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Krieg dem Fernsehmüll: Jugendschutz im spanischen TV

Spanische Kinder und Jugendliche verbringen laut einer aktuellen Umfrage mehr als dreieinhalb Stunden am Tag vor dem Fernseher - das ist fast Europarekord, nur die englischen Kids schauen mehr.

Vor allem zwischen 19 und 22 Uhr bilden die spanischen Jugendlichen das Stammpublikum des Nachmittags- und Abendprogramms.

Aber was in dieser Zeitspanne besonders von den großen privaten Sendern wie Telecinco und Antena 3 ausgestrahlt wird, verdient laut spanischer Regierung und weiten Teilen der Öffentlichkeit nur einen Namen: Telebasura, zu deutsch Fernsehmüll’.

Worum es inhaltlich geht, brachte die PSOE-Politikerin Carme Chacón schon vor zwei Jahren auf den Punkt: Im spanischen Fernsehen werde Gewalt banalisiert, die Jugendlichen würden sexuell verwirrt und zum Drogenkonsum ermuntert. Statt Qualität würde man lieber billige Talkrunden anbieten, in denen unqualifizierte Studiogäste über Videoeinspielungen palavern. Gemeint war unter anderem das populäre Gran Hermano (Big Brother).

Ein Drittel der Kinder schaut ohne Eltern

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte damals eine Umfrage, wonach 800.000 spanische Kinder unter 14 Jahren auch nach 22 Uhr noch regelmäßig vor dem Fernseher sitzen. Knapp ein Drittel aller Kinder schaut demnach ohne Eltern. Gleichwohl, oder gerade deshalb, fühlen sich 90 Prozent der Eltern von den Fernsehsendern im Stich gelassen, weil sie kaum kindgerechte Programme anbieten würden.

Die Regierung versprach Hilfe, der "Kreuzzug gegen den Fernsehmüll", so die Zeitung El Mundo, wurde Chefsache. Die Sender, so Zapatero, müssten endlich die gesetzlichen Vorgaben einhalten. Die reglementieren in Spanien den Jugendschutz im Fernsehen zwischen 6 und 22 Uhr. Demnach dürfen Jugendliche in ihrer "körperlichen, geistigen und moralischen Entwicklung" nicht beeinträchtigt werden.

Telecinco ging danach mit einem Katalog mit 21 Maßnahmen in die Offensive, mit denen zukünftig die Programmqualität verbessert werden, vor allem aber Prozesse vermieden werden sollten.

Die Liste sprach für sich: Trennung von Information und Meinung, Unterscheidung von Tatsachen und Gerüchten; Meldungen sollten künftig vor der Ausstrahlung auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden, vor allem, wenn es um Prominente geht.  Telecinco-Manager Paolo Vasile gab offen zu: "Die Temperatur einiger Sendungen war ein wenig zu hoch, wir glauben, dass es Zeit ist darüber nachzudenken."

Zeitfenster für Kinder- und Jugendschutz

Regierung und Sendeanstalten einigten sich schließlich auf einen gemeinsamen Nenner in Sachen Jugend- und Kinderschutz. Regierung, das Staatsfernsehen RTVE sowie die Privatsender Telecinco, Antena 3 und Sogecable (Canal +) schlossen einen Vertrag, der speziell Kinder unter 13 Jahren schützen soll.

Der so genannte ‚Código de autorregulacion sobre contenidos televisivos e infancia’ weist demnach Zeitfenster aus, die in besonderem Maße frei von sexuellen, gewalthaltigen und sozial explosiven Inhalten bleiben soll. Diese Fenster liegen an Schultagen zwischen 8 und 9 Uhr morgens sowie zwischen 17 und 20 Uhr abends, an Wochenenden und Feiertagen wird der Jugendschutz am Morgen auf die Zeit zwischen 9 und 12 Uhr ausgedehnt. Zu diesen Zeiten schauen die spanischen Kinder laut aktuellen Studien besonders gerne fern, oft auch ohne ihre Eltern.

Generell gilt, dass zwischen 6 und 22 Uhr keine Inhalte mehr ausgestrahlt werden dürfen, die für Jugendliche und Kinder unter 18 Jahren nicht geeignet sind. Sämtliche Formate werden aufgrund verbalen und bildlichen Inhalten klassifiziert und bestimmten Altersgruppen zugeordnet. Die Liste der heiklen Inhalte reicht neben Sex und Gewalt bis zur Thematisierung von Scheidung, Intoleranz, Drogenkonsum oder Religiosität.

Regierung: Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich

Vize-Regierungschefin Teresa Fernández de la Vega zeigte sich mit dem Kodex zufrieden. Gleichzeitig ermahnte sie allerdings die Eltern, besser auf ihre Sprösslinge acht zu geben. Sie seien die „ersten Verantwortlichen“ und dürften den Kampf gegen Telebasura weder den Politikern noch den Sendern übertragen - vor allem angesichts der Tatsache, dass die spanische Jugend mehr Zeit vor dem Fernseher als in der Schule verbringe.

Der neue Kodex ist der zweite seiner Art. Bereits 1993 war zwischen Sendern und sozialistischer Regierung in Sachen Jugendschutz eine Selbstkontrolle der Programminhalte verabredet worden, die aber nie wirklich ernst genommen wurde.


Datum:
05.10.2007
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
SAZ
 

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Suchbegriffe: Jugendschutz, Fernsehmüll, Kinder, Eltern, TV


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