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Velázquez - Inspiration und Vorbild

Selbstportrait um 1640Diego Rodríguez de Silva y Velázquez, kurz Diego Velázquez, war ein spanischer Maler des Barocks und zählte zu den wichtigsten Portraitmalern seiner Zeit. Er war als Maler am Hof des spanischen Königs Philipp IV. beschäftigt und porträtierte dort zahlreiche Mitglieder der königlichen Familie sowie Angehörige des Hofes.

Velázquez (1599 - 1660) hat zu Lebzeiten zahlreiche kunsthistorisch bedeutsame Werke gemalt. Das wahrscheinlich bekannteste Bild aus seiner Hand dürfte "Las Meninas" sein, also "die Hoffräulein" aus dem Jahre 1656, sowie "Venus mit Spiegel", um 1644. Mit seinem perfekten Pinselstrich genoss er als erster Spanier den Ruf eines großen internationalen Maler.

Velázquez Schaffen galt seit dem frühen 19. Jahrhundert zahlreichen Malern als Vorbild. Nicht nur die Impressionisten, auch die modernen Maler des zwanzigsten Jahrhunderts zollten dem alten Meister Velázqez ihren Respekt. Künstler wie
Pablo Picasso, Francis Bacon und Salvador Dalí interpretierten seine Gemälde neu.

La Meninas um 1656Diego Velázquez wurde  im Juni 1599 als erstes von insgesamt sieben Kindern in Sevilla, Andalusien, geboren. Über das Jahr sind sich Kunsthistoriker jedoch nicht ganz einig, sicher ist lediglich sein Tauftag, der 6. Juni. Sein Vater Juan Rodríguez de Silva war ein Anwalt portugiesischer Abstammung. Seine Mutter Jerónima Velázquez gehörte einer niederen Adelsklasse Sevillas an, dem Hidalgo-Stand. 

Wie es zu dieser Zeit in Spanien üblich war, erhielt Diego als ältester Sohn den Nachnamen seiner Mutter. In die Malergilde dagegen trat er unter dem Namen Diego Velázquez de Silva ein und am Königshof zu Madrid führte er ab und an den Namen Diego des Silva y Velázquez. In der heutigen Kunstgeschichte ist er schlicht unter dem Namen Diego Velázquez bekannt.

Im 17. Jahrhundert war Sevilla die Stadt Spaniens mit den meisten Einwohnern. Eine Vielzahl von Künstlern lebte dort, die Stadt galt als geistiges und kulturelles Zentrum des Landes. Sevillas Maler versorgten nicht nur die Kirchen der Stadt mit Kunstwerken, sondern schufen auch zahlreiche Werke für das Ausland. Beispielsweise für die neu entstehenden Kirchen und Klöster in Mexiko, Argentinien und Peru. Für diese enorme künstlerische Produktivität bildete sich in Sevilla eine Reihe von Malerwerkstätten heraus, darunter die von Francisco Herrera und Francisco Pacheco del Rio, die späteren Lehrmeister von Velázquez.

Velázquez erhielt als Kind, wie es die damalige Erziehung gebot, eine Ausbildung in Fremdsprachen und in Philosophie. Schon früh zeigte sich seine künstlerische Begabung und er ging bereits im zarten Alter von zehn Jahren in die Lehre bei dem Maler Francisco Herrera. Kurz darauf setzte er seine Ausbildung in der Werkstatt von Francisco Pacheco fort. Pacheco wird heute eher als unbedeutender Maler eingestuft, jedoch war er ein hervorragender Kunsttheoretiker, was sich sich enorm auf Velázquez  Schaffen auswirkte. In den fünf Jahren Lehrzeit bei Pacheco lernte er die gelungene Umsetzung von Proportionen und Perspektiven. 1617 wurde der junge Diego nach bestandener Prüfung vor seinem Lehrer Pacheco in die Malergilde San Luca, Sevilla, aufgenommen.

Als Velázquez gerade mal zwanzig Jahre alt war, heiratete er Pachecos Tochter Juana und begann als eigenständiger Künstler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Bald darauf gebar sie ihm zwei Töchter, wovon die jüngere noch als Kleinkind starb.  Zu Beginn seiner Karriere ließ sich der Künstler hauptsächlich von der Natur inspirieren. Er malte nach dem lebenden, naturgetreuen Modell und entwickelte sich so zu einem der größten Naturalisten der damaligen Kunstszene in Spanien. Infolgedessen widmete er sich auch intensiv der Portraitmalerei. 

Der Wasserträger von Sevilla um 1620Seine frühesten Werke, damals war er gerade um die zwanzig Jahre alt, sind denn auch Bildnisse von einzelnen Personen und -gruppen aus dem Volksleben. Diese Gemälde wurden auch "Bodegónes" genannt, was übersetzt so viel wie "Stilleben", aber gleichzeitig auch "Taverne" oder "Garküche" bedeutet. 

Das Bodegón verbindet  demnach die Darstellung einfacher Leute mit Lebensmitteln und Küchengegenständen, die zu einem Stillleben arrangiert wurden. Übrigens ganz im Gegensatz zu den damaligen Stilleben der holländischen Maler, die weitaus üppiger und meist nur mit "toten" Gegenständen ausgestattet wurden. Typische Beispiele der Bodegón-Malerei sind die Bilder  "der Wasserträger von Sevilla", oder  auch "Vieja friendo huevos", die alte Frau beim Eierbraten.

Diese Bilder zeichnen sich durch ihre unbefangene Natürlichkeit der Darstellung aus. Hier hat Velázquez Situationen  auf Leinwand gebannt, die dem alltäglichen Leben der einfachen Leute entnommen sind. Die Bodegónes, die im Vergleich zu Gemälden mit religiösen oder mythologischen Inhalten als niedere Bildgattung zählten, erfuhren durch Velázquez eine besondere Aufwertung. Er malte Speisen und Getränke, einfaches Mobiliar und Menschen mit einer solchen Genauigkeit, dass sie auf den Betrachter wirklich erscheinen. Die Bilder bestechen durch ihre Kontraste und die Lebendigkeit der dargestellten Motive. Velázquez erreichte auf diesem Gebiet einen solchen Rang, dass niemand ihm gleichkam, und gewann auf diese Weise großen Ruhm sowie ein wohlverdientes Ansehen Dank seiner Werke. 

Alte Frau beim Eierbraten 1618Zu den frühesten Bodegon-Bildern gehört das 1618 datierte, bereits erwähnte Gemälde "Alte Frau beim Eierbraten". Hier sind Stilmittel erkennbar, die die Malerei des Velázquez deutlich kennzeichnen. Die geschickte Lichtführung  auf die in der Pfanne bratenden Eier,das noch intakte Ei in der Hand der Alten, das Licht auf ihrem Gesicht und auf dem des Jungen und auf die Küchenutensilien lenkt den Blick des Betrachters auf die wesentlichen Details des Bildes. Die "beleuchteten" Personen und Gegenstände sind penibel gemalt, wodurch das Material der Gegenstände und der Stoffe nahezu greifbar wird. Anderes im Bild bleibt dagegen lediglich grob skizziert und im Dunkeln.

1622 reist Velázquez dann erstmals nach Madrid, um die königlichen Gemälde- sammlungen zu studieren. Ein Jahr später berief Ihn Philipp IV als Maler des Königs, als "pintor de rey" an den spanischen Hof. Von August 1629 bis Januar 1631 unternimmt er seine erste Reise nach Italien. Er machte dabei Station in Genua, Mailand, Venedig, Florenz, Rom und Neapel. Der Kontakt mit der venezianischen Kunst beeinflusste sein weiteres Schaffen.

Der spanische Conde-Duque de Olivares veranlasst bald darauf den Bau eines neuen Königspalastes , des Palacio de Buen Retiro, für dessen Ausstattung auch Velázquez Aufträge erhält. Zu den außergewöhnlichsten Porträts, die Velázquez ín diesem Rahmen für den spanischen Hof schuf, gehören diejenigen der Narren und Zwerge, die innerhalb der höfischen Gesellschaft lebten und zu deren Unterhaltung und Belustigung dienten. Die Porträts waren sowohl für die Torre de la Parada als auch für den Buen Retiro-Palast und den Alcázar gedacht. 

Der Hofzwerg Sebastían de Morrag um 1643Besonders beeindruckend ist beispielsweise das Portrait des Zwergen Don Sebastián de Morra. Der kleinwüchsige Mann sitzt vor einem dunklen Hintergrund , die kurzen Beine gerade nach vorne ausgestreckt, die Hände zu Fäusten geballt und blickt mit trotziger, rebellischer Miene den Betrachter an. Velázquez gelingt trotz der Darstellung seiner offensichtlichen körperlichen und mentalen Versehrtheit keine abwertende Darstellung. Er macht sich nicht, wie die höfische Gesellschaft, über die körperlichen Gebrechen lustig - ganz im Gegenteil, er gibt ihnen auf den Bildern ein Stück ihrer Würde zurück. Insgesamt standen bei Velazquez´Portraits nicht das Repräsentationsbedürfnis der Portraitierten, sondern viel mehr deren Persönlichkeit im Vordergrund. Diego realisierte diese künstlerische Absicht mittels seiner einzigartigen Beobachtungsgabe. Um seine künstlerische Intention zu erreichen, verzichtete der Maler auf prunkvolle und dekorative Elemente.

In den 30er und 40er Jahren des 17. Jahrhunderts malt Velázquez als Hofmaler überwiegend Portraits der königlichen Familienmitglieder, darunter zahlreiche Reiterportraits der bewaffneter und uniformierter Monarchen. Auch eines seiner Hauptwerke, das Gemälde "Venus mit dem Spiegel" entstand wohl in dieser Zeit. Die genaue Datierung ist nicht eindeutig geklärt. 

Venus mit dem Spiegel um 1644 - 1648Zu sehen ist ein auf einem Bett liegende Frau in Rückenansicht. Den Kopf auf die rechte Hand gestützt betrachtet sie ihr Antlitz in einem Spiegel, welches allerdings nur verschwommen sichtbar ist. Das Gemälde gilt zunächst als einer der gelungensten Rückenakte in der Kunst., hinsichtlich seiner Komposition der Darstellung und der Verhältnisse der verwendeten Farben zueinander. Das Altrosa oder fast schon Apricot

des Vorhanges setzt sich effektvoll ab gegen das dunkelgraue Tuch, auf dem Venus liegt. Die insgesamt schlichte Farbgebung betont die Formen und Kurven der Venus sowie den kunstvollen Faltenwurf der Stoffe.

Im Januar 1650 wird Velázquez Mitglied der Academia di San Luca in Rom. In dieser Zeit entstehen Portraits von Papst Innozenz X., verschiedener Kardinäle und Adliger Italiens.

1651 kehrt er nach Madrid zurück. Dort wird er ein Jahr später zum Oberhofmarschall ernannt. In seinen letzten Lebensjahren kam er aufgrund seiner höfischen und gesellschaftlichen Verpflichtungen kaum noch zum Malen.

1659 wird der erfolgreiche Maler in den Santiago-Ritterorden aufgenommen.

Ein Jahr später, 1660 stirbt Velázquez in Madrid im Alter von 61 Jahren. 


Datum:
10.01.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Susanne Lang
Bildquelle:
Wikipedia
 

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Suchbegriffe: Spanien, Maler, Velázquez, Barockmaler, Kunsthistorik, Pacheco,


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