Elche – die Stadt der weißen Palmwedel
Im Süden der Costa Blanca, abseits von der Küste im Hinterland, liegt die palmenumgrenzte Stadt Elche. In aller Welt bekannt geworden ist der Ort durch seinen Palmenhain mit einer einzigartigen Ansammlung an Dattelpalmen, der wegen seiner herausragenden Schönheit im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe deklariert wurde.
Funde von fossilen Dattelkernen erhärten die Theorie, dass der Dattelpalmenhain in Elche schon in früher Vorgeschichte existierte. Fest steht jedoch, dass erst die Araber mit ihrem ausgeklügelten Bewässerungssystem die Parklandschaft so richtig zum Gedeihen brachten.
Stadt und Palmenhain leben bis zum heutigen Tage in einträchtiger Harmonie. Viele Gebäude und städtische Einrichtungen erheben sich inmitten eines authentischen Palmenmeers, in perfekter Eintracht zwischen Bauten und Natur bilden sie eine einzigartige Ästhetik. Die insgesamt rund 200.000 Palmen, die im gesamten Stadtbereich von Elche verbreitet sind, bilden den wertvollsten kulturellen Schatz des Ortes.
Vermarktet werden in Elche jedoch nicht nur die schmackhaften Datteln, sondern die weißen Palmwedel, "palma blanca“ genannt, die am Palmsonntag von Katholiken in aller Welt bei den Prozessionen getragen werden. Palmsonntag ist der letzte Sonntag vor der Karwoche und Ostern. An diesem Tag gedenken die Gläubigen an den triumphalen Einzug von Jesus Christus in Jerusalem. Laut Beschreibung der Evangelisten ritt Jesus auf einer Eselin in die Stadt, bejubelt von der Bevölkerung, die ihn mit Palmwedel begrüßten. In vielen Städten, nicht nur in Spanien, ziehen deshalb die Katholiken mit den "palma blanca“ durch die Straßen und auch die Fenster der Häuser werden mit den weißen Palmwedel geschmückt.
Die erste dokumentierte Erwähnung des Palmsonntag in Elche stammt aus dem Jahre 1371, als der Stadtrat während der Festtage Almosen an Bedürftige verteilte. Am 14. Juli 1988 wurde der Palmsonntag in Elche zur “Fiesta von Nationalem Interesse“ deklariert und am 22. Juli 1997 zum "Fest vom Internationalen Touristischen Interesse. "Im Jahre 1429 wurde in den Stadtbüchern erstmals die Produktion der "palma blanca“ notiert. Bereits damals begann der Export in alle Welt, der sich über die Jahrhunderte hinweg bis zum heutigen Tage erhalten hat. Die Erstellung der "palma blanca“, der weißen Palmwedel, vererbt sich von Generation zu Generation, vom Vater auf den Sohn. Beginnend seit der Einführung des Christentums in Elche werden hier als einzige Stadt auf der Welt die einzigartigen Palmwedel für die Prozessionen am Palmsonntag geschaffen. Selbst der Papst bezieht seine Palmwedel aus Elche.
Zur Herstellung der begehrten weißen Palmwedel sind langwierige Schritte erforderlich. Zwischen dem 8. Dezember und Anfang Juni werden die freistehenden Dattelpalmen, früher mit Hanfseilen, heute mit Plastikgarnen, derart zu einem Kegel zusammengebunden, dass keine Sonnenlicht ins Innere der Palme dringen kann. Auf diese Weise erreicht man, dass die neu heranwachsenden Wedel eine weiß-gelbliche Farbe erhalten. Nach dem Palmsonntag bis Ende August werden die Palmblätter mit einer Spezialplastik kegelförmig zusammengebunden, wobei der obere Teil geöffnet bleibt. Eine äußerst wichtige Arbeit, die verhindert, dass die nachwachsenden Palmblätter nicht nachgrünen können. Kurz vorm nächsten Palmsonntag werden die weiß-gelblichen Palmblätter so vorsichtig abgeerntet, dass die Pflanze selbst vollständig erhalten bleibt und keinen Schaden nimmt. Anschließend werden die Palmwedel gründlich abgebürstet und im Wasserbecken gesäubert. Danach werden sie in Spezialkammern aufbewahrt. Erst jetzt können sie zu den kunstvoll filigranen Gebilden geschaffen werden, welche die Gläubigen an dem Festtag mit sich tragen.
In jedem Jahr organisiert die Versammlung der Zünfte und Brüderschaften der Semana Santa einen Wettbewerb für die schönsten Schöpfungen. Aus den weißen Palmblättern werden zauberhafte filigrane Figuren und Monumente geschaffen. Der Verkauf der "palma blanca“ beginnt am Freitag vor Palmsonntag nicht nur in Elche, sondern auch auf den Märkten in anderen Ortschaften. Dabei werden wir das weibliche und männliche Geschlecht unterschiedliche Arten angeboten, gewellte sind für Frauen und die glatten für die Männer. An der Erhaltung des jahrhunderdealten Handwerks zum Erstellen der "palma blanca“ ist man in Elche sehr interessiert. Im Stadtpark wurde in einer original erhaltenen Mühle aus dem Mittelalter, der Molí del Real, eine Kunsthandwerkstatt zur Erstellung der "palma blanca“ eingerichtet. Damit soll die uralte Tradition der Palmwedelgestaltung zum Palmsonntag in Elche bewahrt bleiben.
Datum:
03.03.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Brigitte Möhle
Bildquelle:
www.pixelio.deAyuntamiento de Elche
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