Wohnung gesucht: Wie? Wo? Was?
Viele Deutsche träumen davon, in den sonnigen Süden auszuwandern. Aber nicht jeder verfügt über die notwendigen finanziellen Mittel, um ein Traumhaus am Meer zu erwerben. Etliche “Wahlspanier“ aus Deutschland beschließen daher, eine Wohnung zu mieten. Doch wer glaubt, der spanische Wohnungmarkt ähnele dem deutschen, täuscht sich gewaltig.
95% der Spanier leben in einem eigenen Haus oder in einer Eigentumswohnung, Mietwohnungen sind in diesem Land weniger populär und dementsprechend schwer zu finden. Spanier ziehen es generell vor, eine Hypothek zu tilgen, anstatt jahrelang Miete zu zahlen. Die Zinsen sind trotz des Anstiegs in den vergangenen Monaten nach wie vor relativ gering, sodass eine monatliche Hypothekenbelastung einer Mietzahlung gleichkommt. Zudem wohnen viele Spanier lange bei ihren Eltern und ziehen erst spät mit ihrem Partner zusammen. Auf diese Weise sparen sie bereits vor ihrer Hochzeit auf den Grundstock für ein Eigenheim.
Die Immobilienpreise, die seit Ende der 90-er Jahre kontinuierlich und extrem angestiegen sind, beeinflussen ebenfalls die Mietkosten. Vor allem in Großstädten wie Madrid oder Barcelona werden horrende Preise verlangt. In touristischen Regionen wird generell weniger langzeitvermietet, da kurze Vermietungen an Feriengäste wesentlich höhere Einnahmequellen darstellen. Daher spielt der gewählte Ort oder die Stadt eine entscheidende Rolle bei der Wohnungssuche. Auf dem Land oder in Kleinstädten, am besten fernab von Touristenzentren, lässt es sich meist entsprechend billiger wohnen.
Nachdem Sie festgelegt haben, wo Sie wohnen möchten, können Sie sich auf die Suche machen. Ohne Frage ist es empfehlenswert, sich persönlich auf dem spanischen Wohnungsmarkt umzuschauen. Eine Suche von Deutschland aus ist mit Hilfe von Vermittlungsagenturen zwar möglich, kann aber böse Überraschungen mit sich bringen. Die Wohnungen in Spanien verfügen häufig nicht über die gleichen Standards wie in Deutschland, so dass man sie auf jeden Fall vor Ort besichtigen sollte. Es ist daher ratsam, sich für zwei bis drei Wochen eine Unterkunft in der entsprechenden spanischen Stadt zu suchen und sich von dort aus nach Wohnungen umzusehen.
In Städten bieten kleine Immobilienbüros, die vorgeben, sich auf Langzeitvermietungen spezialisiert zu haben, oft Köder in Zeitungen an: „Günstige Mieten in absoluten Traumvierteln und wunderschönen Wohnungen“. Wer dort anruft, wird zugleich aufgefordert, einen bestimmten Betrag zu zahlen, um Einblick in die Datenbank zu erhalten (die in der Anzeige ausgeschriebene Wohnung „ist nämlich schon vermietet“). Meist handelt es sich um Finten, um Büros, die nicht existieren und die anfangs gezahlte Gebühr sieht der Interessent nie wieder. Also, Vorsicht vor solchen Betrügern.
Man sollte sich genau überlegen, welche Ansprüche die Wohnung erfüllen soll, da eine gezielte Suche eine Menge Zeit ersparen kann. Wichtig ist zunächst die Lage, Stadtteile oder Vororte können sehr unterschiedlich sein. Denken Sie auch an Verkehrsanbindungen, wie z.B. Autobahnen, Bus- und Metrohaltestellen. Ohne eigenes Auto ist es durchaus wichtig, Einkäufe zu Fuß oder per Bus, Metro oder Bahn erledigen zu können. Beachten Sie auch die nähere Umgebung, wenn Sie die Wohngegend auswählen. Der spanische Alltag spielt sich oft auf der Straße ab, so dass es in einem Viertel mit vielen Bars oder Restaurants mitunter sehr laut werden kann.
Wenn Sie sich über Lage, Größe, Zimmeranzahl und Ausstattung der Traumwohnung klar geworden sind, gilt es, ein solches Objekt zu finden. Oft werden die Angebote nicht offiziell inseriert, sondern durch ein Schild am Hauseingang oder an einem Fenster mit der Aufschrift „Se alquila“ angepriesen. Eine wichtige Rolle spielt des weiteren die Mundpropaganda. Scheuen Sie sich nicht, ihren Mitmenschen von ihrem Anliegen zu erzählen. Oft weiß die Person von einem Bekannten, dessen Chef oder Freund oder wer auch immer gerade eine Wohnung vermietet.
Wohnungen werden zudem auch in Zeitungen inseriert, aber der Andrang ist aufgrund der Knappheit von Langzeitwohnungen oft groß. Darüber hinaus gibt es einige Internetportale, die Wohnungsanzeigen veröffentlichen. Dazu zählen beispielsweise http://www.loquo.com/, http://www.easypiso.com http://www.segundamano.es/ und http://www.habitamos.com Egal wie Sie auf eine Wohnung aufmerksam werden, schnell sollten Sie sein. Da die Langzeitmietwohnungen sehr beliebt sind, sind sie auch bald weg. Also, früh anrufen. Das kann durchaus um 7.30 Uhr sein. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Selbst eine Anzeige aufzugeben ist meist sinnlos, da die Vermieter es bei dem Andrang nicht nötig haben, viel Zeit in die Suche eines Mieters zu investieren, Anzeigen zu lesen oder Interessenten anzurufen.
Auf die Besichtigung der Wohnung sollten Sie vorbereitet sein. Konservative Kleidung ist meist von Vorteil, um auf den Vermieter seriös zu wirken. Stellen Sie sich zudem auf Fragen nach ihrer Beschäftigungssituation und nach ihrem Lebensstil ein. Oft wird auch ein Gehaltsnachweis verlangt. Falls Ihnen die Wohnung gefällt, schlagen Sie sofort zu! Spanische Vermieter schätzen es nicht besonders, wenn potentielle Mieter lange zögern. Eine Mietanzahlung vor Ort und Stelle wirkt sich positiv aus und garantiert Ihr Interesse an dem Objekt.
Nun kommt der nächste Schritt: die Unterzeichnung des Mietvertrages. Seit dem 24.11.1995 existiert in Spanien ein neues Gesetz, “Ley de Arrendamientos Urbanos“ (LAU). Generell haben Mieter in Spanien dadurch mehr Rechte als in Deutschland. Dieses Gesetz besagt auch, dass Mietpreise und Mietdauer von den Beteiligten selbständig vereinbart werden können. In den meisten Fällen wird ein Mietvertrag für mindestens ein Jahr abgeschlossen. Wichtig ist, dass aus dem Vertrag hervorgehen muss, ob es sich bei dem Zweck der Wohnung um einen Hauptwohnsitz oder lediglich einen Ferienwohnsitz handelt. Es ist auf jeden Fall ratsam, den Mietvertrag von einem Anwalt prüfen zu lassen, um eventuelle Ungenauigkeiten zu vermeiden. Meist ist es üblich für unmöblierte Mietwohnungen eine Monatsmiete Kaution zu hinterlegen. Für möblierte Objekte werden zwei Monatsmieten veranschlagt. Falls Sie einen Makler hinzuziehen, verlangt dieser zusätzlich eine Monatsmiete als Provision.
Typisch für Spanien ist außerdem, dass Langzeitmietwohnungen möbliert angeboten werden. Sollten Sie sich für ein solches Objekt entscheiden, ist es von Bedeutung, nach einer Inventarliste der Wohnung zu fragen und diese gründlich zu überprüfen. Versprechungen des Vermieters, Geräte nachträglich anzuschaffen oder zu reparieren, werden nämlich oft nicht eingehalten. Lassen Sie sich solche Zusagen zur Sicherheit schriftlich geben.
Nebenkosten sind im Mietpreis meist nicht enthalten. Prüfen Sie daher genau, welche Kosten zusätzlich entstehen (Wasser, Strom, Müllabfuhr), um Ihre monatliche Finanzbelastung einzuschätzen. Achten sie besonders auf die Abrechnung der Heizkosten. Wie bereits erwähnt, sind die Standards in Spanien nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Besonders in alten Häusern, die über eine schlechte Isolierung verfügen, können horrende Heizkosten entstehen. In der Altstadt von großen Städten wird meist mit Kohle geheizt, was sehr günstig ist. Elektroheizungen sind dagegen oft sündhaft teuer.
Da das “LAU“ den Mietern relativ viele Rechte einräumt, versuchen spanische Vermieter, sich gegen eventuelle Betrüger oder Personen, die keine Miete zahlen, zu schützen. Stellen sie sich daher darauf ein, dass der Vermieter eine Bescheinigung Ihrer Bank sehen will, die Ihre Mietschulden bei Zahlungsunfähigkeit übernehmen würde. Solch eine Bürgschaft zu bekommen ist nicht einfach und in vielen Fällen sehr kostspielig. Versuchen Sie, Ihren Vermieter auf andere Weise von Ihrer Zahlungsfähigkeit zu überzeugen, z.B. mit eventuellem Vermögen oder Einkommensnachweisen.
Lassen sich sich auf jeden Fall genügend Zeit bei der Suche nach einer angemessenen Wohnung in der Wahlheimat Spanien. Machen Sie sich in Ruhe mit dem Wohnort vertraut und überstürzen Sie nichts. Auf diese Weise sparen Sie sich eine Menge Zeit und Ärger.
Abschließend einige nützliche Vokabeln in Zusammenhang mit der Wohnungssuche in Spanien:
Abstellkammer – el trastero
Alarmanlage – el sistema de alarma
Altbau – la construcción antigua
Anwalt – el abogado
Anzahlung – un pago a cuenta
Aufzug – el ascensor
Badewanne – la bañera
Badezimmer – el baño
Balkon – el balcón/ la terraza
Bürgschaft – el aval
Dusche – la ducha
Einbauküche – la cocina empotrada
Einbauschrank - el armario empotrado
Elektrogeräte – los electrodomésticos
Fenster – la ventana
Fliese – el baldosín
Garage – el garaje/ la cochera
Gehaltsabrechnung – la nómina
Hausmeister – el portero
Heizung – la calefacción
Innenhof – el patio interior (zum Hof hin – interior; zur Straße hin – exterior)
Kaltmiete - el alquiler sin gastos de calefacción y agua caliente incluidos
Kaution – la fianza
Keller – el sótano
Klimaanlage – el aire acondicionado (Abkürzung “a/a“)
Küche – la cocina
Miete – el alquiler
mieten – alquilar
Mietvertrag – el contrato de alquiler
möbliert – amueblado
Nebenkosten – los gastos adicionales/ los gastos de la comunidad
Parkett – el parquet
Parkplatz – espacio para aparcar/ aparcamiento
Quadratmeter – el metro quadrado
renovierte Wohnung – el piso renovado
Rolladen – la persiana
Schlafzimmer – el dormitorio
Schlüssel – la llave
Spülmaschine – el lavaplatos
Stockwerk – la planta
Straße – la calle (Abkürzung “c/“)
Telefonanschluss - conexión telefónica
Teppich – la alfombra
unmöbliert – sin muebles
gute Verkehrsanbindung – bien comunicado
Vermieter – el dueño
Viertel – el barrio
Warmmiete – el alquiler con gastos de calefacción y agua caliente incluidos
Waschmaschine – la lavadora
Wohnung – el piso
Zentralheizung - la calefacción (Abkürzung “c/c“)
Zimmer – la habitación/ el cuarto
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