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Auf die Plätze, fertig... für Europa!

Die Welt rückt täglich enger zusammen. Längst sind Berufspendeln, Vielfliegen und gepflegter Business-Talk nicht mehr Alleinstellungsmerkmale von Spitzenpositionen in der Wirtschaft. 

Auch Berufseinsteigern in fast allen Branchen werden hohe Mobilität und wenigstens eine Fremdsprache abverlangt – am besten fließend in Wort und Schrift. Darauf reagieren nun auch die deutschen Universitäten und fordern Sprachzertifikate als Zulassungsvoraussetzungen für viele Studiengänge.

Es ist fast völlig still an diesem Nachmittag in der kleinen Sprachschule im Herzen der spanischen Universitätsstadt Granada. An einem großen Holztisch sitzen zwei junge Frauen und stecken die Nasen in ihre Bücher. Nur dann und wann ist das Rascheln von Papier zu hören oder das Kratzen eines Kugelschreibers. Die beiden Deutschen Heike und Alexandra büffeln Multiple-Choice-Aufgaben für den DELE-Test, ein europaweit anerkanntes spanisches Sprachdiplom, das vom Instituto Cervantes, der spanischen Entsprechung zum Goethe-Insitut, ausgestellt wird. „Wenn ich die Prüfungen im November bestehe, sind die 118 Euro Gebühren wirklich gut investiert“, meint die 19-jährige Alexandra zuversichtlich, „wenn nicht, dann wäre nicht nur die Prüfung, sondern der ganze Kurs hier mehr oder weniger umsonst gewesen.“

Während ihre Freunde den Sommer am Strand verbracht haben, hat Alexandra Geld und Freizeit in einen Bildungsurlaub in Südspanien investiert. „Jeden Vormittag haben wir Unterricht gehabt“, erzählt sie, „der Nachmittag war zwar meistens frei, aber wir mussten auch da unheimlich viel lernen, lesen und unsere Hausaufgaben machen. Selbst für das Anfänger-Niveau sind die DELEPrüfungen nämlich ganz schön schwer.“ Freizeit hatten die jungen Frauen also wenig. Abends sind sie schon mal durch die Stadt geschlendert, waren tanzen und haben Tapas gegessen. Auch der alten maurischen Festung „Alhambra“, dem Wahrzeichen von Granada, haben sie einen Besuch abgestattet. Viel mehr war allerdings nicht drin. Jeden Morgen um halb acht klingelte der Wecker, nach einem „café con leche“ wurde bis mittags die Schulbank gedrückt.

Sprachtest als Zulassungsvoraussetzung 

Die Zeiten, als man lediglich mit dem Abiturzeugnis in der Tasche an fast jeder deutschen Uni studieren konnte, sind vorbei. Nicht nur an ausländischen Universitäten, auch in Hamburg, Niedersachsen oder Nordrhein- Westfalen, werden für Sprachstudiengänge inzwischen entsprechende Sprachzertifikate vorausgesetzt: DELF für Französisch, CAPLE für Portugiesisch, TOEFL oder die unterschiedlichen Cambridge Certificates als Nachweise für englische Sprachkenntnisse und so fort. Auch an Hochschulen mit ökonomischen oder naturwissenschaftlichen Schwerpunkten haben Sprachnachweise seit ungefähr einem Jahr Hochkonjunktur. Die Fachhochschule in Dortmund verlangt für die Zulassung zum Studiengang „International Business“ im Fachbereich Wirtschaft zum Beispiel das Cambridge First Certificate. An der Universität Heidelberg müssen sogar angehende Molekularbiologen ein Cambridge Zertifikat oder einen vergleichbaren Sprachnachweis vorlegen können. Wer wie Alexandra hingegen an der Universität Hamburg Spanisch studieren möchte, muss vorher den DELE-Test für Einsteiger absolvieren. „Sonst kann man sich den Traum, irgendwann selbst einmal an einer Schule Spanisch zu unterrichten, gleich an den Hut stecken“, erklärt die 19- Jährige und vertieft sich wieder in ihre Bücher.

Orientierung am europäischen Referenzrahmen 

Natürlich muss man, um ein solches Sprachzeugnis zu bekommen, nicht unbedingt ins Ausland reisen. 

Über 3 000 Volkshochschulen in Deutschland bieten inzwischen Vorbereitungskurse für die ebenfalls fast überall anerkannten europäischen Sprachzertifikate TELC („The European Language Certificates“) an. Anders als der DELE-Test mit gerade einmal zwei zentralen Prüfungsterminen, werden die TELC-Prüfungen regelmäßig abgenommen und haben im letzten Jahr erstmals die 100 000 überschritten. 47 Prüfungszentren für die verschiedenen Cambridge Examina kommen hinzu, an vielen Gymnasien und Realschulen werden DELF scolaire Kurse für Schüler angeboten, für Erwachsene sind die Institut Français zuständig – wie soll man da den Überblick behalten?

„Das ist im Grunde genommen gar nicht so schwer“, beruhigt Harald Weisshaar, Herausgeber der Klett-Schulbuchreihe „Green Line“. Harald Weisshaar kommt direkt aus der Schulpraxis. Er ist Englischlehrer an einem Gymnasium in Hechingen, bildet an der Universität Tübingen Englischlehrer aus und arbeitet für das Kultusministerium Baden-Württemberg in allen wichtigen Kommissionen. „Wichtig ist, dass sich jede Sprachausbildung am ‚Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen‘ orientiert“, sagt Weisshaar. Dieser Referenzrahmen wurde vom Europarat festgelegt und soll helfen, Barrieren zu überwinden, die aus Unterschieden zwischen den einzelnen europäischen Bildungssystemen entstehen. Nur so, glaubt der Europarat, kann in Zukunft ein fruchtbarer und mobiler Austausch von Arbeitskräften auf dem europäischen Markt möglich sein. Ein Sprachkurs, der die Kriterien des Europäischen Referenzrahmens erfüllt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit also auch in ganz Europa anerkannt.

Zur besseren Vergleichbarkeit innerhalb der europäischen Länder teilt der Referenzrahmen Sprachkompetenz europaweit in sechs allgemeinverbindliche, aufeinander aufbauende Stufen ein: elementare Sprachverwendung A1 und A2, selbständige Sprachverwendung B1 und B2, kompetente Sprachverwendung C1 und C2. Von Stufe zu Stufe steigt das Niveau der entsprechenden Abschlussprüfungen und somit auch das der vorbereitenden Sprachkurse bzw. der Lehrpläne an Gymnasien, Real- und Hauptschulen. Umfangreiche Lehr- und Lernmaterialien für jede Stufe haben Fachverlage wie der Stuttgarter Ernst Klett Verlag mit französischen und englischen Schulbüchern im Programm. Außerdem vertreibt Ernst Klett Sprachen auch Kursmaterialien, Selbstlernkurse und Musterprüfungen der Cambridge University Press, mit denen sich Sprachschüler auf die jeweiligen Prüfungen vorbereiten können.

Geprüft wird gemäß dem Europäischen Referenzrahmen schließlich nach den Kriterien „Hören“, „Verstehen“ und „Schreiben“. Während sich ein Sprachschüler auf dem Niveau A1 noch darauf beschränken darf, einfachste Sätze zu verstehen und zu verwenden, muss ein C2-Absolvent die entsprechende Fremdsprache fast wie ein Muttersprachler beherrschen, das heißt auch feinste Nuancen und Bedeutungsunterschiede erkennen. „Davon sind wir noch meilenweit entfernt“, stöhnt Sprachschülerin Alexandra im spätsommerlichen Granada, während sie noch immer über ihren Musterprüfungen schwitzt. Wenn da nicht die Aussicht auf das Studium wäre, hätte sie schon längst aufgegeben. Auch Heike hat für heute allmählich genug. „Für mich sind die ganzen verschiedenen Zeitformen im Spanischen echt noch schwierig“, gibt die 24-jährige Bankkauffrau zu. Sie spricht zwar ganz gut spanisch, versteht auch fast alles, aber mit dem Schreiben hapert es noch etwas. „Aber ich habe von meiner Bank das Angebot bekommen, eine Filiale auf Mallorca zu leiten, das ist so verlockend, dass ich gerne jeden Tag gebüffelt habe.“


Datum:
03.10.2007
Quelle:
Klett Themendienst
Autor:
Susanne Thiel
Bildquelle:
Banana Stock
 

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Suchbegriffe: Europa, Spanien, Granada, Mallorca, Sprachen, Sprachtest, Lernen


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