Barça gegen Real Madrid: Der ewige Klassiker
In Spanien steigt jedes Jahr zwei Mal pro Saison das Duell der Duelle im weltweiten Vereinsfußball: FC Barcelona gegen Real Madrid. Am 7. Mai ist es wieder so weit. Gleich bei seinem ersten Auftritt als Trainer von Real Madrid in Barcelona machte sich Bernd Schuster mit seinem 1-0-Sieg am 23. Dezember 2007 unsterblich. Als Spieler hatte er das Derby oft genug gespielt, und zwar auf beiden Seiten. Der Augsburger ist sogar Mitglied des FC Barcelona.
Barça gegen Real: Das ist ein ewig junger Schlager, den es auch in Deutschland so nicht gibt, wo Bayern München keinen vergleichbaren Gegner kennt und Schalke gegen Dortmund nur im Kohlenpott für Aufregung sorgt. Und weil es neben Sport auch um Politik, Geschichte, Stolz und Lebensanschauungen geht.
Selbst wenn hin und wieder eine Mannschaft wie Sevilla die Tabellenführung übernimmt oder Valencia um den Titel mitkämpft - beim Spiel Barça gegen Real geht es um mehr als die Tabelle, es geht ums Prestige. Im stolzen Spanien ist das (fast) alles. Denn ein richtiger Barça-Fan würde lieber auf die Meisterschaft verzichten, als gegen Madrid zu verlieren – und umgekehrt.
Legenden ranken sich um dieses Duell, das seine wohl denkwürdigsten Momente unter der Diktatur von General Franco erlebte, einem bekennenden Real-Fan. Polizisten tauchten 1943 in der Kabine des FC Barcelona auf, das Spiel endete 11:1 für Madrid, noch heute schwärmen viele „Madridistas“ vom Ergebnis.
Flucht ins Exil
1936 bereits war Barça-Präsident Josep Sunyol von Franco-Truppen standrechtlich erschossen worden, die Mannschaft Barcelonas ging nach Mexiko ins Exil. Real-Chef Santiago Bernabeu pflegte dagegen gute Kontakte zum Regime. Deshalb wechselte der allseits umworbene argentinische Star-Spieler Alfredo di Stefano auch 1953 nach Madrid.
Freiwillig tat er es jedenfalls nicht, wie noch heute behauptet wird, er hatte bereits einige Probespiele mit dem FC Barcelona absolviert. Mit di Stefano begann Reals Blütezeit, der Klub gewann fünfmal in Folge den Europapokal. Dennoch: Unmöglich war es nie, in Madrid zu gewinnen. Beim legendären „Pokalfinale der Flaschen“ 1968 siegte Barcelona im Bernabéu-Stadion mit 1:0, aufgebrachte Madrilenen warfen ob dieses ungewohnten Endstands so viele Flaschen auf den Rasen, dass danach spanienweit der Verkauf von Flaschen in Stadien verboten wurde.
Barcelona wirbt für Unicef
Heute noch verstehen viele Fans das Duell als Kampf zwischen Zentralmacht und Rebellentum – auch, weil die Katalanen immer wieder den Anspruch erheben, eine eigene Nation zu sein. Anhand der Penyas, den Fanclubs, kann man in manchen Städten der Costa Blanca sogar ersehen, welche Sprache dort überwiegend gesprochen wird. So hält man etwa in Villena im Hinterland Alicantes mehrheitlich zu Madrid. Warum? Weil dort die Menschen Castellano sprechen und das von oben verordnete Valenciano - eine Art Katalanisch für Valencianer - geradezu hassen. Und deshalb hassen sie auch die Fußballvereine von Barcelona und Valencia. In Alcoy, wo man gerne Valenciano spricht, finden sich dagegen Barça-Fans.
Es gibt noch mehr Besonderheiten: Die „Blaugranas’“ (auf Castellano „Azulgranas“), die Blauroten aus Barcelona, verzichteten traditionell als einziges Top-Team der Welt auf Einnahmen aus Trikotwerbung. Der Verein wirbt lieber für Unicef. Und zahlt sogar dafür.
Die Großzügigkeit hört auf dem Rasen auf. Während Real Madrid traditionell am liebsten Kunst zelebriert (auch wenn es seit Jahren nicht mehr gelingt), möchte Barcelona einfach nur Tore schießen und gewinnen. Dass die Spieler sich dafür - was sie häufig tun - im Strafraum fallenlassen und Elfmeter schinden, verzeiht das Publikum in Camp Nou gerne, denn allein der Erfolg zählt. Wie in Deutschland, Italien oder Holland, woher viele erfolgreiche Spieler und Trainer Barcelonas importiert werden. Im königlichen Madrid, wo das Publikum äußerst selbstkritisch ist, würde man indigniert die Nase rümpfen. Theoretisch jedenfalls. Aber garantiert nicht gegen Barcelona.
Steckbrief Real Madrid:
1902 gegründet. Per Dekret von König Alfonso XIII. Seit 1920 „königlich“. Neun Champions-League-Triumphe, darunter 1960 mit 7:3 gegen Eintracht Frankfurt und 2002 mit 2:1 gegen Bayer Leverkusen. 30 spanische Meistertitel, 17 Pokalsiege. 2002 von der FIFA als bester Fußballclub des 20. Jahrhunderts gekürt. Bernabeu-Stadion: 85.000 Plätze. Deutsche Trainer: Jupp Heynckes, Bernd Schuster. Deutsche Spieler: Paul Breitner, Günter Netzer, Uli Stielike, Bernd Schuster, Bodo Illgner, Christoph Metzelder.
Steckbrief FC Barcelona:
1899 vom Schweizer Hans Gamper gegründet. Mit 133.000 Vereinsmitgliedern größter Sportverein der Welt, vor dem FC Bayern München. Camp Nou ist mit 98.000 Plätzen das größte Stadion Europas. Immer ausverkauft, weil Vereinsmitglieder automatisch Eintrittskarten bekommen. 1929 erster Meister der Primera División. 1992 erster Sieg in der Champions League unter Trainer Johan Cruyff, 2006 zweiter CL-Sieg unter Frank Rijkaard. Insgesamt 18 spanische Meistertitel, 26 Pokalsiege. Deutsche Trainer: Hennes Weisweiler, Udo Lattek. Deutsche Spieler: Bernd Schuster, Robert Enke. Österreichische Spieler: Hans Krankl.
Weiter: Bernd Schuster - jetzt kommandiert der Blonde Engel
Datum:
13.05.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Wilhelm Wagner
Bildquelle:
SAZ
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Suchbegriffe: Real Madrid, FC Barcelona, di Stefano, Santiago Bernabeu, Bernd Schuster, Derby, Camp Nou
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