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Costa Blanca: Ausgedientes Paradies für deutsche Rentner?

Reportagen über „Auswanderer“ waren lange Zeit „in“. Nun boomen Reportagen über „Rückwanderer“. 

Auch die ARD hat kürzlich in einem Beitrag auf die Lage vieler deutscher Rentner an der Costa Blanca aufmerksam gemacht, die nach vielen Jahren „Sommer, Sonne, Billigland“ wieder zurück in ihre Heimat gehen. Nordsee statt Mittelmeer. 

Warum zieht es gerade die Rentner wieder zurück nach Deutschland? Wollten sie nicht ihren Lebensabend unter Spaniens Sonne im warmen Süden ausklingen lassen? Immerhin leben die meisten schon seit zehn bis 15 Jahren auf der Iberischen Halbinsel. Ja, damals war alles noch so schön preiswert. „Wissen Sie, es ist hier alles so teuer geworden, die nehmen ja geradezu unverschämte Preise. Früher war es so billig in Spanien“, klagt eine Rentnerin in einem normalen spanischen Supermarkt vor der Gemüsetheke. 

Spanien ist seit 22 Jahren Mitglied in der EU und gilt mittlerweile als eine der führenden Wirtschaftsmächte Europas. Die Zeiten, als Spanien noch als europäisches „Dritte Welt-Land“ neben Portugal schüchtern in die vielversprechende Zukunft der Europäischen Union tappste, sind längst vorbei. Ist es jetzt vermessen zu denken, dass auch hier die Preise im Laufe der Jahre angestiegen sind? Oder sollte man in Spanien nach wie vor Dumping-Preise wie in den EU-Frischlingen Litauen oder Rumänien erwarten? 

Spanien – für den Lebensabend zu teuer?

Auch in Deutschland werden die „Rückkehrer“ möglicherweise feststellen, dass einige Lebensmittel nun einmal teurer geworden sind. Abgesehen davon, dass es auch in Spanien mittlerweile in jedem Ort die deutschen Supermarktketten Lidl, Aldi und Plus gibt. Sogar der Media Markt und Ikea sind vertreten. Und auch die lokalen Ketten Mercadona oder Eroski locken mit preiswerten Angeboten der qualitativ ansprechenden Hausmarken. Wer natürlich in kleineren Läden, exklusiven Supermärkten wie „Super G“ oder „Sánchez Romero“ bzw. in der Markthalle oder gar im deutschen Lebensmittelladen einkauft, muss eben etwas tiefer in die Tasche greifen. Auch in Deutschland. 

Wer sich gerne auf Dénias Einkaufsmeile in ein Straβencafé setzt und bei einem Milchkaffe das vorbeiziehende Fuβvolk anschaut, ist mit 1,20 Euro dabei. In den meisten spanischen Cafés bekommt man bis 12 Uhr mittags ein Frühstück inklusive Croissant, Milchkaffee und frisch ausgepresstem Orangensaft für rund drei Euro. Viele verlangen gar nur 2,70 Euro. Ein Bier oder ein Glas Wein kosten in einer normalen Kneipe rund 1,30 Euro. Zweigängige Mittagsmenüs, die im Gegensatz zu Deutschland auch ein Getränk und Dessert bzw. Kaffee beinhalten, liegen zwischen acht und 12,50 Euro. Dass Spanien mit solchen Preisen in Urlaubshochburgen wie Dénia, Calpe oder Moraira zu teuer sein soll, leuchtet nicht wirklich jedem ein. 

Staatliche Krankenversicherung – oder lieber privat? 

Eines der Hauptargumente, das fast jeden deutschen Rentner früher oder später zur Rückkehr in die Heimat bewegt, ist das Alter und die damit verbundenen möglicherweise auftretenden Krankheiten – und dann? „Wir könne nicht genug Spanisch, um uns bei den Ärzten verständlich zu machen“, heiβt es immer wieder. Traurig genug nach zehn oder 15 Jahren Spanienaufenthalt. 

Oder: „Wir können hier nur zum „Centro de Salud“ gehen, wo die Ärzte der gesetzlichen Krankenkasse behandeln.“ Sicherlich ist der Arztbesuch von der deutschen Krankenkasse abgedeckt. Der offizielle Hausarzt nimmt Überweisungen an die jeweiligen Spezialisten vor, mitunter sind längere Wartezeiten zu erwarten. Ein privater Arzt muss selbstverständlich privat bezahlt werden. Ist das in Deutschland so viel anders? 

Eine Variante bietet die private Krankenversicherung in Spanien, die freie Arztwahl, selbst im Ausland, beinhalten kann. Hier meldet man sich direkt beim Spezialisten und darf mit geringeren Wartezeiten rechnen. Ein Nachteil sind die Zusatzkosten für die Privatversicherung und die Tatsache, dass man die vom Spezialisten verschriebenen Medikamente aus der eigenen Tasche bezahlen muss. Diese Kosten werden von der spanischen staatlichen Krankenkasse nur dann übernommen, wenn die Rezepte in einer staatlichen Stelle ausgestellt wurden. 

Aber auch hier sei noch eine kleine Anmerkung erlaubt: Medikamente in Spanien liegen erheblich unter den deutschen Preisen. Es ist eine gängige Praxis deutscher und englischer „Residenten“ oder Langzeiturlauber, sich beim heimischen Arzt „Rezepte auf Vorrat“ ausstellen zu lassen, die dann günstig in Spanien bezogen werden. Das geht mittlerweile soweit, dass sich die Comunidad Valenciana bereits überlegt, einen Riegel vor den „Rezept-Tourismus“ zu schieben. 

Bebaute Berghänge an der Costa Blanca – und wer hat’s erfunden?

Die Lebensqualität hat sich erheblich gesteigert, auch optisch haben Veränderungen stattgefunden. „Früher waren hier nur kleine, schnuckelige Fischerdörfer, jetzt ist jeder Hang bebaut“, beschwert sich eine deutsche Rentnerin. Dann solte man sich fragen, wer in den 80er und 90er Jahren in Scharen an die Costa Blanca gepilgert ist und sich ein „Häuschen im sonnigen Süden“ gebaut hat.

Die ausländischen Residenten an der Costa Blanca (wenn sie dann überhaupt als solche gemeldet sind) haben letztendlich dafür gesorgt, dass die gierigen Immobilienhaie und Konstruktionsfirmen in jedem Gast aus Deutschland, England oder der Schweiz einen potentiellen Käufer für das „nette Anwesen am Berghang mit unverbaubarem Meerblick“ sahen. 

Viele schöne Baugrundstücke – den vorsätzlichen Brandstiftern sei Dank

Ganze Naturschutzgebiete wurden abgefackelt, um dadurch weiteres Bauland „in Traumlage“ genehmigt zu bekommen. Angebot und Nachfrage waren ein perfekt aufeinander eingespieltes Team. Die Spanier hatten nie Interesse, im romantischen Hinterland der Costa Blanca, das auch liebevoll „die spanische Schweiz“ genannt wird, oder am Fusse des Montgó bei Dénia oder Jávea zu leben. Sie wohnen normalerweise im Ort, in ihren Stadtwohnungen und ehemaligen Fischerhäusern. Die Madrilenen, die dieses Gebiet auf Grund der Nähe zur spanischen Hauptstadt als „Strand von Madrid“ ansehen, haben seit eh und je Interesse an einer Ferienwohnung in erster Strandlinie. Wer also hat dafür gesorgt, dass „jeder Hügel“ mittlerweile bebaut ist?

Im Blickwinkel: Die Immobilienblase droht zu platzen

Ausgerechnet das „Traumhaus am Meer“ ist das gröβte Problem aller „Ausreisewilligen“, die gerade verzweifelt versuchen, einen Käufer zu finden, um Spanien endgültig den Rücken zu kehren. Für Hausverkäufer sind schlechte Zeiten angebrochen. Spanien steckt in einer der gröβten Immobilienkrisen seiner Geschichte, die Preise purzeln gnadenlos in den Keller. In den Keller? Vielmehr sollte man von einer realistischen Anpassung der Preise reden. 

Seit 1998 stiegen die Kaufpreise für Immobilien ins schier Unermessliche, speziell die Costa Blanca hat für einen Supergau gesorgt. Noch vor drei Jahren zahlte man für 100 Quadratmeter Wohnfläche auf einem 800 Quadratmeter grossen Grundstück mit Pool durchschnittlich 400.000 Euro. Meerblick wurde nochmals mit rund 30.000 Euro angesetzt. Vor allem die Engländer waren für die Preisspirale nach oben verantwortlich. Das Pfund und die damalige Gesetzeslage in Grossbritannien sorgten dafür, dass man nicht nur „preiswert“ in Spanien Häuser kaufen konnte, sondern von der britischen Regierung obendrein Steuerermässigungen erhalten hatte, wenn man sich ein Anwesen im Ausland zulegte. Nun haben sich die Zeiten geändert. Die „Immobilienblase droht zu platzen“ hiess es in den letzten zwei Jahren. Schreckensszenarien wie in den USA werden angedeutet, wo dies bereits geschehen ist. 

In Mark eingekauft, in Euro verkauft

So heißt es jetzt, in den sauren Apfel beissen und den Verkaufspreis senken. Viele Immobilienbüros in Dénia und Calpe haben bereits geschlossen, weil sie nichts mehr verkauft haben. Potentielle Käufer wissen um ihr As in der Tasche und die teilweise verzweifelte Lage vieler Hausbesitzer, die verkaufen wollen, und spielen sie gegeneinander aus. Oder sie erscheinen gar nicht erst zum vereinbarten Notartermin und suchen nach einem anderen, noch günstigeren Objekt. Ein neuer Zeitvertreib scheint sich ebenfalls breit zu machen: Immobilientourismus. Heute Nachmittag nichts vor? Dann schauen wir uns ein paar Häuser an und sehen, wie andere Leute so leben und eingerichtet sind...

Es tut weh, wenn man sein Haus von angedachten 400.000 Euro um bis zu 130.000 Euro oder mehr heruntersetzen muss. Betroffen sind allerdings im Grunde genommen nur diejenigen, die ihr Anwesen in den letzten fünf Jahren erworben haben – zu den damals herrschenden überteuerten Preisen.

Wer, wie die meisten deutschen Rentner an der Costa Blanca, einst bei seinem Hauskauf mit der Deutschen Mark unterwegs war, hat immer noch gut Lachen. Den resultierenden Gewinn aus dem ehemaligen Kaufpreis um die 150.000 DM und dem heutigen Erlös – trotz fallender Immobilienpreise – kann man sich an fünf Fingern ausrechnen.


Datum:
12.06.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Susanne Thiel
Bildquelle:
SAZ
 

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Suchbegriffe: Immobilienkrise, deutsche Rentner, Costa Blanca, Immobilienblase, Rückkehrer, Einwanderer, Spanien, Hausverkauf, Spanien teuer


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