Unabhängigkeitsbewegung mit dem Lederball
Über nationale Unabhängigkeit reden viele in Spanien, vor allem in Katalonien und im Baskenland (Euskadi). Einige wenige zünden dafür auch Bomben. Jenseits von Terrorismus und Talkshows gibt es aber eine Unabhängigkeitsbewegung, die einiges unternimmt, und das in der Grauzone zwischen erlaubten und unerlaubten Mitteln.
So spielte jüngst eine katalanische Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im Hallenfußball in Sibirien gegen Spanien. Und die baskische Fußball-Nationalmannschaft kickte vor wenigen Tagen zum ersten Mal seit 1938 wieder bei einem Auswärtsspiel. In Venezuela gewann das Team vor 38.000 Zuschauern mit 4:3.
"Somos Una Nacion. Oficialidid!"
Folkloristische Auftritte gibt es zwischen katalanischen, valencianischen und baskischen Teams ohnehin schon immer, neu ist der offen gezeigte politische Anspruch. Die Basken wollten auch im Fußball nicht mehr gegen eine andere autonome spanische Region antreten, sondern gegen eine "richtige" Nation - nicht mehr und nicht weniger wollen sie selbst sein. Im Pelota, dem Nationalsport der Basken, tun sie das schon lange, wie die Valencianer übrigens auch.
So entfalteten die Spieler, fast alle von Atletic Bilbao, Real San Sebastián und Pamplona, in Venezuela ein Banner mit der Aufschrift: "Somos Una Nacion. Oficialidid!" Frei übersetzt: Wir sind eine Nation und wollen offizielle Anerkennung."
Da der offizielle baskische Fußballverband weiß, dass dies ohne Unterstützung des spanischen Staates nicht geht, übernahmen mitgereiste Funktionäre der Unabhängigkeitsbewegung Esait das propagandistische Trommeln. Ganz ungeniert bat man Venezuealas Präsident Hugo Chavez, der auf dem besten Weg zum sozialistischen Diktator ist, um Hilfe. Wie meistens, wenn es um die Stiftung von Unfrieden in der lateinischen Sphäre geht, sagte Chavez zu.
FIFA und UEFA wollen von Separatisten nichts wissen
Denn nichts anderes als eine Provokation ist das Unterfangen. Die Welt- und Europa-Fußballverbände FIFA und UEFA wollen von separatistischen Bewegungen in ihren Reihen nichts wissen, nach der Auflösung des Ostblocks gibt es ohnehin viel zu viele Länder auf dem internationalen Spielplan. Bei Welt- und Europameisterschaften dürfen nur Staaten mitspielen, die offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt sind.
Ausnahmen gibt es nur zwei. Die britischen Staaten Wales, Schottland, Nordirland und England dürfen unabhängig von Großbritannien spielen, weil sie schon im 19. Jahrhundert und lange vor der FIFA (1904) gegründet wurden.
Und kleine Verbände wie die Faröer-Inseln oder die Bermudas bekommen Sonderrechte, weil sie von ihren geweiligen Staaten Dänemark und Großbritannien die ausdrückliche Erlaubnis bekommen, eigene Teams aufzustellen.
Keine Chance für Gibraltar
Davon aber sind das Basekenland und Katalonien noch weit entfernt, genauso wie Gibraltar, das vor Monaten ebenfalls diesen Sonderstatus für sich reklamierte - allerdings ohne Unterstützung Spaniens. Und so war auch die Hallenfußball-Nationalmannschaft Spaniens, die in Sibirien gegen Katalonien kickte, kein offizielles Team, sondern eine Kreation des unabhängigen Hallenfußball-Verbandes.
Dass das Treiben der separatistischen Verbände Spaniens zuweilen auch weniger komisch sein kann, mussten in der Vergangenheit immer wieder baskische Spieler erfahren, die sich weigerten, für "ihr Land", also das Baskenland, zu spielen. So war Bixente Lizarazu, Kicker von Bayern München, lange Jahre Opfer von Polemik und Drohungen, weil er sich zu Frankreich bekannte und mit der Trikolore die Weltmeisterschaft gewann.
Datum:
03.03.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
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Suchbegriffe: Baskenland, Katalonien, Fussball, Lederball, Sport, Unabhängigkeitsbewegung
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