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Jahrhundertprozess 11-M: Höchststrafen und Überraschungen

Dreieinhalb Jahre nach den Terroranschlägen von Madrid und einem Mammut-Prozess mit 300 Zeugen sind drei der insgesamt 28 Angeklagten zu Höchststrafen verurteilt worden. Gegen zwei Marokkaner und einen Spanier verhängte der Richter jeweils Strafen von rund 40.000 Jahren Gefängnis. Insgesamt wurden sieben Angeklagte freigesprochen, darunter auch Rabei Usman Sajed Ahmed alias Mohammed der Ägypter, der lange als einer der Drahtzieher der Anschläge auf vier Pendlerzüge am 11. März 2004 galt. Hinterbliebene und Opferverbände kritisierten die Urteile als zu mild. "Das sind viel zu wenig Schuldige für so ein schreckliches Verbrechen", sagte Maria José Gutierrez, deren Schwester unter den Toten war.

Bei den zu Höchststrafen Verurteilten handelte es sich um Jamal Zougam (42.922 Jahre), Othman el-Gnaoui(42.924 Jahre) sowie José Emilio Suarez Trashorras (34.715 Jahre). Sie wurden des vielfachen Mordes und versuchten Mordes schuldig gesprochen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Zougam einer der Bombenleger war. Die beiden anderen hätten Sprengstoff für die zehn Bomben besorgt, die 191 Menschen aus 13 Ländern töteten sowie 1841 Menschen verletzten.

Für eine handfeste Überraschung sorgte das Gericht in Madrid mit dem Freispruch für Ahmed alias Mohammed der Ägypter, der als einer der Drahtzieher galt und bereits 2004 in Italien verhaftet wurde. Wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung wurde er bereits zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt, die Anfang der Woche auf acht Jahre reduziert worden war. Auch zwei weitere mutmaßliche Anführer der Attentäter wurden von dem

Vorwurf der Drahtzieherschaft freigesprochen. Der Marokkaner Hassan Al Haski erhielt für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung 15 Jahre Haft, sein Landsmann Youssef Belhadj 20 Jahre. Der Marokkaner Abdelmajid Bouchar, der laut Anklageschrift ebenfalls eine Bombe im Zug platziert haben soll, wurde wegen des Besitzes von Sprengstoff und seinen Kontakten zu einer terroristischen Vereinigung zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Landsmann Rafa Zouhier erhielt eine Haftstrafe von zehn Jahren für den Handel mit Sprengstoff. Weitere 15 Angeklagte müssen für drei bis 18 Jahre in Haft. Allen 21 Verurteilten bleiben fünf Tage zur Berufung. Sie hatten sich während des Prozesses für nicht schuldig bekannt.

Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero sagte nach dem Urteil, es sei "Gerechtigkeit geübt" worden. Die größte Opfervereinigung kündigte jedoch an, vor dem Obersten Gericht in Berufung zu gehen. Ihr Anwalt José Maria de Pablo bedauerte, dass niemand als Organisator der Anschläge verurteilt wurde. "Die Ermittlungen müssen fortgesetzt werden. Irgendjemand muss den Befehl für die Ausführung dieser Anschläge gegeben haben", sagte er. Auch Pilar Manjon, deren Sohn mit 20 Jahren in einem der "Todeszüge" starb, wollte sich mit den Urteilen nicht zufrieden geben: "Ich will nicht, dass diese Mörder frei herumlaufen."

Der Prozess hatten von Mitte Februar bis Anfang Juli gedauert. Dutzende bewaffnete Polizisten mit kugelsicheren Westen patrouillierten mit Hunden vor dem Gerichtsgebäude in der spanischen Hauptstadt. Die Staatsanwaltschaft forderte für alle Angeklagten ein Strafmaß in der Rekordhöhe von insgesamt 311.865 Jahren Haft. Spaniens Strafrecht sieht die Addition sämtlicher Einzelstrafen vor, allerdings liegt die maximale Haftzeit bei 40 Jahren. 

Sieben mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge konnten nicht vor Gericht gestellt werden. Sie hatten sich drei Wochen nach der Tat in der Nähe von Madrid in die Luft gesprengt, nachdem die Polizei ihren Aufenthaltsort  umstellt hatte. Zu den Anschlägen hatte sich das Terrornetzwerk El Kaida bekannt. 


Datum:
08.11.2007
Quelle:
AFP / SAZ
Autor:
Susanne Thiel
Bildquelle:
 

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Suchbegriffe: El Kaida, Jahrhundertprozess, Madrid, Terroranschläge, Madrid, Züge, ETA, 11. März


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