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Wer hat Angst vor Ameisen?

Der Mensch lebt gern in der Natur, nur im Haus mag er so wenig wie möglich davon sehen. Jedenfalls nicht auf sechs oder mehr Beinen. So kommt es regelmäßig zu Missverständnissen zwischen Mensch und Tier, vor allem zwischen Mensch und Ameise.

Denn letztere hält nicht viel davon, das Homo sapiens immer mehr in seine Lebensräume vordringt und mit Beton zupflastert. Die Ameise an sich kann mit einigem Recht selbstbewusst sein. Weltweit gibt es mehr als 12.000 bekannte Arten. Sie finden sich in tropischen Urwäldern zurecht und am Polarkreis, im Gebirge und in den Wüsten.

So hat der Mensch eine Art Ur-Angst vor den Krabblern entwickelt: In seinem Roman "Hundert Jahre Einsamkeit", der derzeit die Bestsellerliste in Spanien anführt, schildert Nobelpreisträger García Marquez, wie Ameisen ein Kind aus dem Haus tragen und verschleppen. Und auch das Filmgenre bietet mit Kultstreifen wie "Formicula" schlimmste Visionen, in denen mutierte, baumhohe Ameisen die Menschheit bedrohen.

Bedeutendster Jäger der mitteleuropäischen Wälder

Der Kampf gegen die Ameise gehört heute zu den Hauptbeschäftigungen verzweifelter Hausfrauen und berenteter Hobby-Gärtner. Aber lohnt dieser Kampf denn wirklich? Ob Ameisen tatsächlich schädlich sind, ist höchst umstritten, um nicht zusagen widerlegt. Umso sicherer ist, dass Ameisen extrem nützlich sind, gerade auch für uns Menschen. Denn Ameisen fressen andere, richtige Schädlinge. Ein Staat Roter Waldameisen vertilgt laut Internet-Lexikon Wikipedia pro Tag durchschnittlich 50–80.000 Raupen, 30–35.000 Falter und 15-20.000 Insektenpuppen. Nicht auszudenken, wenn die alle überleben würden. Unterm Strich ist die Ameise der bedeutendste Jäger der mitteleuropäischen Wälder.

Zwar gibt es Stimmen die behaupten, Ameisen würden Terrassen- und Gehwegplatten unterhöhlen, Gartenhölzer durchlöchern, aber nur die Hälfte davon ist wahr. Andere werfen den Ameisen vor, sie würden durch Ihre Erdaufhäufungen Kahlstellen im Rasen hinterlassen, für viele Menschen offenbar ein erschütternder Gedanke. Auch geht die Angst um, dass Ameisen in der Küche nicht nur Lebensmittel verunreinigen, sondern sogar Krankheitskeime weitertragen könnten. Aber dies behaupten heute nur noch Firmen, die im gleichen Atemzug chemische Kampfstoffe gegen Ameisen anbieten, natürlich gegen teures Geld. Es gibt schier alle Darreichungsformen auf dem Markt: Sprays, Pulver, Tinkturen, Fallen und vieles mehr.

Diesen Lösungen ist eines gemeinsam: Sie alle enthalten Gifte, die nach Ansicht von Gesundheitsexperten in jedem Fall für die Gesundheit des Menschen gefährlicher sind als die Ameisen selbst. Sie können Hautprobleme und Allergien auslösen. So folgert auch das Bayerische Landesamt für Umwelt, dass Ameisen insgesamt mehr Nutzen als Schaden bringen - das beste Mittel gegen Ameisen im Haus sei die Vorsorge. Man könnte auch sagen: Putzen. Denn in einem sauberen Haus fühlen sich die Ameisen selten wohl, sie sind nämlich ganztägig auf der Suche nach Futter. Gibt es davon nichts offen herumliegend im Haus, ziehen sie enttäuscht wieder ab.

Mit dem Besen wegfegen: Ameisen lernen schnell

Schauen sie dennoch neugierig vorbei, reicht es in der Regel, die Ameisen mehrfach mit dem Besen ins Freie zu komplementieren. Möglicherweise muss man mögliche Eintrittspforten wie offene Ritzen in Fußböden mit Spachtelmasse abdichten. Weil Ameisen intelligente Tiere sind, verstehen sie diese Zeichen und ziehen weiter.

Dies gilt insbesondere, wenn nur einzelne Ameisen in der Wohnung auftauchen. Sie sind meistens Kundschafter. Kommen sie mit leeren Händen zu ihren Kollegen zurück, suchen sich die Ameisen eine andere Nahrungsquelle.

Hier einige Tipps gegen Ameisen im Haus: Ameisenstraßen lassen sich mit Zimt, Nelken oder Kaffee unterbrechen, indem man das Pulver auf sie streut. Ritzen und Löcher im Boden oder unterm Fenster verschließen. Lebensmittel nicht offen herum liegen lassen. Keine Krümel liegen lassen, schmutziges Geschirr sofort spülen. Abfalleimer häufig entleeren. Nesteingänge, die man entdeckt hat, mit Klebeband verschließen. Ätherische Öle wie Lavendel, Basilikum, Thymian, Zitrone und Minze mögen Ameisen gar nicht, im Hauseingang kann man deshalb wirkungsvoll Blumentöpfe mit den stark duftenden Pflanzen aufstellen.

Ackerbau und Viehzucht

Im Garten gibt es eine weitere Form von Ameisen-Intelligenz zu bewundern. Denn hier betreiben einige von ihnen regelrecht Viehzucht. Sie kultivieren Schild- und Blattläuse sowie Blattflöhe, die beim Aussaugen von Blättern zuckerreichen Honigtau absaugen - ein Leibgericht der Ameisen. Diese melken die Läuse regelrecht. Dafür bewachen sie ihre Sauger vor Feinden, etwa dem Marienkäfer, der nicht nur Honigtau isst, sondern gleich die ganze Laus. Die Rote Waldameise zum Beispiel beißt einem angreifenden Marienkäfer kurz und knapp die Beine ab. Es gibt Ameisenarten, die Blattläuse in ihrem Nest überwintern lassen oder deren Eier vor Kälte zu schützen. Manchmal werden Herden von Läusen auf besonders saftige Bäume getrieben und regelrecht geweidet. Ameisenforscher beobachteten schon richtige Kriege zwischen verschiedenen Ameisenstaaten um die besten Läuseherden.

Zwar sind diese blattlaushaltenden Ameisen im Garten also durchaus Schädlinge, aber sie bieten doch auch Vorteile bei der Belüftung und Durchmischung des Bodens. Abgesehen davon, dass sie viele schlimmere Schädlinge beseitigen. Statt starker Gifte gegen Insekten sollte man die Blattläuse deshalb lieber mit dem Wasserschlauch abspritzen oder befallene Blätter abschneiden und die Pflanzen ansonsten widerstandsfähig machen, zum Beispiel durch starkes Wässern.



Weiter lesen: Bienen, die ausschwärmen, können gefährlich sein!


Datum:
03.03.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
 

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Suchbegriffe: Ameisen, Jäger, Ungeziefer, Plage


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