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Fernseh-Krieg um Fußballrechte

In Spanien tobt seit Monaten ein regelrechter "Fernseh-Krieg", so die spanische Presse, um die Live-Übertragungen der Spiele der ersten Fußball-Profiliga (Primera División).

Im Clinch liegen Sogecable (Digital Plus, Canal+) und sein Tochterunternehmen Audiovisual Sport (AVS) aus der Sendergruppe Prisa (El País) sowie die katalanische TV-Produktionsgesellschaft  Mediapro, die Anteile am frei empfangbaren TV-Sender La Sexta hält.

AVS ist derzeit im Besitz der TV-Rechte von zwölf Erstliga-Klubs, Mediapro besitzt acht: Zaragoza, Racing de Santander, Athletic de Bilbao, Sevilla, Villarreal, Levante und Murcia.

Vor einem Jahr beschlossen beide Unternehmen, die Rechte "friedlich" zu nutzen: Digital Plus und Canal + durften die Spiele via Pay Per View beziehungsweise verschlüsselt ausstrahlen, Mediapro bekam für 150 Millionen Euro pro Saison ein Spiel am Samstagabend (22 Uhr) zur freien Ausstrahlung auf La Sexta sowie einigen Regionalsendern, dazu die Rechte an der Zweitverwertung aller Spiele sowie die Auslandsrechte. Diese Abmachung gilt aktuell nicht mehr, obwohl ein Gericht noch am 9. Oktober dies angeordnet hatte.

Mediapro hatte angeblich Schulden von 58 Millionen Euro

Angefangen hatte der Streit mit der Behauptung Sogecables, Mediapro habe eine Zahlung von 58 Millionen Euro noch nicht geleistet. Sollte dies nicht umgehend geschehen, würde man kurzfristig die Live-Übertragung der Samstagsabend-Spiele streichen. Mediapro behauptete, Sogecable habe seinerseits Schulden in Höhe von 31 Millionen Euro.

Beide Unternehmen verschickten vor dem ersten Spieltag Briefe an alle Heimmannschaften, die Kamerateams des jeweiligen Kontrahenten nicht in ihre Stadien zu lassen. Mediapro setzte sich auf ganzer Linie durch: La Sexta übertrug nicht nur wie angekündigt ein Spiel am Samstagabend, sondern auch noch zeitversetzt ein zweites.

Der Krieg wurde schließlich "total", so El Mundo, als Mediapro ankündigte, am Sonntag, 21 Uhr, auf La Sexta eine weitere Partie zu senden. Ein offener Affront, denn traditionell darf auf diesem Sendeplatz Canal+ senden.

Aktienkurs fällt, Analysten raten zur Besinnung


Sogecable sprach von "Piratenmentalität" und kündigte rechtliche Schritte an. Dennoch fiel der Aktienkurs des Unternehmens, Analysten rieten dem Unternehmen, seine Geschäftspolitik schleunigst zu überdenken, sonst drohe ein ähnlicher Aktieneinbruch wie beim deutschen Digital-Sender Premiere, dessen Kurs nach dem Verlust der Bundesligarechte um rund die Hälfte nach unten sackte. Und in Spanien ist die Fußballbegeisterung eher noch größer als in Deutschland.

Ein durchaus realistisches Szenario, denn Mediapro wird im kommenden Jahr nicht mehr nur acht, sondern zwölf Vereine unter Vertrag haben, und ab 2009 fast alle Vereine der 1. und 2. Liga: 38 von 42 Profiklubs haben bereits bei Mediapro unterschrieben, darunter Real Madrid und FC Barcelona.

Beide Vereine kassieren für sieben Jahre jeweils rund eine Milliarde Euro. Nach Bekanntgabe dieses Coups, bei dessen Bekanntgabe im Juli die mächtigen Klub-Präsidenten Calderón (Real) und Laporta (Barcelona) persönlich zugegen waren, war der Kurs Sogecables bereits um 6 Prozent gesunken.

Auch Premiere/Arena gucken in die Röhre

Auch auf Deutschland wirkte sich der Streit aus, weil AVS am ersten Spieltag die Kamerateams von Mediapro aus dem Bernabeu-Stadion von Real Madrid aussperrte. Mediapro ist aber für die Auslandsübertragungen zuständig.

Jaume Roures, Präsident von Mediapro, hatte zwischenzeitlich Einzelheiten aus dem am 24. Juli 2006 geschlossenen Vertrag mit AVS veröffentlicht. Demnach sei zwar vereinbart worden, dass Mediapro die Pay-Per-View-Rechte seiner Vereine an AVS abtritt und für eine Zahlung von 150 Millionen Euro pro Saison ein Spiel live im Free-TV übertragen darf und dazu die Zweitverwertungs- und Auslandsrechte bekommt. Allerdings sei damit auch ein Einstieg Mediapros mit 25 Prozent bei AVS verbunden gewesen. Da die Frist für dieses Geschäft im Oktober 2006 verstrichen sei, fühle sich Mediapro an den gesamten Vertrag nicht mehr gebunden, so Roures.

Das Gerichtsurteil vom 9. Oktober - Waffenstillstand

Das Gericht sah dies freilich anders. Am 9. Oktober ordnete es einen „Waffenstillstand“ an. Damit sollten die Verhältnisse der Vorsaison zurückkehren. Das Gericht verbot Mediapro, die TV-Rechte seiner Vereine Zaragoza, Santander, Bilbao, FC Sevilla, Valencia, Villarreal, Levante und Murcia exklusiv wahrzunehmen. Das Gericht befand, dass der Vertrag vom Juli 2006 sehr wohl einzuhalten sei. Die vermeintlichen 58 Millionen Euro Schulden tauchen in dem Urteil nicht mehr auf.

Sogecable hatte bis zuletzt eine Rückkehr zum Status Quo ausgeschlossen. Einen Kompromiss, den AVS-Geschäftsführer Daniel Margalef mit Mediapro ausgehandelt hatte, ließ Sogecable platzen, Margalef wurde abgesetzt. Das aktuelle Urteil wurde von Sogecable und der Prisa-Presse (El País) dennoch wie ein Sieg gefeiert und sofort an die Börse weiter geleitet, wo die zuletzt gebeutelte Aktie um 6,75 Prozent zulegte.

Damit der aktuelle Waffenstillstand eingehalten wird, hat das Gericht AVS zur Zahlung einer Kaution von 50 Millionen Euro verpflichtet. Mögliche Vertragsverletzungen sollen daraus beglichen werden. Noch immer sind mehrere Schadenersatzforderungen beider Parteien zu verhandeln. Unmittelbar nach den Übertragungen von drei Partien am ersten Spieltag auf La Sexta am 25. August hatte AVS Mediapro auf eine Zahlung von 200 Millionen Euro verklagt.




Datum:
28.11.2007
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
SAZ
 

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Suchbegriffe: TV-Krieg, Mediapro, Sogecable, Audiovisual Sport


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