr. Der Grund: Es gibt keine Versorgung von Wasser oder Strom – und auch eine Zufahrtsstraße für das Krankenhaus, was den modernsten Medizin-Ansprüchen genügen könnte, ist nicht gegeben. Ein Desaster, dem Spanier mit Entsetzen, Belustigung und Wut entgegnen.

Ein Bauabkommen mit Folgen

Im Jahr 2005 wurde ein neues Bauabkommen unterzeichnet, welches dazu führte, dass nun – am 14. Dezember 2015 – ein neues Krankenhaus in Spanien fertiggestellt werden konnte.

In Lepe gelegen, im südlichen Bereich von Spanien und in der Nähe der portugiesischen Grenze, sorgt es dafür, dass modernste Technologien Menschen in medizinischer Not zu Gute kommen.

Leider weist dieser Plan ein paar Lücken auf. Das Krankenhaus steht, der Drahtzaun, der das Grundstück umzäunt, ebenso. Es gibt jedoch keine Versorgung mit Wasser, mit Strom, oder eine passende Zufahrtsstraße.

Das Ergebnis: Das Krankenhaus in der Provinz Huelva, in dem pro Jahr tausende Bürger versorgt werden sollten, steht zum aktuellen Zeitpunkt trotz Fertigstellung im Dezember komplett leer. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

Die Empörung ist groß

Ein leerstehendes Gebäude wäre an sich noch kein Grund für eine Empörung in Spanien. Fakt ist allerdings, dass die Baumaßnahmen ganze 21 Millionen Euro verschlungen haben.

Viele Bürger vermuten, dass die Technologien im Krankenhaus längst veraltet sein könnten, wenn das Gebäude irgendwann in Betrieb genommen werden kann. Ursprünglich war es geplant, dass pro Jahr ganze 83.000 Patienten im neuen Krankenhaus eine Behandlung erhalten. Dazu kommen 3.000 Operationen, die im modernen Krankenhaus in Lepe durchgeführt werden könnten.

Die Erschließung, die für den Betrieb nötig wäre, ist noch nicht in Sicht – noch nicht einmal die nötigen Pläne sind hierfür vorhanden. Derzeit ist das Krankenhaus, welches jedoch nicht einmal Strom der Wasser aufweist, nur über einen Feldweg zu erreichen.

Die Bürger in Lepe und Umgebung wissen nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Es herrscht Erstaunen, Entsetzen und jede Menge Wut. Aber auch Belustigung mischt sich in die Gefühle, die das entlegene Grundstück, welches von Äckern umgeben ist, bei den Bürgern auslöst.

Die Welle, die der fertiggestellte Bau ausgelöst hat, sorgt mittlerweile nicht nur in Lepe für Aufregung, sondern auch in angrenzenden Gebieten und sogar in ganz Spanien. Der andalusische Schriftsteller Pablo Aranda witzelt, dass die Schlagzeilen zu diesem Projekt wie ein Witz klingen. Die Menschen in Lepe fordern eine Lösung, da sie eigenen Aussagen zufolge schon „viele, viele Jahre auf dieses Krankenhaus warten“.
Auch drängen die Einwohner, dass die Politiker nun endlich auch an das Volk denken sollen – das Volk, das auf ein Krankenhaus verzichten muss, das – wär es in Betrieb – jährlich einige Leben retten könnte.

Wer für das Problem verantwortlich ist

Die Bürger, die in Spanien leben, tragen die Last, so viel steht fest. Eventuell müssen die 80.000 Einwohner noch Monate, vielleicht sogar Jahre warten, ehe das neue Krankenhaus in Betrieb genommen wird. Auch die Arbeitsplätze, durch die der Arbeitslosenanteil verringert werden könnte, werden auf sich warten lassen.

Verantwortlich ist bekanntlich niemand. Die sozialistische Regierung der Autonomen Andalusien-Gemeinschaft weist die Schuld von sich – die Stadt Lepe ebenso.

In Sevilla ließ die andalusische Regierung verlauten, dass die Verpflichtungen allesamt eingehalten wurden. Die andalusische Regionalregierung habe dagegen das Krankenhaus rechtzeitig fertiggestellt und das amtliche Zertifikat hierfür zudem am 14. Dezember ausgestellt. Ihrer Aussage zufolge ist die Stadt dafür zuständig, dass das Grundstück erschlossen wird.

Der Bürgermeister von Lepe, Juan Manuel González Camacho, ist anderer Meinung. Er gibt zu Protokoll, dass die Gemeinschaft die Finanzierung der Zufahrtstraße übernehmen müsse. Es ist für die Kommunen nicht möglich, langfristige Schulden aufzunehmen. Der Bürgermeister González ist jedoch aufgrund der aktuellen misslichen Lage bereit, den „Dialog“ aufzunehmen, heißt es.

Zur Banken-Rettung hat die Regierung im Jahr 2012 von der EU und der IWF einen Kredit in Höhe von 41 Milliarden Euro erhalten. Ein Kredit, der sich für das Land Spanien vor allem durch strenge Sparmaßnahmen bemerkbar machte. Aufgrund dieses Sparprogramms ist es dem Bürgermeister zufolge für die Stadt nicht möglich, weiteres Geld zu erübrigen.

Eigenen Aussagen zufolge hat die Stadtverwaltung bereits über eine Million Euro veranschlagt, welches für die Erschließung des Grundstückes aufgewendet werden sollte. „Das Geld ist aber spurlos verschwunden“, heißt es seitens eines Vertreters der PSOE in Lepe, namentlich Juan Carlos López.

Pannen-Hospital ist kein Einzelfall

Die traurige Wahrheit: Das Krankenhaus, welches scheinbar aufgrund politischer Probleme nicht in Betrieb genommen werden kann, ist kein Einzelfall.

Stattdessen wurden weitere „absurde Beispiele von Geldverschwendung und miserable Planung“ von den Medien wie die Süddeutsche aufgedeckt.

  • Etwa 300 Kilometer von Lepe entfernt ist noch ein Krankenhaus zu finden, welches seit vier Jahren leer steht. Die Fertigstellung erfolgte 2012, allerdings beginnt der Bau einer notwendigen Zufahrtsstraße erst jetzt. Der Grund: Politische Probleme. Die Finanzierung wird nun von der Provinz übernommen.
  • Im Jahr 2011 wurden zudem Baumaßnahmen eines Super-Krankenhauses unterbrochen, das in Summe ganze 400 Millionen Euro verschlingen soll. Ein Projekt, bei dem nicht abzusehen ist, dass aus der aktuellen Ruine tatsächlich noch ein Super-Krankenhaus entsteht. Zwar sollen die Bauarbeiten noch im neuen Jahr fortgeführt werden, doch der Gesundheitsminister in Castilla-La Mancha, namentlich Jesús Fernández, macht den Bürgern keine Hoffnung. Es wird voraussichtlich noch mal vier bis fünf Jahre dauern, ehe das Krankenhaus eingeweiht werden kann.

Obwohl in Spanien viele Dinge bereits besser laufen, als es früher der Fall gewesen ist, so sorgt die Einstellung der Politiker dennoch für Diskussionen.

Ein 75-jähriger Lehrer der Deutschen Presse-Agentur überrascht das jedoch nicht. Er gibt an, dass die Einstellungen der Politiker teilweise noch aus den 1950er Jahren stammen. Sein Schlusssatz: „Das ist Spanien, nicht Deutschland“.

Fotoquelle: tangencial – 95299108 / Shutterstock.com



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