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Die Qual der Wahl: Schulen in Spanien

Familien mit schulpflichtigen Kindern stehen in Spanien vor der Wahl, ob sie ihre Kleinen auf die öffentliche Schule, oder auf eine Privatschule schicken. Eine weitere Alternative bieten vom Staat subventionierte Schulen.

In Spanien beginnt der Ernst des Lebens bereits mit drei Jahren. Das ist für die Kinder aber kein Problem, da die meisten bereits von Babyalter an in Krippen und Kindergärten untergebracht werden. 

Die meisten Mütter sind in Spanien berufstätig. So werden die Kleinen schon früh in spielerischer Form an das Lernen herangeführt und knüpfen erste soziale Kontakte.

Vorschule ab drei Jahren, Abitur mit 17

Mit drei Jahren werden die Kinder eingeschult und durchlaufen eine Art Vorschule, die bis zum fünften Lebensjahr besucht wird. Normalerweise ist sie in einem gesonderten Teil des Schulgebäudes untergebracht, damit sich Grundschüler und Vorschüler nicht den Pausenhof teilen müssen. 

Die Unterrichtszeiten an einer öffentlichen Schule umfassen den Zeitraum zwischen neun und 17 Uhr. Viele Kinder erhalten die Möglichkeit, bereits um acht Uhr die Schule zu besuchen, sofern von Seiten der Eltern aus Bedarf besteht. 

Es werden zahlreiche Pausen gemacht, und in der Mittagszeit können die Kinder wahlweise nach Hause gehen, oder ihr Mittagessen in der Schule einnehmen, was üblich ist. Hierfür erhebt die Schule einen monatlichen Beitrag in Höhe von 70 bis 90 Euro. 

Die Grundschule umfasst, anders als in Deutschland, die ersten sechs Jahre und beginnt mit dem fünften bzw. sechsten Lebensjahr. Im Anschluss wechseln die Teenager auf das so genannte "Instituto“, die weiterführende Schule, die sich mit den deutschen Gemeinschaftsschulen vergleichen lässt. 

Nach dem 16. Lebensjahr können die Schüler dann zwischen dem "bachullerato", dem spanischen Abitur, und einer unterrichtsbegleitenden Berufsausbildung wählen. Das Abitur endet mit der so genannten "Selectividad“, deren Notendurchschnitt darüber entscheidet, für welches Themengebiet man sich an der Universität qualifiziert. Das System ist mit dem deutschen Numerus Clausus vergleichbar.

Luxusvariante Privatschule - ist sie besser, als die öffentliche Schule?

Wer es sich leisten kann, schickt seinen Nachwuchs auf eine Privatschule. Im Gegensatz zu einer öffentlichen Schule umfassen die meisten der privaten Einrichtung die gesamte Schullaufbahn, mindestens aber bis zum 16. Lebensjahr. 

Oftmals werden Privatschulen speziell von Zugezogenen aus Deutschland oder England, bevorzugt, da ihnen der Ruf vorauseilt, sie bieten eine bessere Ausbildung und eine optimale Vorbereitung auf das spätere Studium. Das kann man vor allem an der Mittelmeerküste in deutschen und englischen Hochburgen an der Costa Blanca und der Costa del Sol beobachten. 

Ob die Privatschulen tatsächlich "besser" sind, bleibt dahingestellt. Sicherlich gibt es Unterschiede zwischen diversen öffentlichen Schulen in den Zentren der Großstädte und kleineren Ortschaften, da auch hier häufig ein erhöhter Anteil der Immigranten allein schon durch die Sprachschwierigkeiten für ein niedrigeres Klassenniveau sorgen könnte. 

Generell ist die staatliche Erziehung jedoch absolut gleichwertig mit dem Unterricht an Privatschulen zu bewerten, denn alle müssen sich gleichermaßen an den offiziellen Lehrplan halten.

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Religion als Pflichtfach und happige Schulpreise


Privatschulen bieten oft zusätzliche Fächer wie eine größere Auswahl an Fremdsprachen, Musik, etc. an, oder werben direkt mit einer zweisprachigen Erziehung. 

Hinzu kommen Luxusgüter wie schulinterne Schwimmbäder und luxuriöse Sportanlagen. Ein großer Teil der Privatschulen steht zudem unter der Leitung meist katholischer Orden und wird streng nach christlichen Regeln geführt. Das Wahlfach katholische Religion wird hier zum Pflichtfach. 

Auch der Preis der Privaten kann sich sehen lassen. Pro Monat zahlen die Eltern zwischen 300 und 900 Euro pro Sprössling inklusive Mittagessen. Die Schulen in Großstädten wie Madrid und Barcelona sind weitaus teurer, als in kleineren Provinzen.

Variante Nr. 3: Die staatlich geförderte Privatschule

Eine Alternative zu den hohen Preisen und Standards der Privatschulen bieten die so genannten "colegios concertados“, staatlich geförderte Schulen

Es handelt sich um Privatschulen mit einem entsprechenden Angebot an zusätzlichen Fächern und Anlagen, die jedoch vom Staat subventioniert werden. 

Auf diese Weise zahlt man zwar auch etwas mehr als auf einer staatlichen Schule, bleibt aber meist knapp unter 200 Euro Schulgeld monatlich. Die Plätze für die subventionierten Schulen sind natürlich heiß begehrt und häufig mit langen Wartelisten verbunden.

Ein langer Schultag - Für die Kinder bedeutet das: gemeinsam lernen und spielen.

Der spanische Schultag ist lang, im Schnitt zwischen neun und 17 Uhr. Tatsächlich bieten diese Zeiten enorme Vorteile. Berufstätige Mütter können nach einer viermonatigen Babypause sofort wieder in ihren Beruf einsteigen, ohne den Anschluss zu verlieren. 

Die Kinder werden schon früh daran gewöhnt, sich mit Gleichaltrigen auseinanderzusetzen und können relativ schnell ein angemessenes Sozialverhalten erlernen. 

Dadurch, dass alle zwei Stunden halbstündige Pausen eingelegt werden, bzw. vor und nach dem Mittagessen auf dem Schulhof getollt wird, haben die Kleinen genug Zeit zum Spielen. 

Die meisten Kinder wollen mittags gar nicht nach Hause, sondern im Kreise ihrer Freunde zu Mittag essen und danach wieder spielen. Die Kinder sind nicht auf der Straße, sich selbst überlassen, sondern verbringen einen Großteil des Tages gemeinsam mit ihren Freunden. 

Nach der Schule werden oft  außerschulische Aktivitäten wie Fußball, Handball, Karate, Judo oder Ballett angeboten, die viele Schulkinder in Anspruch nehmen. Und irgendwann sollte auch noch Zeit für die Hausarbeiten bleiben...

Drei Monate Sommerferien

Der Tagesablauf in Spanien ist in keinster Weise mit Deutschland zu vergleichen. Die meisten spanischen Familien essen gegen 21 Uhr zu Abend und schicken ihre Kinder spätestens um 23 Uhr ins Bett. 

Vor allem in der warmen Jahreszeit ist diese Sitte absolut nachvollziehbar, wenn es draußen noch viel zu heiß ist und die Sonne spät untergeht. Hitzefrei kennt man in Spanien nicht, aber man hat eine andere Lösung gefunden: 

Die Sommerferien dauern hier annähernd drei Monate. Für die berufstätigen Eltern könnte das natürlich ein Problem sein, aber auch da hat der spanische Staat vorgesorgt: Den gesamten Sommer über werden Sommerschulen angeboten, die zwischen neun und 15 Uhr die Kinder betreuen. Gemeinsam wird gebastelt, man treibt Sport, geht täglich ins Freibad und macht Ausflüge in die Umgebung. So lassen sich auch die Sommerferien abwechslungsreich gestalten.

 


Datum:
03.07.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Susanne Thiel
Bildquelle:
 

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