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"Erst stirbt die Biene, dann der Mensch"

Seit drei Jahren gibt es eine mysteriöse Seuche, die Agrarwissenschaftlern zunehmend mehr Sorge bereitet: Sie heißt auf Englisch Colony Collapse Disorder, zu deutsch „Bienenvolk-Kollaps“. Im Volksmund wird die Seuche Bienen-Aids genannt.

Woher das Phänomen kommt und warum, weiß bislang niemand. Angefangen hat es in den USA, aber schon sind Spanien und Deutschland mittendrin im Geschehen.  Das Problem: Immer mehr Bienen verschwinden, und niemand weiß wohin.

Die Imker, von denen es in Spanien rund 30.000 gibt, beschreiben das Phänomen so: "Die Bienen schwärmen aus, finden die Blüten - und kommen nicht mehr in die Bienenstöcke zurück." Tote Tiere findet niemand. Allein in der Provinz Alicante mit seinen rund 80.000 Bienenstöcken sind seit 2004 30.000 Bienenvölker verschwunden, so die Zeitung "Informacion". Das sind mehr als 30 Prozent. In Spanien sterben derzeit neun Milliarden Bienen im Jahr.

Albert Einstein: "Keine Bienen, keine Pflanzen, keine Menschen!"

Wenn der Trend nicht umgekehrt wird, gibt es bald keine Bienen mehr auf unserem Planeten. Das klingt harmloser als es ist, denn es geht keineswegs nur um unseren Honig zum Frühstück. Kein Geringerer als Albert Einstein hat dafür den Blick geschärft. Der Entdecker der Relativitätstheorie prägte den Satz: "Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Biene mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr." Was viele Menschen nicht wissen: Für die Ernährung des Menschen sind Bienen unersetzlich. Ein Drittel der menschlichen Nahrung ist direkt oder indirekt von ihnen abhängig.

Die toten und verschwundenen Bienen hinterlassen jetzt schon einen beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden. Zwar liegt der direkte Wert der Imker-Erzeugnisse, also vor allem Honig, in der Provinz Alicante bei bescheidenen zwei Millionen Euro. Aber berechnet man den Wert der Pflanzenbestäubung durch Bienen im Agrarsektor hinzu, sind es bereits 120 Millionen, im Land Valencia 600 Millionen Euro.

In den USA sind bereits Anhörungen vor dem Kongress anberaumt, nach Schätzungen der US-Imker zufolge sind bereits 25 Prozent der 2,4 Millionen Bienenstöcke ausgestorben. Neben Spanien grassiert das Bienensterben auch in Deutschland und in der Schweiz, Österreich bleib bislang davon weitgehend verschont. Warum, weiß niemand.

Insektizide, Genfood, Handystrahlen ...

Theorien zum Bienensterben gibt es viele. Einseitige Agrarwirtschaft könnte den Bienen die Nahrungsgrundlage entziehen, Verstädterung die Bienen aus der Natur verdrängen. Die elektromagnetischen Wellen der Mobiltelefone könnten den Orientierungssinn der Bienen stören, genmanipulierte insektenresistente Nutzpflanzen ihren Organismus verwirren. Versuche der Universität Jena deuten darauf hin, dass Bienen, die mit bestimmten gentechnisch manipulierten Pollen gefüttert werden, anfälliger gegenüber bestimmten Parasiten sein könnten.

Unter Verdacht steht auch Imidacloprid, ein Insektizid, das unter anderem auf Golfplätzen in USA und Europa zum Einsatz kommt. In Frankreich ist es seit 1999 verboten. Allerdings wehrt sich Hersteller Bayer gegen diese Theorie. Das Insektizid wird in 120 Ländern verkauft, und in Frankreich sterben trotz Verbot die Bienen weiter. In Spanien könnte der Bienentod mit der zunehmenden Trockenheit zu tun haben. Vielleicht ist es auch der Klimawandel. Genaues weiß man nicht. Sicher ist derzeit nur, dass die Bienen mittlerweile fast weltweit unter einem geschwächten Immunsystem leiden, ähnlich wie Menschen, die Krebs oder Aids haben. Deshalb der Ausdruck "Bienen-Aids".

Weiter lesen: Was tun, wenn Bienen in Ihrem Garten einen Schwarm bilden?


Datum:
03.03.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
 

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Suchbegriffe: Bienen-Aids, Bienen, Honig, Einstein


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