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Zehn kleine Taschenräuber....

Valencia ist ein heißes Pflaster. Das hatte man mir schon prophezeit.  Unzählige Bars und Cafés, Straßenmusikanten, Flohmärkte und jede Menge Diskotheken mit heißblütigen Valencianern.

Daneben natürlich ein beträchtliches kulturelles Angebot an Museen, Galerien, Palästen und Kirchen. Ganz zu schweigen von den architektonischen Meisterwerken, die diese Stadt ausmachen. Beschauliche Plätze und lauschige Parks laden zum Verweilen ein...  Letzteres trifft zwar auch zu, ist aber, wie ich jetzt weiß, mit Vorsicht zu genießen.

Es waren einmal drei Freundinnen, die zusammen verreisten...

Eine Woche Valencia lag vor uns. Wir hatten uns in einem schönen Hostal mitten in der Altstadt einquartiert. So weit, so gut. Erschöpft von der Reise und dem Schleppen unserer nicht gerade leichten Rucksäcke, wollten wir unseren ersten gemeinsamen Abend in der Stadt ganz ruhig angehen lassen. Nachdem wir unser Zimmer besichtigt und das Gepäck abgeladen hatten, machten wir uns gleich auf den Weg zum nächsten Supermarkt. Geplant war ein gemütliches Picknick mit Rotwein, Baguette, Käse und Oliven in dem wunderschönen Jardín del Túria, der in unmittelbarer Nähe unseres Unterkunft lag.

Der Jardín del Túria stellt eines der Wahrzeichen Valencias dar. Die riesige Parkanlage liegt in dem ehemaligen Flussbett des Turia, der in den 50er Jahren nach einigen verheerenden Überschwemmungen aus der Stadt herausverlegt wurde. Nun windet sich der Jardín wie ein grünes Band durch die gesamte Stadt.

Im ParkNachdem wir also ein gemütliches Plätzchen inmitten zahlreicher Bäume und Sträucher gefunden hatten, frönten wir den mitgebrachten spanischen Köstlichkeiten. Um uns herum spielten Kinder, flanierten verliebte Pärchen und einige Jogger drehten ihre abendlichen Runden. Leicht berauscht vom Rotwein fingen wir an, Pläne für die nächsten Tage in Valencia zu schmieden - was wir unbedingt sehen mußten und wo wir überall hin wollten, wenn noch Zeit blieb. Wir waren schon voller Vorfreude auf die bevorstehende Woche.

Schließlich wurde unser Gespräch von einem spanischen Teenager mit einem auffallend grellen gelben T-Shirt unterbrochen, der nach einer Zigarette fragte. Die bekam er auch von uns und er erkundigte sich daraufhin noch freundlich, woher wir denn kommen würden, worauf wir ihm auch bereitwillig Auskunft gaben. "Ah, Alemania, muy bien!" war seine Antwort, woraufhin er mit einem breiten Grinsen zwischen den Büschen verschwand. Wir dachten nicht weiter über seine Bemerkung nach, sondern plapperten und kicherten weiter und nahmen eine weitere Flasche Rotwein in Angriff.

Ungefähr eine halbe Stunde später fiel uns auf, dass das die beiden Sportskanonen, welche immer wieder in regelmäßigen Abständen vorbei joggten, wohl ihr Training für heute beendet hatten. Etwas weiter entfernt lag nach wie vor ein Liebespärchen auf der Wiese und ein paar kleine Jungs spielten Fußball. Alles in Allem sehr idyllisch. Doch der Schein trügte. "Mädels, ich glaube, wir kriegen gleich Ärger", meinte nämlich kurz darauf eine meiner Freundinnen. Ich folgte ihrem Blick und sah an die zehn Teenager auf uns zustürmten. Der Zigarrettenschnorrer mit dem gelben T-Shirt vorne weg. "Also, wenn die jetzt alle ´ne Zigarette wollen...", witzelte ich noch. Doch Weit gefehlt. Kaum war die Bande an unserem Picknickplatz angekommen, griffen die Jungs schon nach unseren Taschen, die neben uns auf dem Boden lagen. Geistesgegenwärtig hielten wir diese fest umklammert und zerrten mit aller Kraft daran, auf der anderen Seite zerrten jeweils ein bis zwei potentielle Taschendiebe. Das Ganze artete in eine kleine Rangelei aus, bis zwei von uns bekamen kurzerhand einen Schlag auf den Kopf erhielten. Einer der "Knirpse" hielt drohend eine von uns ausgetrunkene Flasche in der Hand - welche Ironie des Schicksals - woraufhin wir widerstandslos aufgaben.

Und so schnell wie sie gekommen waren, waren sie auch wieder weg. Nicht nur die Jungs, sondern auch unsere Taschen inklusive sämtlicher Habseligkeiten! Völlig überrumpelt und perplex saßen wir da und wussten erst mal nicht so recht, wie wir reagieren sollten.

Alles weg!Kurze Zwischenbilanz: Zweien von uns brummte der Schädel, eine hatte einen gestauchten Finger plus Schürfwunde. Allen von uns fehlte die Tasche. 

Ich war Gott sei Dank "nur" von etwas Bargeld, meines ohnehin schon altersschwachen Handys und einer Visakarte entledigt worden. Eine meiner Freundinnen hatte da schon größere Verluste zu beklagen - Handy, Flugticket, Digitalkamera, Kreditkarte und eine größere Menge Geld mitsamt Portemonnaie. Die Dritte im Bunde besaß nun ebenfalls keine Digitalkamera mehr. Ansonsten gab es bei ihr auch nicht viel zu holen -  wie auch, schließlich wurde ihr vor ein paar Wochen in Alicante schon einmal die Handtasche geklaut! Deswegen verfügte sie ohnehin schon nicht mehr über Personalausweis, Portemonnaie, Kreditkarte und geschweige denn ein Handy. Das geschah übrigens auf der vielbesuchten, wunderschönen Esplanada direkt an Alicantes Stadtrand. Wir saßen Eis essend auf einer Bank und bemerkten den Diebstahl nicht einmal. So viel dazu.

Als wir völlig erschöpft, gleichzeitig wütend und immer noch etwas verwirrt im Hostal ankamen, rief die Rezeption umgehend die Polizei. Unterdessen führten wir Telefongespräche nach Hause, um unsere Geld- und Handykarten sperren zu lassen. Als die Polizeibeamten eintrafen, forderten sie uns auf, den Diebstahl zu melden, ob das etwas bringen würde, schien uns jedoch fragwürdig. Glücklicherweise befanden sich unsere Personalausweise seit dem Einchecken an der Rezeption!

Es folgte ein interessanter Aufenthalt auf einem Polizeirevier in Valencia, für zwei von uns schon der zweite, siehe Alicante. Auch in Spanien geht es meistens äußerst bürokratisch zu, alles muss seine Ordnung haben, wenn auch nur in schleppendem Tempo... Die Polizisten waren weder freundlich noch unfreundlich und gingen ziemlich routiniert, um nicht zu sagen gelangweilt mit unserer lebhaften Tatbeschreibung und deutlich sichtbaren Empörung um. Schließlich passiere so etwas hier jeden Tag mehrmals, wie sie uns ganz nüchtern erklärten.

Trotz dieses wenig gelungenen ersten Abends in Valencia, ließen wir uns den Aufenthalt nicht vermiesen. Wir verlebten noch eine wunderschöne Woche dort, erlebten jede Menge Kultur und mediterranes Flair, genossen Strand, Sonne, spanische Leckereien und Lebensart. Natürlich hielten wir unsere neu gekauften Taschen immer ganz besonders fest, obwohl wir sowieso nichts mehr Wertvolles besaßen, das man uns hätte klauen können....

 

 


Datum:
08.02.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Susanne Lang
 

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Suchbegriffe: Valencia, Taschendiebstahl.Guardia Civil, Jugendgang, Raub, Diebstahl,


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