Die Fallas von Valencia - Blick in die Geschichte
Mit den Festlichkeiten der Fallas, die jedes Jahr im März stattfinden, begrüßt Valencia den Frühling. Während dieser Tage steht die ganze Stadt Kopf.
Mit Umzügen, Blumengaben, Feuerwerk, viel Lärm, Musik und Tanz wird von Anfang bis Mitte März ausgelassen gefeiert. Die Hauptrolle bei diesem Fest spielen die Fallas, wunderbare Pappmachéefiguren, die in künstlerischer Arbeit monatelang angefertigt und in der ganzen Stadt aufgestellt werden.
In dieser Zeit liegt über Valencia ein Zauber, dem man sich nicht entziehen kann. Das Fest endet mit der Verbrennung der herrlichen Fallas-Figuren. In diesem Jahr mussten die Fallas allerdings eine Woche vorgezogen werden, da sie sich sonst mit der Karwoche überschnitten hätten.
Um die Ursprünge dieser Veranstaltung zu ergründen, muss man in der Geschichte über 500 Jahre zurückblättern. Es ist überliefert, dass der Heilige Josef (San José) seit Ende des 15. Jahrhunderts der Schutzpatron der Tischler und Zimmerleute ist, zu dessen Ehren bereits vor mehreren hundert Jahren Feuer entzündet worden sind.
Zu den Ursprüngen der Fallas gibt es verschiedene Theorien. Die eine besagt, dass die Tischler und Zimmerleute früher an den kurzen Wintertagen an der Türschwelle ihrer Werkstätten gearbeitet und bei Einbruch der Dunkelheit Öllampen entzündet haben, die sie an mehreren Holzstäben befestigten. Diese Holzgestelle, parot genannt, steckten sie am Vorabend des Sankt-Josef-Tags in Flammen. Somit ließen sie den Frühling Einzug halten und freuten sich über die länger werdenden Tage. Im Laufe der Zeit wurden die Holzgestelle mit alten Kleidungsstücken, wie zum Beispiel einem abgenutzten Hut oder einem ausgedienten Mantel, behängt und erhielten dadurch eine menschliche Gestalt.
Eine andere Theorie besagt, dass die Tischler und Zimmerleute zu Beginn des Frühlings ihre Werkstätten aufräumten und alle Holzabfälle zusammenfegten. Später bildeten sie aus alten Holzresten, Sägespänen und Möbelstücken Figuren, die sie in Scheiterhaufen am 18. März zu Ehren ihres Schutzpatrons anzündeten.Nach dem alten Volksbrauch der Tischler und Zimmerleute aus dem Handwerkerviertel Del Carmen in Valencia wurden die Figuren nicht nur vor den Werkstätten errichtet, sondern an Hauswände gehängt und auf Brettern in den Straßen aufgestellt. Am Vortag des Joseftages warf man sie in aufgeschichtete Scheiterhaufen und verbrannte sie.
Die Figuren, die im Laufe der Zeit durch verschiedene alte Gegenstände menschliche Gestalt angenommen hatten, prangerten öffentliche Ärgernisse an und stellten sozialkritische Szenen dar. Am Tag nach der Verbrennung hielten die Zimmerleute zu Ehren ihres Schutzheiligen eine Messe und feierten den ganzen Tag ausgelassen auf den Straßen.
Als der Bürgermeister von Valencia in einem Schreiben dazu aufgefordert wurde, die Aufstellung und Verbrennung der theatralischen Figuren auf den Straßen zu verbieten, wurden die Festlichkeiten der Fallas zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Der Bürgermeister veranlasste daraufhin, die Fallas nicht mehr in den engen Gassen, sondern inmitten von Plätzen oder an Kreuzungen aufzustellen und dort zu verbrennen. Auf Grund dieser Maßnahme mussten die nun freistehenden Figuren so konstruiert werden, dass sie rundherum von jeder Perspektive aus betrachtet werden konnten. Die Gestalten wurden zur besseren Darbietung auf ein Podest gestellt.
Früher umfasste das Wort "Falla“, das ursprünglich aus dem Lateinischen kommt und "Fackel“ bedeutet, sowohl das Podest, den Scheiterhaufen, auf dem die Figuren angezündet wurden und die Figuren selbst. Mit der Zeit setzte sich der Begriff jedoch nur für die Figurengruppen durch, die in ihrer heutigen Darstellungsweise geradezu monumental wirken. Die Einzelfiguren werden "Ninot“ genannt.
Die Fallas, die jedes Jahr mit übermäßiger Freude von den Menschenmengen bestaunt wurden, bestanden aus einem einfachen Holzgerüst, das mit Kleidung und Farbe in Szene gesetzt worden ist. Verschiedene Sprüche, die die Bedeutung der Falla-Figur untermalen sollten, wurden in Versreimen an dem Holzgestell angebracht. Später wurde zum Verständnis der Szenen ein Buch in Versform veröffentlicht. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Fallas überwiegend sozialkritischen und erotischen Themen gewidmet. Vor allem wurden soziale Ungleichgewichte und lächerliche Verhaltensweisen künstlerisch umgesetzt. Nicht selten stießen die Falleros –die Schöpfer der teilweise anrüchigen Figuren- mit ihren zweideutigen Versreimen bei den Behörden und religiösen Obrigkeiten auf Unverständnis. Im Laufe des 19. Jahrhunderts versuchten diese die Feierlichkeiten der Fallas abzuschaffen. Aus diesem Grund wurden auf die Aufstellung der Figuren und öffentliche Musikdarbietungen Steuern erhoben. Im Jahr darauf sind dennoch vier Falla-Figuren in der Stadt aufgestellt worden. Um die weitere Fortführung des Festes zu verhindern, wurde die Abgabe auf das Doppelte erhöht, woraufhin im selben Jahr nur noch eine Falla entzündet wurde.
Als allgemeine Reaktion auf diese Maßnahme, die das komplette Fest nie wirklich unterbinden konnte, wurde eine Bewegung zur Verteidigung traditioneller Bräuche ins Leben gerufen. Im Rahmen eines Wettbewerbs wurde im Jahre 1887 zum ersten Mal die beste Falla von einer privaten Zeitschrift mit einem Preis ausgezeichnet. Hierauf entwickelte sich ein Wettkampf um die nach wie vor beim Volk beliebten Fallas. Die einzelnen Erbauer übertrafen sich von Jahr zu Jahr mit ihren Konstruktionen und verliehen den Gebilden gemäßigtere Züge.
Nachdem die Stadtverwaltung von Valencia Anfang des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal die Auszeichnung der immer noch sozialkritischen Darstellungen übernommen hatte, wurden in der ganzen Stadt Vereine und Verbände gegründet, die die Entwicklung der Fallas zunehmend förderten. Die Fallas nahmen ungeheuere Ausmaße an, sie wuchsen in die Höhe, wurden immer detailgetreuer und standen in harter Konkurrenz zueinander. Jeder Verein wollte den ersten Preis für sich gewinnen.
Das gesamte Fest wuchs unter der Beliebtheit bei den Bürgern Valencias derartig an, dass eine Organisation nötig wurde. Somit wurden das Comité Central Fallero und die Asociación General Fallera Valenciana gegründet. Im Laufe der Jahre kamen unzählige Wettbewerbe hinzu, und das Festprogramm wurde immer länger. Das Fest der Fallas wird ausschließlich im valenzianischen Raum gefeiert. Die Feierlichkeiten in Valencia stellen jedoch alle anderen in den Schatten. Die Größe der Figuren, die Anzahl der Umzüge, die Lautstärke der Böllerkonzerte und die Mengen von Blumen können so leicht nicht übertroffen werden. In größeren Städten wird das Fest jedoch in ähnlicher Weise gefeiert. Falla-Figuren werden aufgestellt, prämiert und verbrannt. Im Festkalender stehen ebenfalls Umzüge, Feuerwerke und Konzerte.
In den kleineren Ortschaften finden teilweise nur Messen zu Ehren des Heiligen Josef oder Prozessionen mit Blumengaben statt.
Dennoch gibt es regionale Unterschiede. In der Region Gandía werden im Rahmen des Festes alle Babys, die am 12. März gegen Mitternacht geboren wurden, getauft. Die Taufe, bei der die Fallera-Königin und der Bürgermeister als Paten stehen, findet am 16. März des jeweiligen Jahres statt.
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