Petanca: Kult-Spiel mit Suchtcharakter
Bei 35 Grad im Schatten, sengender Sonne und flauen Winden verbringen die meisten Deutschen den Sommer in der Frische: Also entweder in Deutschland bei Hagel- und Regenschauern oder – wenn in Spanien - im Sitzen in der nächsten Bar mit Klimaanlage.Merkt man dann, dass auf diese Art bei Schweinshaxe und Kraut oder Schinken-Bocadillos über Sommer die Pfunde eher mehr als weniger geworden sind, wird es Zeit, dagegen zu halten.
Die immer noch schönen Tage unter der spanischen Herbst- und Wintersonne laden zu allerhand sportlichen Aktivitäten ein. Allzu schweißtreibend darf es aber wegen der immer noch herrschenden Wärme nicht sein, sonst drohen Kollaps und Entkräftung.
Was gibt es also schöneres, als im wahrsten Sinne des Wortes eine ruhige Kugel zu schieben und trotzdem sich zu bewegen? Gerade für Mittelmeer-Bewohner gibt es einen traditionellen Sport: Petanca, auch Boule (französisch), Boccia (italienisch) oder Bowls (englisch) genannt.
Bücken macht durstig, so viel ist klar
Viele tun es bereits, in Gruppen sieht man die Spieler im Spätsommer überall: in Parks, am Strand oder auf Parkplätzen, wo immer eine idealerweise sandige oder mit Gras bewachsene Bahn von etwa zehn Metern Länge frei von Bäumen, Autos und Hundedreck zu finden ist. Petanca-Spieler sind gesellig, neue Spieler werden gerne integriert. Es wird viel gelacht, zwischendurch getrunken, was wichtig für den Flüssigkeitshaushalt ist. Denn das viele Bücken nach den Kugeln macht durstig, so viel ist klar.
Das Schöne am Petanca: Zu großen Anstrengungen schiebt die Regel einen Riegel vor. Vom Boden abheben darf ein Spieler erst, nachdem die Kugel den Boden berührt hat. Davor müssen beide Füße fest auf dem Boden bleiben. Eine Regel, die dem Sport übrigens seinen Namen gab: Das provenzalische ‚ped tanco’ bedeutet so viel wie „Fest verankerter Fuß".
Wann und wo der Sport erfunden wurde, ist unklar, schon im Mittelalter wurden jedenfalls Holzkugeln geschoben oder geworfen. Petanca in seiner heutigen Form stammt angeblich aus der Nähe von Marseille und ist die Weiterentwicklung eines in der Provence ähnlich praktizierten Spiels.
Oft entscheiden Millimeter
Die Kugel darf selbstverständlich nicht nur geschoben, sondern auch geworfen werden, kunstvoll aus dem Handgelenk, in hohem Bogen oder geschossartig, je nach Kunstfertigkeit und Taktik des Schützen. Das Spielprinzip ist einfach: Mit einer Metallkugel versucht man, einem kleinen Holzball, der rund sieben Meter entfernt platziert ist, so nahe wie möglich zu kommen.
Dabei hat man einen Gegenspieler, der dasselbe versucht. Also gilt es, dessen Kugeln zu verdrängen, wegzuschießen, entweder mit Raffinesse oder roher Gewalt, und unter Umständen erst mit dem eigenen, letzten Wurf, den Sieg davonzutragen. Am Ende entscheiden oft Millimeter, die mit dem Lineal nachgemessen werden.
Man kann Petanca eins gegen eins spielen, zwei gegen zwei oder auch drei gegen drei. Letzteres nennt man dann offiziell eine Triplette. Am Ende hat gewonnen, wer am nächsten zur Holzkugel liegt. Geht ein Spiel zu Null aus, gibt es eine Lokalrunde – und manchmal gibt es die auch sowieso.
Erste Regeln kommen aus Schottland
Natürlich gibt es nicht nur Spaß, sondern auch offizielle Regeln – die ersten wurden für Bowls offiziell 1849 in Schottland festgelegt. Der Deutsche Petanca-Verband bestimmt, dass Kugeln einen Durchmesser zwischen 70,5 und 80 Millimeter haben müssen sowie ein Gewicht zwischen 650 und 800 Gramm.
Wer dagegen verstößt, möglicherweise sogar mit gefälschten Kugeln spielt, kommt vor den nationalen Disziplinarausschuss, die Lizenz wird für zwei Jahre eingezogen und man verliert für mindestens drei Jahre das Recht, an nationalen und internationalen Meisterschaften teilzunehmen.
Datum:
29.09.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
www.flickr.com/photos/poblero//photos/poblero/
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Suchbegriffe: Petanca, Mittelmeer, Spanien, Urlaub, Hitze, Sonne
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