Die Weine aus dem Umland von Madrid
Es ist außerhalb Spaniens kaum bekannt, aber dennoch: Auch in der Provinz Madrid wird Wein angebaut, ein sehr guter Tropfen sogar, und der Weinbau hier kann auf eine lange Tradition zurückblicken.
Für das 13. Jahrhundert haben wir, wie gesagt, ein sicheres Zeugnis für den Weinanbau im Bereich der CAM: Es ist ein Gerichtsdokument erhalten, nach dem sich einige Mönche mit einem Gutsherrn um das Recht stritten, einen Weinberg zu bewirtschaften.
Bereits im 15. Jahrhundert galt Madrider Wein als besonders prestigeträchtig, und auch die Literatur lobte ihn (z.B. der Arcipreste de Hita in seinem Libro de buen Amor). Schon jetzt musste die Madrider Stadtverwaltung Maßnahmen gegen Überproduktion und vor allem gegen "Etikettenschwindel" ergreifen, den viele Erzeuger gaben ihren Wein als aus Madrid stammend aus.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in der CAM über 60.000 Hektar Weinland. 1914 aber wurden fast alle Rebbestände von einer Reblausplage vernichtet, man musste wieder neu beginnen und tat dies vor allem mit der Sorte Garnacha.
Nach dem Bürgerkrieg entstanden die ersten Weinkorporationen um Madrid herum. Der Wein wurde hauptsächlich an die großen inländischen Abfüller geliefert und ging somit weitgehend in der Anonymität unter. Das änderte sich erst wieder in den 70er Jahren, und es entstanden die ersten Bestrebungen, dem Madrider Wein in das neu entstehende System der D.O.s (Denominación de Origen, Herkunftsbezeichnung) aufzunehmen. Mittlerweile war auch der renommierte Club de Gourmets auf diese Tropfen aufmerksam geworden und machte sie in seinen Publikationen bekannt. Und nach vielen verwaltungspolitischen Hickhack war es dann 1990 so weit: Am 17. August nahm das Landwirtschaftsministerium der Autonomen Region Madrid die Satzung für eine D.O. "Vinos de Madrid" an, diese wurde drei Monate später vom nationalen Landwirtschaftsminister bestätigt.
Der Consejo Regulador de la D.O. Vinos de Madrid ist ein offizielles unabhängiges Organ, das für die Festlegung der Vorschriften des Herkunftsgebiets sowie deren Durchsetzung und Kontrolle zuständig ist. Und der Vorschriften und Bestimmungen gibt es viele. Da sind zunächst die für die D.O. zugelassenen Rebsorten: für die Rotweine sind dies Tempranillo und Garnacha, für die Weißweine Malvar, Airén und Albillo. Natürlich wird auch die genaue geografische Lage der Weingärten und der Weinkellereien festgelegt, die sich in die D.O. einschreiben können. Es gibt Regelungen zu den geforderten Charakteristiken des Weins, zur Höchstproduktion pro Hektar, zum Alkoholgehalt usw. Es ist auch genau festgelegt, wann ein Wein sich "Crianza" nennen darf, und wann "Reserva", was bei Rot- und Weißwein und Rosé jeweils unterschiedlich ausfällt.
Das Gebiet der D.O. Vinos de Madrid ist in drei Unterbereiche, so genannte Subzonas, unterteilt. Die größte davon liegt im Südosten der Autonomen Region Madrid: Arganda. Hier fließen der Jarama und seine Nebenflüsse Tajuña und Henares. Das Klima entspricht dem klassisch-kontinentalen mit extremen Temperaturen im Winter und im Sommer und einer Jahresdurchschnittstemperatur von 14ºC. Die Bodenzusammensetzung ist sehr gut für die Produktion von Qualitätsweinen geeignet. 26 Gemeinden liegen auf dem Gebiet des Unterbezirks Arganda, und die 22 hier angesiedelten Bodegas produzieren jährlich etwa 20 Millionen Liter Wein, das entspricht etwa 60% der Gesamtproduktion der D.O.
Die zweite Subzona ist Navalcarnero, etwas weiter nordwestlich von Arganda. Sie wird vom Rio Guadarrama durchteilt, das Klima ist ähnlich wie in Arganda: heiße Sommer und kalte Winter. Die Bodegas hier sind größtenteils neu und verfügen über die neuesten Technologien zur Weinherstellung. Besonders herausragend sind hier die Rosé-Weine, seit einiger Zeit haben aber auch die jungen Rotweine, die nur für kurze Zeit im Eichenfass gealtert sind, Fortschritte gemacht.
Der dritte Unterbereich ist San Martín, im äußersten Südwesten der CAM, die kleinste der drei Subzonas, allerdings die zweitstärkste, was die Weinproduktion betrifft. Das nahe gelegene Zentralmassiv schützt vor den kalten Nordwinden, das Klima ist milder und feuchter als in den anderen Bereichen, der Boden weniger karg. Hier operieren ausschließlich kleine Bodegas, die sich zu Genossenschaften zusammengeschlossen haben. Vorzugsweise wird hier die Rebsorte Garnacha angebaut.
Man sieht also: Was Wein betrifft, so hat Spanien sehr viel mehr zu bieten als nur Rioja und Ribera del Duero!
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Suchbegriffe: Wein, Madrid, Arganda, San Martín, Navalcarnero, D, O, Vinos de Madrid
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