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Gota fría, oder die Angst vor der Flut

Eigentlich hätte der Sommer 2007 ein ganz heißer werden sollen. Jedenfalls laut Wetter-Prognosen vom Frühling. Hitzewellen von der Qualität des Jahrhundertsommers 2003 waren demnach zu erwarten.

Aber es kam wieder einmal ganz anders, als die Meteorogolgen vorausgesagt haben. Zwei Grad weniger als erwartet meldeten die Thermometer an der Costa Blanca, 25,3 Grad im Schnitt. Auch das Wasser war längst nicht so warm wie in vergangenen Jahren: 24,5 Grad, weit von den 28 und mehr Grad entfernt, die man befürchtet hatte. Diese Zahlen gab jetzt laut Tageszeitung Información das Klimatologische Institut Alicante bekannt.

Und schon meldeten sich wieder die Wetterfrösche. Prima, sagten sie, dass mit der ausbleibenden Hitze einer der wichtigen Faktoren der alljährlich über die Küste hereinbrechenden Unwettern namens Gota fría entfalle.

Spaniens Böden sind zu trocken

Denn trifft die warme Meeresluft im Herbst auf kalte Landwinde, kracht es gewaltig, vereinfacht gesagt. In einer Stunde kann dann mehr Regen fallen, als sonst im ganzen Jahr, Überschwemmungen mit Lebensgefahr sind keine Seltenheit.

Aber die Klimatologen in Alicante und Valencia warnten auch vor solchen "Entwarnungen". Denn ausgerechnet 1997, als der Sommer ebenfalls eher lau war, gab es die schlimmsten Fluten. Die Hitze ist eben nur ein Faktor der Gota fría, zu viele andere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle.

Und siehe da: Diesmal hatten die Klimatologen recht: Am 12. Oktober 2007 versanken die Gemeinden der Marina Alta und Marina Baja im Wasser, mehr als 400 Liter Regen fielen stellenweise. In Calpe (Bild) wurde der ganze Strand zerstört, in Beniarbeig wurde eine Brücke weggerissen, in Els Poblets wurde das ganze Dorf überschwemmt, und in Vergel ertrank eine Frau. 7.000 Autos gingen kaputt, hunderte Häuser sind schwer beschädigt. Der Schaden geht in viele Millionen Euro.

Wer dachte, nach den bereits niedergegangenen Regenfällen vom August wäre die Gefahr vor späteren Überschwemmungen geringer, weil der Boden jetzt mehr Feuchtigkeit aufnehmen könne, irrte. Die Klimatologen der Universität Alicante weisen jedes Jahr darauf hin, dass der Boden im Süden Spaniens immer und grundsätzlich trocken ist. Auch im Rekordjahr 1987 hatte es im September geregnet, im Oktober und November kam die Gota fría mit verheerenden Folgen. In Gandía an der Costa Blanca fielen in 36 Stunden 1.000 Liter Regen pro Quadratmeter - mehr als in Hamburg im ganzen Jahr. Meteorologen bezeichnen schon 30 Liter als Unwetter.

Immer wieder Tote und Verletzte

Der Volksmund nennt das Unwetter-Phänomen besänftigend "Gota fría“ – kühler Tropfen. Denn das Wasser, das vom Himmel fällt, ist äußerst kalt. Solche im wahrsten Sinne des Wortes sintflutartigen Regenfälle sind keine Jahrhunderterscheinungen. Der Regen kommt jedes Jahr, meistens im Oktober, nicht immer so verheerend wie 1987 in Oliva. Aber Tote und Verletzte gibt es immer wieder zu beklagen.

Eine Gota fría entsteht, wenn sich das Mittelmeer am Ende des Sommers maximal erwärmt hat. Trifft die sich darüber bildende warme, feuchte Luft auf kalte Landluft, die in großer Höhe heranzieht, entstehen blitzschnell Wolken von mehr als zehn Kilometern Höhe.

Immer mehr nachrückende Meerluft sorgt für Turbulenzen, es folgen Stürme, Gewitter, Hagel und enorm viel Regen, der an manchen Orten einige Stunden, anderswo aber auch Tage anhalten kann. Oft kommt es zu schweren Überschwemmungen, wie 1957 in Valencia, 1962 in Barcelona, und 1973 in Murcia und Granada.

Auch in der Luft stürzen nach einer Gota fría die Temperaturen um etwa zehn Grad ab, meistens folgen Stromausfälle, vollgelaufene Häuser, überschwemmte Straßen, entwurzelte Bäume, zerschlagene Fensterscheiben und verwüstete Obstplantagen. In wenigen Minuten verwandeln sich verstaubte Flussbette in reißende Ströme.

Notfallpläne fehlen in vielen Gemeinden

Fast alle Gemeinden an der Küste wie Dénia, Altea und Torrevieja sind gefährdet, insgesamt 135 Gemeinden. Ein vom Gesetz geforderter Notallplan fehlt in vielen Gemeinden aber immer noch - das Ministerium in Valencia weist jedes Jahr aufs neue darauf hin, so auch wieder 2007. Das Schweigen der Gemeinden hat einen Grund: Neue Gewerbegebiete und sogar Urbanisationen wurden in der Vergangenheit am Fuße angeblich trockener Barrancos oder in Flussläufen errichtet, den natürlichen Ab- und Überlauf-Reservoirs im Falle einer Gota fría. Das mag niemand zugeben, lieber hält man den Mund.

Auto stehen lassen, aber nicht auf Brücken

Tipp: Wenn Sie während einer Gota fría Auto fahren: Meiden Sie Nebenstrecken wegen der Gefahr von Überschwemmungen und Erdrutschen. Das Auto am besten stehen lassen, aber nicht in der Nähe von Flussufern, auf Brücken oder vor Anhöhen. Das Auto könnte weggespült werden.

Vorsicht vor Elektrogeräten im Freien, wo sie in Spanien besonders gerne aufgestellt werden. Immer wieder erleiden Menschen nach Regenfällen Stromschläge.

Die Einheimischen verbarrikadieren ihre Haustüren mit etwa ein Meter hohen Holzbrettern, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Das sieht komisch aus, hilft aber. Die zentrale Notfall-Rufnummer: 112.



Datum:
10.01.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
SAZ
 

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Suchbegriffe: Gota fría, Unwetter, Überschwemmungen


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