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Antoni Gaudí - Architekt des Modernisme

Farbenfrohe Mosaike, verspielte Formen, phantasievolle Fassaden... Gaudís Bauwerke sind zweifellos ganz besondere Highlights im Stadtbild von Barcelona - und sie machten den Katalanen weltberühmt. 

Gaudí gilt als bekanntester Vertreter des spanischen "Modernisme", das spanisches Pendant zum deutschen Jugendstil. Die Stilrichtung des Modernisme erlebte gegen Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Spanien seine Blütezeit und gilt bis heute als Markenzeichen der katalanischen Architektur. Der Name Gaudí ist untrennbar verbunden mit der Stadt Barcelona, die ihm eine Fülle architektonischer Schmuckstücke verdankt.

Antoni Placid Gaudí i Cornet erblickte am 25. Juni 1852 in Reus, möglicherweise aber auch in dem nicht weit entfernten Dörfchen Riudoms, das Licht der Welt. Sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater waren Töpfermeister, weswegen viele Experten glauben, das räumliche Vorstellungsvermögen des berühmten Baumeisters sei schon in seiner frühesten Kindheit ausgebildet worden. 

Der kleine Gaudí ging dem Vater in der Töpferwerkstatt zur Hand und wurde daher schon früh mit geometrischen Figuren und Formen vertraut. Jedoch konnte er seine Kindheit nicht völlig unbeschwert verleben. Schon in jungen Jahren litt Gaudí an einer rheumatischen Erkrankung, die ihn von den anderen Kindern abgrenzte. Er konnte nicht wie sie ausgelassen herumspringen, rennen und spielen. Stattdessen beobachtete der kleine Antoni aufmerksam seine Umgebung, insbesondere die Natur. So lässt sich sein späterer Architekturstil erklären, der von natürlichen, organischen Formen geprägt wurde.

Gaudí glänzte in seiner Schulzeit nicht mit guten Noten, auch nicht auf der Architekturschule in Barcelona, wo er von 1873 bis 1878 studierte. Nichtsdestotrotz wurde alsbald sein Talent als erstklassiger und vor allem höchst kreativer Zeichner erkannt. Dem eigenwilligen Künstler bereitete es schon immer besonderes Vergnügen, unterschiedliche Stile zu mischen und zu kombinieren und so Bauwerke von ganz individuellem Charakter zu schaffen, die sich keiner damals bestehenden architektonischen Stilrichtung zuordnen ließen. Er mixte Ornamente des Jugendstils mit gotisch angehauchten Spitzbögen. Orientalische Fliesenornamente wurden unbekümmert mit skurrilen, phantasievollen Figuren kombiniert.

Während seiner Studienzeit lebte Gaudí in ärmlichen Verhältnissen, obwohl er schon für für mehrere Architekturbüros arbeitete, darunter der renommierte Architekt Francisco de Paula de Villar.

Der Park Güell von Gaudí1878 lernte Gaudí auf der Pariser Weltausstellung den wohlhabenden Textilfabrikanten Eusebi Güell kennen. Eine wichtige Bekanntschaft, verfügte Güell schließlich über die finanziellen Mittel, um bedeutende und heute international bekannte Projekte wie die Güell Pavillons, den phantastischen Park Güell und die Krypta der Colónia Güell zu verwirklichen. 

Eine intensive Freundschaft entwickelte sich, der Industrielle wurde gleichzeitig zum Förderer des jungen und vielversprechenden Architekten. 1886 beginnt Gaudí dann mit dem Bau des Wohnhauses, das nach und nach zu einem Palast wird. Während der Bauarbeiten ließ Gaudí seiner Phantasie freien Lauf und so entwickelte sich der Bauplan ständig weiter. 1889 wurde das Haus fertig gestellt.

Gaudís Werke bestechen durch ihre einzigartige, ausdrucksstarke Formensprache und phantasievolle Gestaltung. Runde, organisch wirkende Formen, geschwungene asymmetrische Linien, unregelmäßige Grundrisse und schräge Stützen wechseln sich ab und harmonieren zu weichen naturnahen Formen mit Motiven der Flora und Fauna. Bevorzugt verwendete Gaudí Gestaltungselemente wie Bruchsteine und Keramikfliesen, die oftmals als farbenfrohe Mosaike Verwendung fanden. Sein eigenwilliger Baustil setzte ganz neue Akzente in der damaligen Architekturszene.

Aber Antoni Gaudí war nicht nur Architekt, sondern auch Statiker und Handwerker. Er setzte seine Baupläne stets phantasievoll und innovativ in die Praxis um. Ständig nahm er Änderungen vor, baute neue Inspirationen und Ideen mit ein. Das harmonische Zusammenspiel der unterschiedlichen Bauteile, Formen und Materialien waren ihm das Wichtigste in seinen Arbeiten. Diese lebendig wirkende Synthese ließ seine einzigartigen architektonischen Gesamtkunstwerke entstehen. Übrigens konnte Gaudí bei seinen Arbeiten, die stets individuelle Schaffensprozesse waren, nie auf Erfahrungen zurückgreifen. Er musste von jedem Türmchen und jeder Säule erst einmal ein Modell aus Gips anfertigen, um so die Statik zu testen.

Casa Battló von GaudíZu den bekanntesten Bauten Antoni Gaudís zählt das Wohnhaus Casa Batlló, welches zwischen 1904 und 1906 am Passeig de Gracia entstand. Das Gebäude trägt die typische Handschrift des eigenwilligen katalanischen Baumeisters. Gaudí baute es für den Aristokraten Josep Batlló. Die geschwungenen, organisch wirkenden Dach- und Wandkonstruktionen lassen die Natur als Vorbild erkennen. Das Haus wurde zudem mit einer Fülle von phantasievollen Details versehen, die es zu einem ganz besonderen Kunstwerk machen. Die Fassade sieht von weitem so aus, als ob sie aus Schädelknochen und Gebeinen gebaut sei. Die Formen und Farben der Casa Batlló hingegen erinnern an die Unterwasserwelt. Für die damalige Zeit war der Bau des Hauses revolutionär. Insbesondere auch das drachenähnliche Dach zeugte von einer eigenwilligen, wagemutigen Konstruktion.

Casa Milà von GaudíDie Casa Milà, Nachfolger der Casa Batlló, wirkt noch verspielter in ihrer Formensprache. An diesem Haus lebte Gaudí seine künstlerische Freiheit aus, die ihm zeitlebens so wichtig war.1906 begann er mit dem Bau, vier Jahre später wurde das Gebäude fertig gestellt. Jedoch erntete der experimentierfreudige Architekt nicht nur Lob und Anerkennung, sondern auch Spott für die damals höchst eigentümliche Fassade. Das Haus bekam schnell einen Spitznamen verpasst - "La Pedrera", was "Steinbruch" bedeutet. Die Casa Milá wird Gaudís letzter weltlicher Bau, ab 1914 widmet er sich ausschließlich dem Gottestempel "Sagrada Família".

Die Sagrada Família in Barcelona ist als sein Lebenswerk zu betrachten und gilt heute, obwohl immer noch unvollendet, als Wahrzeichen Barcelonas. An der Fertigstellung wird allerdings gearbeitet.

Gaudís unverwechselbare Formensprache findet sich hier in höchster Form wieder. Die Sagrada Família wartet immer noch auf ihre Fertigstellung. Lediglich das Ostquerschiff und die vier hundert Meter hohen Türmen, die an Maiskolben erinnern, wurden noch zu Gaudís Lebzeiten fertig gestellt. Die Fassade des Gotteshauses ist voll von sakralen Motiven und Symbolen. Ornamente und Dekorationselemente aus der Natur können überall entdeckt werden. Die Turmspitzen wurden mit farbigen Mosaiken versehen.

Deial der Sagrada Familia von GaudíaGaudí lebte in seinen letzten Jahren nur noch für dieses Bauwerk. 1910 lehnte er alle anderen Aufträge ab, um sich ausschließlich dem Bau der Sagrada Familia zu widmen. Unermüdlich begab er sich tagtäglich auf die Baustelle. Der damals schon betagte Architekt mit dem weißen Rauschebart scheute sich auch nicht, für den Bau seiner Kirche um Almosen zu bitten. Gaudí wohnte auf der Baustelle, er vernachlässigte Kleidung und Körperpflege, verbrachte Tage auf den Gerüsten und ließ sich Essen und Getränke per Flaschenzug zukommen. In seiner Jugend galt er bei vielen als eitler Dandy - doch davon wollte er mit zunehmendem Alter nichts mehr wissen.

Die Bauarbeiten wurden jäh unterbrochen, als Gaudí am 10. Juni 1926 verstarb. Er wurde drei Tage zuvor auf seinem Weg vom allmorgendlichen Besuch im Oratorium des heiligen Philip Neri zur Baustelle der Sagrada Família von einer Straßenbahn erfasst und schwer verletzt. Man brachte ihn in das Armenkrankenhaus Hospital de la Santa Creu, da er aufgrund seines verwahrlosten Äußeren nicht als der große Baumeister Gaudí erkannt wurde. Sein Freund und engster Mitarbeiter Domènech Sugranyes und der Gemeindediener der Sagrada Família machten ihn dort erst drei Tage später ausfindig. Gaudí wurde in ein Privatzimmer verlegt, wo er jedoch noch am selben Tag verstarb. Bis zuletzt lehnte er es ab, besser als die Mittellosen behandelt zu werden. Ganz Barcelona trauerte um den großen Architekten und Künstler, der der Stadt so viele architektonische Meisterwerke geschenkt hatte. Tausende von Menschen erwiesen ihm bei seinem Begräbnis die letzte Ehre. Seine Ruhestätte fand er in der damals noch unvollendeten Kirche La Sagrada Família, der seine ganze Leidenschaft in den letzten Jahren galt.

Wie bereits erwähnt, wartet die Sagrada Família deswegen noch immer auf ihre Fertigstellung. Keine leichte Aufgabe, soll sie doch ganz im Sinne ihres Baumeisters vollendet werden - und Gaudís Arbeiten zeichneten sich schließlich durch seine spontanen Ideen und Improvisationen aus. Darüber hinaus gingen die von ihm hinterlassene Skizzen und Baupläne in den Wirren des Spanischen Bürgerkrieges verloren. Dennoch wird seitdem ständig an der Kirche gearbeitet.


Antoni Gaudí, der charismatische Architekt und Gründer des spanischen Jugendstils wurde zu Lebzeiten nicht nur verehrt, sein Werk galt auch als umstritten. Es gab einige Kritiker, die seinen eigenwilligen Baustil verspotten, wie der Spitzname der Casa Milá bewies. Die einen zählen ihn also zu den größten Architekten des 20. Jahrhunderts, dessen Stil hat unter anderem den österreichischen Maler und Architekten Friedensreich Hundertwasser enorm beeinflusst hat. Andere machen ihre Späße über seinen "Zuckerbäckerstil" und die Dauerbaustelle der Sagrada Familia. Über 100 Bauarbeiter werden dort voraussichtlich noch bis 2020 beschäftigt sein.

Seit einigen Jahren gibt es heiße Diskussionen, ob der berühmte Baumeister von Gott persönlich nicht zu Höherem berufen worden sei. Der Pfarrer der Sagrada Familia wirbt mit dem Segen des Erzbischofs von Barcelona und der Gesellschaft für die Seligsprechung Gaudís für selbige. Seit einigen Jahren liegt die "Akte Gaudí" im Vatikan mit Aufzeichnungen über sein Leben und vermeintliche Wundertaten des Architekten. Angeblich sollen einige Patienten nach einer Anrufung Gaudís von ihren Leiden befreit worden sein. Aber auch die Seligsprechung ist, wie sein Werk, umstritten. Gegner beharren auf den Gerüchten, Gaudí habe in seinen jungen Jahren Drogen konsumiert und sei vermutlich homosexuell gewesen. Trotz allem ist belegt, dass er im letzten Drittel seines Lebens tief religiös gewesen ist. Das kommt vor allem in der Fassade der Sagrada Familia zum Ausdruck, in der auch zahlreiche biblische Ereignisse von ihm künstlerisch umgesetzt und dokumentiert wurden.

Ungeachtet dieser Diskussionen und Kontroversen um Antoni Gaudís Person ist unumstritten, dass er ein Architekt mit einem ganz besonderen Gespür für Formensprache und Ausdruckskraft war. Seine Bauwerke wirken lebendig, verspielt, beeindruckend und revolutionär - anders, als alles was bis dato geschaffen wurde.

Antoni Gaudí hat eine Architektur geschaffen, die uns in Staunen versetzt, in eine andere Welt entführt und Orte mit einer ganz besonderen Atmosphäre schaffe.

Wer sich nun selbst von dem Einfallsreichtum und der Einzigartigkeit seiner Bauten überzeugen möchte, kann sich in Barcelona auf Spurensuche begeben. Außerdem gibt es dort ein Gaudí-Museum, dass zu Ehren des großen Architekten, Baumeisters und Künstlers errichtet wurde.


 


Datum:
10.01.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Susanne Lang
Bildquelle:
www.pixelio.de/ Wikipedia
 

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Suchbegriffe: Barcelona, Gaudí, Architektur, Modernisme, Kunst, Kultur, Jundstil,


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