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Wieso, weshalb, warum - Fragen zu den Fallas

In der Comunidad Valencia wird jedes Jahr das Fest der Fallas zu Ehren des Heiligen San Joseph gefeiert.

Mitte März werden in den Straßen von etwa neunzig Städten riesige Figuren aus Pappmaché aufgestellt, die am letzten Tag den Flammen zum Opfer fallen. Mit diesem Akt soll der Winter ausgetrieben und symbolisch die neue Jahreszeit eingeläutet werden. Die größte und originellste Falla wird in Valencia selbst gefeiert, die jährlich tausende Besucher in die Stadt lockt. 

Doch wie wird das ganze Spektakel eigentlich vorbereitet und durchgeführt? Hier soll ein Blick hinter die Kulissen gezeigt werden, um den ganzen Umfang des Festes zu erhellen. Seit dem 18. Jahrhundert hat sich der Brauch der Zimmerleute aus dem Viertel Del Carmen auf die gesamte Stadt ausgebreitet. Mehr und mehr Vereinigungen hatten sich in den jeweiligen Stadtvierteln gebildet, um eine eigene Falla zu kreieren und zum Wettstreit mit den anderen Vereinen anzutreten. Heute gibt es ungefähr 370 solcher Fallas-Vereine, so genannter peñas falleras, die jedes Jahr eine Falla erstellen und nichts unversucht lassen, damit ihr Bezirk der schönste wird.

Die Wahl der Königinnen

In jedem Verein gibt es eine so genannte Fallas-Kommission, die Ende Januar bzw. Anfang Februar ihre eigene Fallas-Königin wählt. Neben der Fallera Mayor wird immer eine Kinderkönigin, die Fallera Infantil, gewählt. Beide repräsentieren vor allem durch ihre Kleider ihren Bezirk während der Fallas-Zeit. Im Anschluss wird jeweils eine dieser Königinnen zur Hauptfallera von Valencia gewählt. In einer großen Prozession treten die Bewerberinnen an und werden nach Eleganz, Bildung, äußerer Erscheinung und Schönheit der Kleidung ausgewählt. Diese Königin wird die Stadt Valencia ein Jahr lang zu offiziellen Anlässen repräsentieren. Die erste "Amtshandlung“ der frisch gekürten Damen ist die so genannte Crída von den Torres de Serranos am 26. Februar. Damit wird die Fallas-Zeit offiziell eröffnet, und ein großes Feuerspektakel deutet auf die kommenden Ereignisse.

Die Kleidung der Fallas-Teilnehmer

Es hatte einen wesentlichen Grund, warum die Fallas-Königinnen früher meist aus wohlhabenden Familien kamen – das Kleid, das sie tragen kostet ein halbes Vermögen und repräsentiert gleichzeitig das Stadtviertel, aus der die Fallera stammt. Aus ungefähr zehn Metern Stoff wird ein Kleid gefertigt, das meist nicht unter 3.000 Euro herzustellen ist. Hauptsächlich besteht die Robe aus Seide und Damast, die mit kostbaren Steinen, Perlen und Goldfäden besetzt ist. Unter dem weiten, kostbaren Rock tragen die Falleras langbeinige, kunstvoll geraffte Leinenunterwäsche aus Großmutters Zeiten. Weiterhin gehören zu dem Kostüm ein enges Korsett, mehrere Unterröcke und Hemden. Das Überkleid mit Rock, Schürze und Schärpe vervollständigt die Tracht. Die Schuhe sind ebenfalls aus Kleiderstoff hergestellt. 

Wenn eine Fallera auf ihren Auftritt vorbereitet wird, nimmt das mehrere Stunden in Anspruch. Das Haar wird geflochten und in einem kunstvollen Zopf am Hinterkopf befestigt. Über den Ohren tragen die Königinnen zusammengerollte Zopfschnecken. Ein Fächer, der abanico, und wertvoller Schmuck wie Ohrringe, Spangen und ein Collier runden das Erscheinungsbild ab. Einen großen Teil der Zeit nimmt außerdem das Schminken in Anspruch. Mit einem aufwendigen Makeup wird die Schönheit der Fallera Mayor betont. Jetzt heißt es immer lächeln und die Tage ohne viel Schlaf, aber stets mit dem gleichen, umwerfenden Aussehen zu überstehen. Die Männer tragen ebenfalls Trachten, die aber bei weitem nicht so aufwendig wie die der Frauen ausfallen. 

Die Finanzierung

Wie bereits angesprochen, sind die finanziellen Mittel allein für das Kleid nicht unerheblich. Bis zu 5.000 Euro kann eine vollständig eingekleidete Fallera Mayor für ihre Tracht bezahlen, wobei nach oben kaum Grenzen gesetzt sind. Aber auch die riesigen Figuren, die jedes Jahr noch schöner und ausgefallener werden, müssen finanziert werden. Dafür gibt es die Fallas–Vereine. Alle Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag, der zur Finanzierung der Fallagruppe genutzt wird. Doch das ist nur ein Bruchteil des Ganzen. Insgesamt gehen jährlich rund 30 Millionen Euro in Flammen auf. Ein Großteil wird über Lotterien, Glücksräder, Theater- oder Ausflugsveranstaltungen eingenommen. 

Die Blumengabe:  Ofrenda de Flores

Der religiöse Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Blumengabe an die Heilige Virgen de los Desamparados (Muttergottes der Schutzlosen), der Schutzheiligen von Valencia. Am 17. und 18. März ziehen die Vereine in ihren typischen Trachten mit viel Musik durch die Straßen auf die Plaza de la Virgen, um an einer 14 Meter hohen Holzstatue der heiligen Jungfrau ihre Blumen abzulegen. Die Statue ist von einem Gerüst umgeben, an das tausende Nelken festgebunden werden und die Heilige mit einem bunten, duftenden Blumenmantel umgeben. Das farbenprächtige Blumenmeer wiegt ungefähr 40 Tonnen, und jede Farbe hat eine symbolische Bedeutung. Die Nelke ist neben Gladiolen und weiteren edlen Blüten die wichtigste und häufigste Blume, die bei der Blumengabe zur Heiligenstatue getragen wird. Die Prozession verläuft immer nach dem gleichen Schema: voran die Kinder, gefolgt von den Erwachsenen. Den Abschluss bildet stets die Fallera Mayor. Im Jahre 2006 haben an beiden Tagen insgesamt 97.335 Menschen an dem emotionalen Ereignis teilgenommen und 49.442 Nelkensträuße zur Statue getragen.

Die Symbolik: Die Nelke ist die Blume der Freundschaft, der ehelichen Liebe, der Sicherheit und des Pragmatismus. Gleichzeitig symbolisiert sie aber auch die Gleichgültigkeit.

Die Farben: 

Gelb:
Jugend, Pracht/Glanz, Licht, aber auch Angriffslust und Abweisung

Rot: Bewunderung, Ehe, leidenschaftliche Liebe; es ist das Symbol der Gottesmutter.

Anilinrot/Magenta: Macht/Können/Fähigkeit, Pracht/Luxus, königliche Würde/Prunk

Rosa: Repräsentiert die Tränen der Jungfrau Maria und die Mutterschaft

Weiß: Symbol der reinen Liebe und Güte 

Die Nelken werden am 6. und 7.März aus Holland, Kolumbien, Murcia, Barcelona, Alicante und Valencia eingeführt. Nachdem die Blumen gekürzt wurden, werden sie in Kartons bis zum 10. März an die Floristen geliefert. Die Nelke hält besonders lange und bleibt frisch. Vom 11. bis 16. März werden die Sträuße gebunden. Die Mehrzahl der Gebinde besteht aus zwölf Nelken. 

Die Kleider der Blumenträger erfordern, dass unbedingt alle Spieße an den Stielen entfernt werden müssen, um Beschädigungen an der kostbaren Tracht zu verhindern. Am 17. und 18. März werden die Blumen schließlich den Fallas-Kommissionen übergeben, die sie an die Statue der Schutzheiligen legen. Zwei Tage später beginnen die Blumen dann langsam zu verwelken, aber bis dahin bieten sie einen atemberaubenden Anblick und einen wunderbaren Duft.

Die Ninots: Herstellung, Positionierung, Prämierung

Die unübersehbaren Highlights des Volksfestes sind die Fallas selbst, die meist zusammen mit mehreren Ninots eine Fallas–Gruppe bilden. Etwa 400 dieser bis zu zwanzig Meter hohen und zehn Tonnen schweren Pappmachéfiguren herrschen ab dem 15. März über die Straßen der Stadt.

Die Fallas–Kommission des Stadtviertels engagiert einen Künstler, der die Falla für den jeweiligen Stadtteil bauen wird. Zunächst wird ein Modell der Falla angefertigt. Anschließend werden die Hauptfiguren und Ninots aus Ton hergestellt. Davon werden Gipsabdrücke genommen, die in zwei Teile geschnitten werden. Der Künstler füllt diese nun mit einem Pappteig. 

Nach dem Trocknen werden die beiden Hälften aus der Form gelöst, zusammengeklebt, gekittet, poliert und mit Acrylfarben bemalt. Die gesamte Figur kann bis zu zehn Tonnen schwer werden. Meist zersägt der Künstler diese nochmals vor dem Transport und fügt sie erst an Ort und Stelle in der Straße wieder zusammen. Es ist besonders wichtig, dass die Riesen gut an Gerüsten befestigt und ausbalanciert werden. Sie müssen außerdem so konstruiert sein, dass sie bei der Verbrennung in sich zusammenfallen, und nicht umstürzen. Die Gefahr für Zuschauer und Anwohner ist ohnehin groß und muss deshalb mit strengen Regeln möglichst gering gehalten werden.

Bereits Anfang Februar werden die Ninots im Nuevo Centro ausgestellt. Die Besucher können hier schon ihre Stimme für die Siegerfigur abgeben. In verschiedenen Kategorien werden die Fallas von einer eigens dafür ausgewählten Jury begutachtet und prämiert. Im Jahr 2006 gewann die Falla des Vereins Nou Campanar zum dritten Mal in Folge in allen drei Kategorien. Für den Künstler, Pedro Santaeulalia, war dies eine ganz besondere Ehre.

Die Fallas widmen sich jeweils bestimmten Themen, ob aktuelle politische Ereignisse, Darstellungen der Geschichte oder großer Persönlichkeiten bis hin zu reinen Phantasiegebilden ist fast alles vertreten. Neben den Prämierungen der Fallas gibt es noch zahlreiche andere Wettbewerbe im Rahmen dieser Feierlichkeiten. Es werden unter anderem Preise für die schönste Beleuchtung, die beste Musik, das tollste Straßenfest oder die leckerste Paella vergeben. 

Das Böllerkonzert: Die Mascletà

Die Fallas sind nicht nur ein Fest, bei dem es heiß hergeht, sondern vor allem auch laut. Nach dem Aufstellen der Fallas am Morgen des 16. März wird mit einem ohrenbetäubenden Lärm die Fallas–Saison eingeläutet. Mit lauten Böllerschüssen und anderen Lärmelementen werden alle Bewohner der Straßen auf den Beginn einer fünftägigen Feier aufmerksam gemacht, in der man kaum zum Schlafen kommt. 

Bereits ab dem 1. März gibt es jeden Tag auf dem Rathausplatz um 14 Uhr eine so genannte Mascletà. An endlosen Schnüren sind tausende Böller aufgereiht, die Schlag zwei Uhr angezündet werden und einen ohrenbetäubenden Lärm verbreiten. Für den jeweiligen Pyrotechniker ist es allerdings eine Ehre, der "Komponist“ dieses Spektakels sein zu dürfen. Tatsächlich werden die Böller in einer bestimmten Reihenfolge gezündet, sodass man wirklich von einer Komposition sprechen kann. In diesem Jahr erklang zum Beispiel die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart. Im Fernsehen wird die mittägliche Mascletà live übertragen. Frei nach dem Motto "je lauter, desto besser“ zeigt eine zusätzliche Messlatte an, wie hoch der Geräuschpegel des Böllerkonzertes ist. 

Die Verbrennung: La Cremà

Trotz der Arbeit und Vorbereitung, die ein ganzes Jahr gedauert hat und vor allem Unmengen an Geld verschlungen hat, werden am 19. März, dem Tag des Heiligen Joseph, die Fallas verbrannt. Eingeleitet wird das Spektakel von einem Feuerumzug, der Cabalgata del Fuego, die erst seit letztem Jahr Bestandteil des Programms ist. Verkleidete Menschen schwenken bedrohlich große Flammenfontänen und tanzen wild an den Zuschauern vorbei. Dann schließlich ist es so weit – die Nacht der Cremà hat begonnen. 

Um Mitternacht werden die haushohen Kunstwerke angezündet. In rasender Schnelligkeit schlagen die Flammen an den Figuren empor und verschlingen sie in wenigen Minuten. Hunderte Menschen versammeln sich um die jeweiligen Fallas und applaudieren zum letzten Mal dem Kunstwerk. Schätzungsweise gehen in dieser Nacht ungefähr 30 Millionen Euro in Flammen auf. 4.000 Tonnen Karton und Holz, 300 Tonnen Farben und Lacke sowie 100 Tonnen Nägel sind innerhalb kürzester Zeit nur noch Schutt und Asche. 

Der Höhepunkt der Cremà ist die Verbrennung der größten Falla auf dem Rathausplatz um ein Uhr. Damit stirbt die letzte Figur den Flammentod, und das Fest ist offiziell beendet. Übrig bleibt nur die Gewinnerfalla, die begnadigt wird und einen Platz im Fallas-Museum findet. Nach fünf Tagen Ausnahmezustand kann nun wieder die Normalität Einzug halten. Obwohl bald schon wieder für die Falla im nächsten Jahr geplant wird, können die Falleras die Tränen meist nicht zurückhalten, wenn das große Spektakel nach fünf Tagen sein Ende findet.


Datum:
20.03.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Annett Hahnel
 

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Suchbegriffe: Comunidad Valencia, Valencia, Fallas, Fiesta, Blumengabe, Spanien, Ninots, Mascleta, Verbrennung, Crema,


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