Spaniens beste Erfindung! Tapas Kult(ur)
Eine der Lieblingsbeschäftigungen aller Spanier ist das Aufsuchen einer Bar. Das soll allerdings nicht heißen, dass sie sich alle gleich betrinken wollen. Bereits im 13. Jahrhundert wurde eine Maßnahme von König Alfonso X El Sabio ergriffen, um den Alkoholpegel in Grenzen zu halten: Er führte die spanische tapa ein.
Die meisten Kutscher der damaligen Zeit stiegen nach einem arbeitsreichen Tag in umliegenden Tavernen ab und beendeten ihren freien Abend meistens betrunken. Unfälle auf dem Heimweg waren an der Tagesordnung.
Um diesem Desaster Abhilfe zu schaffen, wurden die Kneipen dazu aufgefordert, keinen Tropfen Bier oder Wein ohne Beilage auszuschenken. Üblich war ein Stück Weißbrot mit Schinken oder Chorizo-Wurst, das auf dem Glasrand platziert wurde.
Die Reste vom Vortag - Aufgebraten nochmal so lecker
Die überaus sinnvolle Einrichtung hat sich über all die Jahre hinweg erhalten, und der Brauch ist bis heute praktisch in ganz Spanien üblich. Allerdings können die tapas je nach Bar oder Cafeteria unterschiedlich ausfallen. So werden neben den üblichen Oliven, eingelegten Sardellen oder Erdnüssen in Madrid auch gerne schon einmal die Paellareste vom Vortag in kleinen Schälchen wieder aufgewärmt.
In einigen Kneipen reicht man auch speziell zubereitete Portionen als tapa, beispielsweise Salate, frittierte Garnelen oder gefüllte Teigtäschchen, die man gegebenenfalls auch als große Portion bestellen kann und dann natürlich bezahlen muss.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Hunger stillen und Alkohol bremsen
Die Tradition ist äußerst angenehm und sehr praktisch, denn der kleine Hunger wird gestillt, der Alkohol steigt nicht allzu schnell zu Kopf, und es kommt ein gemütliches Ambiente auf. Letzteres werden einige Touristen, die zum ersten Mal in Spanien eine Cafeteria betreten, vielleicht weniger empfinden, denn in absolut urtypischen spanischen Kneipen ist der Verzehr von tapas von diversen Begleiterscheinungen geprägt:
Sämtliche Garnelenschalen und –köpfe, Erdnusshülsen und Olivenkerne werden nebst zerknüllten Papierservierten achtlos auf den Boden geworfen, was jedoch keineswegs etwas über die Qualität des Lokals aussagt.
In Madrid wurde Anfang der 90er Jahre der verzweifelte Versuch gestartet, kleine Mülleimer entlang der Bartheken zu platzieren. Das Projekt war eigentlich schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn welcher Spanier könnte sich jemals daran gewöhnen, während eines lebhaften Gesprächs den kaum vernehmbaren Abfalleimer am Boden zu suchen, um seine minütlich anfallenden tapa-Abfälle zu entsorgen?
Fest steht, dass sowohl Einheimische, als auch Touristen und Hinzugezogene sich einen Kneipenaufenthalt oder Restaurantbesuch ohne die lieb gewonnene Tradition der tapas kaum vorstellen kann.
Datum:
03.07.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Susanne Thiel
Bildquelle:
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Suchbegriffe: Kneipen, Bier, Wein, Schinken, Chorizo, Brauch, Tradition, Oliven, Sardellen, Erdnüsse, Paella, Garnelen, Salat, Cafeteria
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