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Fußball ist unser Leben - vor allem in Spanien

Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt, wir kämpfen und geben alles, bis dann ein Tor nach dem andern fällt ... viele werden sich an dieses Lied erinnern, das die deutsche Fußballnationalmannschaft anlässlich der WM 1974 im eigenen Land geträllert hat.

Damals wirkte es leicht peinlich, Beckenbauer, Müller, Maier, Netzer, Vogts und Overath singend zu sehen - aber von seiner Aktualität hat das Lied bis heute nichts eingebüßt. Denn Fußball bestimmt immer noch das Leben vieler Menschen, vor allem in Spanien.

Eine aktuelle Umfrage des Zentrums für Sozialforschung (CIS) unter 2.500 Spanierinnen und Spaniern brachte zutage, dass Fußball mit knapp 55 Prozent Zustimmung mit Abstand der beliebteste Sport im Land ist, gefolgt von Formel 1, Tennis, Basketball und Motorradrennen. Das ist im Land von Fernando Alonso und Rafa Nadal nicht selbstverständlich, bedenkt man den Tennis-, Formel-1-, und Box-Boom in Deutschland zu Zeiten von Boris Becker, Michael Schumacher und Henry Maske. Heerscharen von Jugendlichen tauschten damals den Lederball gegen ein Racket ein, und überall im Lande schossen Tennishallen wie Pilze aus dem Boden .

Ein bisschen Tratsch muss sein: Politik ist wichtiger als Fußball - aber Fußball ist interessanter

Die große Beliebtheit des Fußballs schließt allerdings eine kritische Haltung des Publikums nicht aus. Fast 80 Prozent sind der Meinung, dass es beim Kicken "mehr ums Spektakel als um Sport" ginge und fast 75 Prozent glauben, dass "Geld und Korruption" in der Welt des runden Leders herrschen. Im Land der "galaktischen Madrilenen" und der offen gezahlten "Prämien an Dritte" scheint das kein Wunder.

Da wundert es eher, dass trotzdem rund 60 Prozent der Spanier durch die Presse über das Sportgeschehen informiert sein wollen - deutlich mehr als über Politik, Wirtschaft, Kultur oder andere Themen. Und das, obwohl fast alle Befragten der Meinung waren, dass Politik & Co viel wichtiger seien als der Sport.

Da bleibt nur der Schluss: Ein bisschen Klatsch und Tratsch über die kickenden Helden in den kurzen Hosen macht einfach Spaß. Und Spieler, die selbst Spaß haben, wie Roberto Carlos (Bild), sind besonders beliebt. Damit korrespondiert ein anderer Umfragewert: Über nichts reden die Spanier mit Freunden und Arbeitskollegen lieber als über Fußball.

Real vor Barca vor Valencia und Bilbao

Wer ab und zu in einer spanischen Bar einen Café con leche oder ein Bierchen trinkt, wenn nebenbei ein Spiel läuft, kann deshalb bestätigen: Es wird viel gelacht, aber selten geflucht. Nur 14,5 Prozent der Menschen sind nach einem verlorenen Spiel ihrer Mannschaft so schlecht gelaunt, das sie ihre Familie und Freunde am liebsten gar nicht sehen möchten. 42 Prozent haben dagen eine Fahne ihrer Mannschaft zu Hause und knapp ein Viertel der Befragten besitzt Feuerzeuge oder ähnliches in den Farben ihres Teams. Fußball soll Spaß machen, der Rest ist zweitrangig.

Kein Wunder wiederum, dass deshalb auch die erfolgreichsten Clubs die beliebtesten sind: Real Madrid versammelt rund ein Drittel der Befragten hinter sich, der FC Barcelona gut 25 Prozent. Auf den übrigen Plätzen: Valencia, Bilbao und Atlético Madrid mit jeweils fünf Prozent auf der Sympathieskala.

Eurobarometer: Spanier sind Politik-Muffel

Politik dagegen mögen die Spanier gar nicht, zumindest nicht in der Zeitung. Die Spanier sind sogar das europäische Volk, das sich am wenigsten in ganz Europa für Politiknachrichten interessiert.

Nur 19 Prozent gaben bei einer Umfrage an, entsprechende Berichte in der Presse zu registrieren, der europäische Schnitt liegt bei 34 Prozent. Dies ermittelte das so genannte Eurobarometer der Europäischen Kommission. Am meisten interessieren sich Dänen, Deutsche und Esten für die Politik - zumindest für die politische Berichterstattung in ihren Medien.

Denn beides ist noch lange nicht dasselbe. Vielleicht sollten die spanischen Medien über die Art und Weise nachdenken, wie sie über Politik berichten? Vielleicht sollten sie die politischen Parteien nicht regelmäßig darin unterstützen, aus jedem nur erdenklichen Thema einen wahlkampftaktischen Streit zu konstruieren - wie zuletzt beim Disput zwischen Venezuelas Präsident Chavez und König Juan Carlos?

Denn beim Sport und auch sonst sind die Spanier ganz europäisch und aufgeklärt: 40 Prozent der Iberer mögen Sportnews, 39 Prozent interessieren sich für Kunst und Kultur, 25 Prozent für Prominente und 23 für wissenschaftliche Themen. Nur die Wirtschaft (18 Prozent) kommt in Spanien schlechter weg als die Politik. Überraschend: Entgegen dem Klischee interessieren sich die Spanier herzlich wenig für ihre Promis. Im europäischen Vergleich liegen sie auf dem vorletzten Platz - basieren die vielen Promi-Sendungen im spanischen Fernsehen auf einer Fehleinschätzung?

Der europäische Schnitt: Sport 40%), Prominente (35%), Politik (34%), Kunst (32%), Wissenschaft (31%) und Wirtschaft (28%).


Datum:
16.01.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
SAZ
 

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Suchbegriffe: Fussball, Spanien, Fussballfans, Politik, Real Madrid, FC Barcelona, Alonso, Nadal, Schuster, Becker


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