Das maurische Spanien
Dies änderte sich, als König Witiza im Frühjahr 710 starb; die Großen des Reiches wählten Roderich (Rodrigo), den Herzog der Baetica (die Gegend um Sevilla) zum Nachfolger. Die Verwandten des Witiza suchten nun, ihre Interessen mit Hilfe der Mauren durchzusetzen und holten diese ins Land.
711 überschritt der Berber Tarik mit einem Invasionsheer die Straße von Gibraltar, im Juli des Jahres kam es zur Schlacht am Guadalete, bei der die Westgoten eine entscheidende Niederlage erlitten; König Roderich fiel. Innerhalb weniger Jahre eroberten nun die Mauren beinahe die gesamte Halbinsel, nur das unwegsame asturische Bergland im Norden blieb ihnen verschlossen.
Die Ereignisse
Unter Historikern wurde oft der Frage nachgegangen, wieso das relativ kleine Invasionsheer des Tarik sich so schnell beinahe die gesamte iberische Halbinsel unterwerfen konnte. Drei hauptsächliche Gründe kristallisieren sich heraus: Zum einen war da die Unterstützung der Mauren durch die Witiza-Partei, zum anderen scheint die Verschmelzung der westgotischen mit den hispano-romanischen Bevölkerungsteilen nicht abgeschlossen gewesen zu sein. Und drittens sahen große Teile der Landbevölkerung, und zwar sowohl Großgrundbesitzer als auch einfache Bauern, durchaus ihre Vorteile darin, die Seiten zu wechseln. Dies konnten sie sogar tun, ohne dabei ihren alten Glauben ablegen zu müssen. Der Koran erlaubt ausdrücklich, dass unterworfene nichtheidnische Völker, zu denen man Christen, Juden und Mazdaisten zählte, ihre Religion beibehalten dürfen.
Unter diesen Umständen konnten sich die Araber nicht nur al-Andalus, wie sie die Halbinsel nannten (Im 5. Jh. nannten die Berber Spanien tamurt wandalus, was soviel wie "Land der Vandalen" bedeutet; dieser germanische Stamm war hier für einige Zeit sesshaft, bevor er von Westgoten und Alanen vertrieben wurde), erobern, sondern sie überquerten sogar die Pyrenäen und führten Raubzüge nach Aquitanien und bis ins Loiregebiet hinein durch. Bei einer dieser Gelegenheiten mussten sie im Oktober 732 bei der berühmten Schlacht von Poitiers eine empfindliche Niederlage gegen das Frankenheer Karl Martells einstecken, was sie aber nicht daran hinderte, weiterhin Südfrankreich mit Beutezügen heimzusuchen. Erst ein halbes Jahrhundert später, als die Franken sich in Septimanien festgesetzt hatten und nun die Notwendigkeit sahen, dieses Gebiet vor weiteren Übergriffen zu schützen, entstand mit der spanischen Mark das erste feste Bollwerk zwischen Islam und Christentum.
Zurück zur Halbinsel: Seit 714 bildete das muslimische Spanien ein vom Kalifat der Omaijaden abhängiges Emirat. Es war dies eine ziemlich chaotische Zeit, denn man darf nicht vergessen, dass die neuen Herren des Landes ja keine homogene Volksgruppe darstellten, sondern sich aus mehreren Stämmen, darunter Berbern, Arabern, Slaven, um nur die wichtigsten zu nennen, zusammensetzten. Die Zeit des abhängigen Emirats war eine Epoche zahlloser Kriegszüge und Raufereien dieser Stämme untereinander, und fast immer ging es dabei um Fragen der Rechtsgläubigkeit.
Um das Jahr 740 versuchten die auf der kastilischen Hochebene sesshaft gewordenen Berber, zusammen mit ihren nordafrikanischen Stammesgenossen die Araber in Andalusien in die Zange zu nehmen. Diese suchten Hilfe bei einem syrischen Heer, welches zufällig gerade in Ceuta lagerte, und nachdem der Berberangriff abgeschlagen werden konnte, blieben die Syrer im Lande. Dies ist in einem späteren Zusammenhang noch bedeutungsvoll: 756 stürzten die Abbasieden den Kalifen von Damaskus, die Omaijaden mussten fliehen. Abd-al-Rahman I., ein Angehöriger dieser Dynastie, gelangte nach Spanien, und mit Hilfe seiner syrischen Landsleute gelang es ihm nicht nur, das Emirat zu übernehmen, sondern er machte dies auch vom Orient politisch unabhängig.
Obwohl auch die christliche Reconquista langsam in Bewegung kam, blieb das eigentliche Problem Abd-al-Rahmans und seiner Nachfolger die ständigen Rebellionen in den eigenen Reihen, hinter denen häufig Angehörige der eigenen Familie standen.
Auch der Statthalter von Zaragoza, ein Anhänger der Abbasieden, hatte gegen Abd-al-Rahman revoltiert und versuchte anschließend, am Hofe Karls des Großen Unterstützung zu finden. Unklugerweise ließ der Karolinger sich darauf ein, das Ergebnis ist bekannt: Noch während der Belagerung Zaragozas trafen Nachrichten vom Sachsenaufstand ein, die Karl veranlassten, ins Reich zurückzueilen, wobei seine Nachhut bei Roncesvalles von den Basken aufgerieben wurde (778). Dabei fiel auch Roland, der Befehlshaber der Bretonischen Mark; sein Tod wurde später im berühmten Rolandslied heroisch überhöht.
Die folgenden anderthalb Jahrhunderte können wir in dieser Zusammenfassung überspringen. Zu ermüdend wäre die Aufzählung der vielen kleinen und größeren Kriegszüge, welche meist gegen aufständische Maurenführer, manchmal auch gegen christliche Heere geführt wurden. Etwas entscheidend Neues trat erst im Jahre 929 unter Abd-al-Rahman III. ein: Bis dahin hatten die Omaijaden die religiöse Vorherrschaft des Kalifen von Bagdad respektiert, nun aber sahen sie sich zu einer Neuerung gezwungen. Schuld daran hatte die Fatimiden; diese Dynastie hatte unter Ubayd Allah al-Mahdi ein eigenes Kalifat in Tunis ausgerufen, dadurch ein Schisma verursacht, und versuchte nun, durch religiöse Argumentation Einfluss auf die spanischen Muslims zu gewinnen. Abd-al-Rahman nahm den Kalifentitel "al-Nasir" an, Spanien wurde somit eigenständiges Kalifat.
Den Invasionsdrohungen der Fatimiden begegnete Abd-al-Rahman III. damit, dass er die Häfen Ceuta und Melilla an der afrikanischen Küste besetzte. Außerdem veranlasste er durch hohe Geldzuwendungen die in Tunesien und Algerien ansässigen Berber zum Aufstand. 947 kam es auf dem Mittelmeer zu einer Seeschlacht zwischen der omaijadischen und der fatimidischen Flotte: der Beginn eines Seekrieges, der bis gegen Ende des 10. Jahrhunderts andauerte. Schließlich zogen sich die Fatimiden in den Orient zurück, den Andalusiern gelang es, unter Führung al-Mansurs Marokko zu erobern und als Vizekönigreich Córdoba zu unterstellen.
Abd-al-Rahman III. war wohl auch der erste andalusische Politiker, der sich der Gefahr bewusst wurde, welche die christlichen Reiche des Nordens für die Existenz des Islams in Spanien bedeuteten. Bereits kurz nach seiner Machtergreifung führte er persönlich ein Heer gegen den stärksten dieser Gegner, das Königreich León unter Ramiro II., erlitt aber bei der Schlacht von Simancas (939) eine Niederlage.
Erwähnenswert bleibt noch, dass unter dem ersten spanischen Kalifen die Stadt Córdoba den Höhepunkt ihrer glanzvollen Stellung erreichte. Zu dieser Zeit war sie die größte Stadt Europas.
Nachfolger des ersten Kalifen wurde dessen Sohn Al-Hakam II (961-976). Es war eine Periode der Ruhe, abgesehen von einigen Normanneneinfällen und zwei kleineren Zügen gegen die Christen. Die Bibliothek in Córdoba wurde erweitert, der Kalif förderte vor allem die Wissenschaft. So wurde z.B. auf seine Anweisung hin die Historia des Goten Orosius ins Arabische übersetzt. Al-Hakams Nachfolger wurde sein Sohn Hisam II. (976-1009). Allerdings musste der die eigentliche Macht im Staate einem anderen überlassen: al-Mansur (976-1002), der bereits unter Abd-al-Rahman Militärbefehlshaber im Krieg gegen die Fatimiden war, nahm nun, gestützt auf seinen Machtbereich in Marokko, den Königstitel an und stellte die Fiktion auf, der Kalif sei nur noch geistiges Oberhaupt in Córdoba, die politische aber Macht gehöre ihm, dem König. Er stärkte seine Position, indem er eine Massenimmigration der nordafrikanischen Berber förderte und unter ihnen ein starkes Heer aushob, das er in al-Andalus stehen ließ und dessen Loyalität er sich durch hohe Soldzahlungen sicherte.
Etwa fünfzig Feldzüge führte al-Mansur auf der Halbinsel gegen die christlichen Reiche. Fast alle verliefen erfolgreich, und sein Hofdichter erträumte sich schon eine Vereinigung ganz Spaniens unter maurischer Führung. Aber diese konnten aus den militärischen Erfolgen kein Kapital schlagen, da es ihnen an Menschen fehlte, die zurückeroberten Gebiete zu besiedeln und dadurch längerfristig zu sichern.
Die Zeit zwischen dem Tode al-Mansurs und dem Ende des Kalifats von Córdoba im Jahre 1031 war die Zeit der Bürgerkriege in al-Andalus: Araber, Berber und Slaven schlugen sich um die Vorherrschaft im Lande, häufig mit Unterstützung ihrer opportunistischen christlichen Nachbarn im Norden der Halbinsel. Nachdem der letzte Kalif, Hisam III., zum Rücktritt gezwungen werden war, blieb al-Andalus in große Latifundien aufgeteilt, die sich sehr bald zu eigenständigen Kleinreichen, die so genannten Taifas, entwickelten.
Natürlich war al-Andalus durch diese Entwicklung nicht zur Ruhe gekommen, ganz im Gegenteil. Nicht nur, dass die verschiedenen Taifas, die von einer arabischen, slavischen oder Berberdynastie regiert wurden, weiterhin untereinander Krieg führten, hatten sie darüber hinaus auch ständig mit internen Revolten und Bürgerkriegen zu tun. Die christlichen Reiche konnten diese Situation nicht nutzen, denn sie waren untereinander genau so verfeindet und paktierten lieber mit den Mauren. So hatte sich z.B. Mundir I. (1017-1023), der Herrscher von Calatayud (Aragon) mit den christlichen Königen von Kastilien und Katalonien gegen das christliche Königreich von Navarra verbündet.
Die Lage änderte sich erst, als es Alfons VI. (1072-1109), König von Galizien, Kastilien, León und Portugal, gelang, die Grenzen seiner Reiche nach Süden zu verlagern, Toledo zu erobern und militärischen und ökonomischen Druck auf die Taifas auszuüben. Deren Herrscher, allen voran al-Mutamid von Sevilla, entschieden sich für das kleinere Übel und riefen die Almoraviden zur Hilfe. Dieses Fürstengeschlecht aus dem Berberstamm der Senhadscha war erst kurz vorher zum Islam übergetreten und daher noch recht fanatisch. Seit Mitte des 10. Jahrhunderts beherrschten sie das westliche Nordafrika. 1086 folgten sie nun der Bitte der Taifas, und unter Führung Jussuf ibn Tasfin fand eine neue afrikanische Invasion der iberischen Halbinsel statt. Am 23. Oktober dieses Jahres kam es zur Schlacht bei Sagrajas, in der Nähe von Badajoz, bei der die Christen vernichtend geschlagen wurden. Die Almoraviden verzichteten darauf, weiter vorzustoßen und zogen sich zunächst nach Afrika zurück. Ein zweiter Hilferuf ließ sie 2 Jahre später aber wieder nach Spanien übersetzen. Diesmal griff Jussuf energisch durch, drängte die Christen nochmals zurück, löste die Taifas auf, deren Herrscher er in die Verbannung nach Afrika schickte, und übernahm selbst die Herrschaft über al-Andalus.
Jussufs Nachfolger Ali (1106-1143) konnte die Position der Almoraviden nur zu Beginn seiner Herrschaft halten. Auf der Halbinsel wurden die aus der Sahara eingedrungenen Stämme einfach von der höheren Kultur al-Andalus absorbiert, die Almoraviden verloren soweit den Rückhalt, dass einige Großgrundbesitzer sich wieder in die Abhängigkeit begeben konnten. Man spricht von einer zweiten Epoche der Taifas. Aber auch in Afrika ging die Almoravidenherrschaft langsam wieder zu Ende: Aus der religiösen Reformbewegung des Ibn Tumart, der die Berberstämme Marokkos zum Aufstand organisiert hatte, war die Dynastie der Almohaden entstanden. Ali versuchte vergebens, auch mit Hilfe der Christen und Mozaraber den Aufstand niederzuwerfen.
Die Almohaden schufen sich zunächst in Nordafrika einen homogenen Staat, dann griffen sie unter Führung Abd al-Mumins auf al-Andalus über, das sie mit Ausnahme der Balearen bald beherrschen konnten. Sogar das für sie gefährlichste christliche Reich, Kastilien, konnten sie mit dem Sieg bei Alarcos in Bedrängnis bringen.
Unter diesen Umständen konnten sich die Araber nicht nur al-Andalus, wie sie die Halbinsel nannten (Im 5. Jh. nannten die Berber Spanien tamurt wandalus, was soviel wie "Land der Vandalen" bedeutet; dieser germanische Stamm war hier für einige Zeit sesshaft, bevor er von Westgoten und Alanen vertrieben wurde), erobern, sondern sie überquerten sogar die Pyrenäen und führten Raubzüge nach Aquitanien und bis ins Loiregebiet hinein durch. Bei einer dieser Gelegenheiten mussten sie im Oktober 732 bei der berühmten Schlacht von Poitiers eine empfindliche Niederlage gegen das Frankenheer Karl Martells einstecken, was sie aber nicht daran hinderte, weiterhin Südfrankreich mit Beutezügen heimzusuchen. Erst ein halbes Jahrhundert später, als die Franken sich in Septimanien festgesetzt hatten und nun die Notwendigkeit sahen, dieses Gebiet vor weiteren Übergriffen zu schützen, entstand mit der spanischen Mark das erste feste Bollwerk zwischen Islam und Christentum.
Zurück zur Halbinsel: Seit 714 bildete das muslimische Spanien ein vom Kalifat der Omaijaden abhängiges Emirat. Es war dies eine ziemlich chaotische Zeit, denn man darf nicht vergessen, dass die neuen Herren des Landes ja keine homogene Volksgruppe darstellten, sondern sich aus mehreren Stämmen, darunter Berbern, Arabern, Slaven, um nur die wichtigsten zu nennen, zusammensetzten. Die Zeit des abhängigen Emirats war eine Epoche zahlloser Kriegszüge und Raufereien dieser Stämme untereinander, und fast immer ging es dabei um Fragen der Rechtsgläubigkeit.
Um das Jahr 740 versuchten die auf der kastilischen Hochebene sesshaft gewordenen Berber, zusammen mit ihren nordafrikanischen Stammesgenossen die Araber in Andalusien in die Zange zu nehmen. Diese suchten Hilfe bei einem syrischen Heer, welches zufällig gerade in Ceuta lagerte, und nachdem der Berberangriff abgeschlagen werden konnte, blieben die Syrer im Lande. Dies ist in einem späteren Zusammenhang noch bedeutungsvoll: 756 stürzten die Abbasieden den Kalifen von Damaskus, die Omaijaden mussten fliehen. Abd-al-Rahman I., ein Angehöriger dieser Dynastie, gelangte nach Spanien, und mit Hilfe seiner syrischen Landsleute gelang es ihm nicht nur, das Emirat zu übernehmen, sondern er machte dies auch vom Orient politisch unabhängig.
Obwohl auch die christliche Reconquista langsam in Bewegung kam, blieb das eigentliche Problem Abd-al-Rahmans und seiner Nachfolger die ständigen Rebellionen in den eigenen Reihen, hinter denen häufig Angehörige der eigenen Familie standen.
Auch der Statthalter von Zaragoza, ein Anhänger der Abbasieden, hatte gegen Abd-al-Rahman revoltiert und versuchte anschließend, am Hofe Karls des Großen Unterstützung zu finden. Unklugerweise ließ der Karolinger sich darauf ein, das Ergebnis ist bekannt: Noch während der Belagerung Zaragozas trafen Nachrichten vom Sachsenaufstand ein, die Karl veranlassten, ins Reich zurückzueilen, wobei seine Nachhut bei Roncesvalles von den Basken aufgerieben wurde (778). Dabei fiel auch Roland, der Befehlshaber der Bretonischen Mark; sein Tod wurde später im berühmten Rolandslied heroisch überhöht.

Die folgenden anderthalb Jahrhunderte können wir in dieser Zusammenfassung überspringen. Zu ermüdend wäre die Aufzählung der vielen kleinen und größeren Kriegszüge, welche meist gegen aufständische Maurenführer, manchmal auch gegen christliche Heere geführt wurden. Etwas entscheidend Neues trat erst im Jahre 929 unter Abd-al-Rahman III. ein: Bis dahin hatten die Omaijaden die religiöse Vorherrschaft des Kalifen von Bagdad respektiert, nun aber sahen sie sich zu einer Neuerung gezwungen. Schuld daran hatte die Fatimiden; diese Dynastie hatte unter Ubayd Allah al-Mahdi ein eigenes Kalifat in Tunis ausgerufen, dadurch ein Schisma verursacht, und versuchte nun, durch religiöse Argumentation Einfluss auf die spanischen Muslims zu gewinnen. Abd-al-Rahman nahm den Kalifentitel "al-Nasir" an, Spanien wurde somit eigenständiges Kalifat.
Den Invasionsdrohungen der Fatimiden begegnete Abd-al-Rahman III. damit, dass er die Häfen Ceuta und Melilla an der afrikanischen Küste besetzte. Außerdem veranlasste er durch hohe Geldzuwendungen die in Tunesien und Algerien ansässigen Berber zum Aufstand. 947 kam es auf dem Mittelmeer zu einer Seeschlacht zwischen der omaijadischen und der fatimidischen Flotte: der Beginn eines Seekrieges, der bis gegen Ende des 10. Jahrhunderts andauerte. Schließlich zogen sich die Fatimiden in den Orient zurück, den Andalusiern gelang es, unter Führung al-Mansurs Marokko zu erobern und als Vizekönigreich Córdoba zu unterstellen.
Abd-al-Rahman III. war wohl auch der erste andalusische Politiker, der sich der Gefahr bewusst wurde, welche die christlichen Reiche des Nordens für die Existenz des Islams in Spanien bedeuteten. Bereits kurz nach seiner Machtergreifung führte er persönlich ein Heer gegen den stärksten dieser Gegner, das Königreich León unter Ramiro II., erlitt aber bei der Schlacht von Simancas (939) eine Niederlage.
Erwähnenswert bleibt noch, dass unter dem ersten spanischen Kalifen die Stadt Córdoba den Höhepunkt ihrer glanzvollen Stellung erreichte. Zu dieser Zeit war sie die größte Stadt Europas.
Nachfolger des ersten Kalifen wurde dessen Sohn Al-Hakam II (961-976). Es war eine Periode der Ruhe, abgesehen von einigen Normanneneinfällen und zwei kleineren Zügen gegen die Christen. Die Bibliothek in Córdoba wurde erweitert, der Kalif förderte vor allem die Wissenschaft. So wurde z.B. auf seine Anweisung hin die Historia des Goten Orosius ins Arabische übersetzt. Al-Hakams Nachfolger wurde sein Sohn Hisam II. (976-1009). Allerdings musste der die eigentliche Macht im Staate einem anderen überlassen: al-Mansur (976-1002), der bereits unter Abd-al-Rahman Militärbefehlshaber im Krieg gegen die Fatimiden war, nahm nun, gestützt auf seinen Machtbereich in Marokko, den Königstitel an und stellte die Fiktion auf, der Kalif sei nur noch geistiges Oberhaupt in Córdoba, die politische aber Macht gehöre ihm, dem König. Er stärkte seine Position, indem er eine Massenimmigration der nordafrikanischen Berber förderte und unter ihnen ein starkes Heer aushob, das er in al-Andalus stehen ließ und dessen Loyalität er sich durch hohe Soldzahlungen sicherte.
Etwa fünfzig Feldzüge führte al-Mansur auf der Halbinsel gegen die christlichen Reiche. Fast alle verliefen erfolgreich, und sein Hofdichter erträumte sich schon eine Vereinigung ganz Spaniens unter maurischer Führung. Aber diese konnten aus den militärischen Erfolgen kein Kapital schlagen, da es ihnen an Menschen fehlte, die zurückeroberten Gebiete zu besiedeln und dadurch längerfristig zu sichern.
Die Zeit zwischen dem Tode al-Mansurs und dem Ende des Kalifats von Córdoba im Jahre 1031 war die Zeit der Bürgerkriege in al-Andalus: Araber, Berber und Slaven schlugen sich um die Vorherrschaft im Lande, häufig mit Unterstützung ihrer opportunistischen christlichen Nachbarn im Norden der Halbinsel. Nachdem der letzte Kalif, Hisam III., zum Rücktritt gezwungen werden war, blieb al-Andalus in große Latifundien aufgeteilt, die sich sehr bald zu eigenständigen Kleinreichen, die so genannten Taifas, entwickelten.
Natürlich war al-Andalus durch diese Entwicklung nicht zur Ruhe gekommen, ganz im Gegenteil. Nicht nur, dass die verschiedenen Taifas, die von einer arabischen, slavischen oder Berberdynastie regiert wurden, weiterhin untereinander Krieg führten, hatten sie darüber hinaus auch ständig mit internen Revolten und Bürgerkriegen zu tun. Die christlichen Reiche konnten diese Situation nicht nutzen, denn sie waren untereinander genau so verfeindet und paktierten lieber mit den Mauren. So hatte sich z.B. Mundir I. (1017-1023), der Herrscher von Calatayud (Aragon) mit den christlichen Königen von Kastilien und Katalonien gegen das christliche Königreich von Navarra verbündet.
Die Lage änderte sich erst, als es Alfons VI. (1072-1109), König von Galizien, Kastilien, León und Portugal, gelang, die Grenzen seiner Reiche nach Süden zu verlagern, Toledo zu erobern und militärischen und ökonomischen Druck auf die Taifas auszuüben. Deren Herrscher, allen voran al-Mutamid von Sevilla, entschieden sich für das kleinere Übel und riefen die Almoraviden zur Hilfe. Dieses Fürstengeschlecht aus dem Berberstamm der Senhadscha war erst kurz vorher zum Islam übergetreten und daher noch recht fanatisch. Seit Mitte des 10. Jahrhunderts beherrschten sie das westliche Nordafrika. 1086 folgten sie nun der Bitte der Taifas, und unter Führung Jussuf ibn Tasfin fand eine neue afrikanische Invasion der iberischen Halbinsel statt. Am 23. Oktober dieses Jahres kam es zur Schlacht bei Sagrajas, in der Nähe von Badajoz, bei der die Christen vernichtend geschlagen wurden. Die Almoraviden verzichteten darauf, weiter vorzustoßen und zogen sich zunächst nach Afrika zurück. Ein zweiter Hilferuf ließ sie 2 Jahre später aber wieder nach Spanien übersetzen. Diesmal griff Jussuf energisch durch, drängte die Christen nochmals zurück, löste die Taifas auf, deren Herrscher er in die Verbannung nach Afrika schickte, und übernahm selbst die Herrschaft über al-Andalus.
Jussufs Nachfolger Ali (1106-1143) konnte die Position der Almoraviden nur zu Beginn seiner Herrschaft halten. Auf der Halbinsel wurden die aus der Sahara eingedrungenen Stämme einfach von der höheren Kultur al-Andalus absorbiert, die Almoraviden verloren soweit den Rückhalt, dass einige Großgrundbesitzer sich wieder in die Abhängigkeit begeben konnten. Man spricht von einer zweiten Epoche der Taifas. Aber auch in Afrika ging die Almoravidenherrschaft langsam wieder zu Ende: Aus der religiösen Reformbewegung des Ibn Tumart, der die Berberstämme Marokkos zum Aufstand organisiert hatte, war die Dynastie der Almohaden entstanden. Ali versuchte vergebens, auch mit Hilfe der Christen und Mozaraber den Aufstand niederzuwerfen.
Die Almohaden schufen sich zunächst in Nordafrika einen homogenen Staat, dann griffen sie unter Führung Abd al-Mumins auf al-Andalus über, das sie mit Ausnahme der Balearen bald beherrschen konnten. Sogar das für sie gefährlichste christliche Reich, Kastilien, konnten sie mit dem Sieg bei Alarcos in Bedrängnis bringen.
Die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts war die letzte Glanzzeit des maurischen Reiches in Spanien. Der moslemische Teil der Halbinsel war unter den Almohaden geeint; diese hatten sich eine Kriegsflotte geschaffen, um die sie sogar von den italienischen Republiken beneidet wurden. Angesichts dieser Bedrohung gelang es auch den christlichen Reichen im Norden, sich zumindest kurzfristig zu vereinen. Bei der Schlacht von Navas de Tolosa 1212 gelang es der christlichen Union unter König Alfonso VIII., den Mauren eine entscheidende Niederlage beizubringen. Auch wenn die christlichen Reiche danach wieder ihre eigenen Wege gingen, die Reconquista hatte den entscheidenden Anstoß erhalten.
Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: In den den Mauren verbliebenen Gebieten begann eine dritte Periode der Taifas. 1228 wurde Ibn Hud, ein Nachkomme der Familie, die im 11. Jahrhundert Zaragoza dominiert hatte, vom Kalifen in Bagdad als Statthalter in Spanien anerkannt. Es konnte zunächst nochmals den größten Teil des maurischen Gebiets unter seiner Herrschaft vereinen, wurde dann aber zwischen der christlichen Reconquista und dem aufstrebenden Geschlecht der Banu al-Ahmar zerrieben. Als letzteren mit den Meriniden ein neuer Gegner in Marokko erwuchs, begaben sie sich in ein Vasallenverhältnis mit den christlichen Königen, was dazu führte, dass ein großer Teil der auf der Halbinsel verbliebenen moslemischen Führungsschicht diese in Richtung Afrika verließ. Ab etwa 1270 blieben den Mauren in Spanien nur noch Granada und einige kleine Gebiete in der Gegend von Huelva. Die Reconquista war weitgehend erlahmt, da die christlichen Reiche mit inneren Problemen beschäftigt waren. Zwar kam es immer wieder mal zu Konfrontationen mit dem Reich von Granada, die aber ohne größere Konsequenzen blieben. Erst 1492, unter der Herrschaft des sog. katholischen Königspaares, wurden die letzten Mauren aus Granada und damit von der iberischen Halbinsel vertrieben.
Demografie
Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: In den den Mauren verbliebenen Gebieten begann eine dritte Periode der Taifas. 1228 wurde Ibn Hud, ein Nachkomme der Familie, die im 11. Jahrhundert Zaragoza dominiert hatte, vom Kalifen in Bagdad als Statthalter in Spanien anerkannt. Es konnte zunächst nochmals den größten Teil des maurischen Gebiets unter seiner Herrschaft vereinen, wurde dann aber zwischen der christlichen Reconquista und dem aufstrebenden Geschlecht der Banu al-Ahmar zerrieben. Als letzteren mit den Meriniden ein neuer Gegner in Marokko erwuchs, begaben sie sich in ein Vasallenverhältnis mit den christlichen Königen, was dazu führte, dass ein großer Teil der auf der Halbinsel verbliebenen moslemischen Führungsschicht diese in Richtung Afrika verließ. Ab etwa 1270 blieben den Mauren in Spanien nur noch Granada und einige kleine Gebiete in der Gegend von Huelva. Die Reconquista war weitgehend erlahmt, da die christlichen Reiche mit inneren Problemen beschäftigt waren. Zwar kam es immer wieder mal zu Konfrontationen mit dem Reich von Granada, die aber ohne größere Konsequenzen blieben. Erst 1492, unter der Herrschaft des sog. katholischen Königspaares, wurden die letzten Mauren aus Granada und damit von der iberischen Halbinsel vertrieben.
Demografie
Es ist schwierig, die Anzahl der Bewohner al-Andalus für bestimmte Epochen zu schätzen. Historiker gehen davon aus, dass es sich in Zeiten höchster Bevölkerungsdichte um maximal 4 Millionen gehandelt hat. Die schnelle Konversion zum Islam hatte ökonomisch-soziale Gründe. Der Koran unterschied in steuerlicher Hinsicht zwischen Muslimen und Ungläubigen. Letztere konnten mit wesentlich höheren Steuern belegt werden, weshalb die Mehrheit der Land- und Großgrundbesitzer sofort zum Islam überging. Der Koran bestimmte auch, dass Leibeigene, die eher als ihre Herren konvertierten, die Freiheit erhalten sollten, da kein Moslem Leibeigener eines Ungläubigen sein könnte. Durch diesen Massenübertritt gingen dem maurischen Fiskus gewaltige Summen verloren, ein Grund, weshalb die Regierung nach immer neuen Spitzfindigkeiten suchte, bei den muladies, die die neu Konvertierten genannt wurden, genau so die Steuern eintreiben zu können wie bei den Ungläubigen (dimmies) und damit nicht nur die Revolten der unmittelbar Betroffenen provozierte, sondern auch der internen Opposition, die nun der Regierung einen Bruch der Vorschriften des Koran vorwerfen konnte. Die dimmies, Angehörige einer nichtislamischen, aber monotheistischen Religion, genossen weitreichende rechtliche und religiöse Autonomie.
Verboten waren ihnen lediglich das Abhalten feierlicher Kulthandlungen in der Öffentlichkeit und der Bau neuer Tempel, wenn sie dazu keine vorherige Genehmigung eingeholt hatten. Die wichtigste Gruppe unter den dimmies waren die Mozaraber, Christen, die ihre Religion unter maurischer Herrschaft beibehalten hatten. Das Wort ist abgeleitet von dem arabischen "musta rab", was soviel bedeutet wie: "die den Arabern ähnlich sein wollen". An ihrer Spitze stand ein Graf von al-Andalus; seit dem 10. Jahrhundert war dies ein Nachkomme der westgotischen Witiza-Dynastie.
Die weltlichen und kirchlichen Organisationsformen des ehemaligen Westgotenstaates wurden so weit wie möglich übernommen. Analog zu den Christen genoss auch der jüdische Bevölkerungsanteil unter der maurischen Herrschaft die gleichen Rechte wie die Mozaraber. Zur Zeit des Kalifats waren die Mönche des katalanischen Klosters Santa María de Ripoll hauptsächlich damit beschäftigt, wissenschaftliche Schriften aus dem Arabischen ins Lateinische zu übersetzen; auch dies ein Hinweis auf das enge Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften. Die Bevölkerung lebte mehrheitlich von Landwirtschaft und Viehzucht. Die großen Städte scheinen doch etwas kleiner gewesen zu sein, als man ursprünglich angenommen hatte. Torres Balbás hat für das Ende des 10. Jahrhunderts folgende Einwohnerzahlen errechnet: Córdoba: 250.000; Toledo: 37.000; Granada: 26.000; Saragossa: 17.000; Valencia und Málaga: je 15.000.
Der Staat
Verboten waren ihnen lediglich das Abhalten feierlicher Kulthandlungen in der Öffentlichkeit und der Bau neuer Tempel, wenn sie dazu keine vorherige Genehmigung eingeholt hatten. Die wichtigste Gruppe unter den dimmies waren die Mozaraber, Christen, die ihre Religion unter maurischer Herrschaft beibehalten hatten. Das Wort ist abgeleitet von dem arabischen "musta rab", was soviel bedeutet wie: "die den Arabern ähnlich sein wollen". An ihrer Spitze stand ein Graf von al-Andalus; seit dem 10. Jahrhundert war dies ein Nachkomme der westgotischen Witiza-Dynastie.
Die weltlichen und kirchlichen Organisationsformen des ehemaligen Westgotenstaates wurden so weit wie möglich übernommen. Analog zu den Christen genoss auch der jüdische Bevölkerungsanteil unter der maurischen Herrschaft die gleichen Rechte wie die Mozaraber. Zur Zeit des Kalifats waren die Mönche des katalanischen Klosters Santa María de Ripoll hauptsächlich damit beschäftigt, wissenschaftliche Schriften aus dem Arabischen ins Lateinische zu übersetzen; auch dies ein Hinweis auf das enge Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften. Die Bevölkerung lebte mehrheitlich von Landwirtschaft und Viehzucht. Die großen Städte scheinen doch etwas kleiner gewesen zu sein, als man ursprünglich angenommen hatte. Torres Balbás hat für das Ende des 10. Jahrhunderts folgende Einwohnerzahlen errechnet: Córdoba: 250.000; Toledo: 37.000; Granada: 26.000; Saragossa: 17.000; Valencia und Málaga: je 15.000.
Der Staat
An der Spitze der religiösen und politischen Pyramide stand der Kalif (arab.: jalifa). Das Wort bedeutet soviel wie Stellvertreter, und als Stellvertreter Gottes übte er sowohl die spirituelle als auch, in der Eigenschaft als Delegierter Gottes, der weltlichen Gewalt aus. Diese Interpretation wurde allerdings nicht allseitig akzeptiert, wodurch Konflikte, die Rechtsgläubigkeit betreffend, vorprogrammiert waren. Da der Kalif die gesamte Staatsgewalt, also Legislative, Exekutive und Jurisdiktion, schon allein aus zeitlichen Gründen kaum alle persönlich ausführen konnte, delegierte er Teile davon an seine hayibs (übersetzt: Kammerherrn. Unter diesem Titel herrschte al-Mansur in al-Andalus) weiter. Diese saßen dem Rat der Minister (Wesire) vor und berichteten dem Regenten. Nachdem das Land in Taifas zerfallen war, ging der Titel des Wesirs auf die Provinzgouverneure über. Eine Kommunalverwaltung hat es nicht gegeben (und gibt es in der moslemischen Welt erst seit dem 19. Jahrhundert). Nachweisen lässt sich allerdings das Amt eines zabaxorta, der wohl ursprünglich örtlicher Polizeichef, später Strafrichter war. Daneben gab es noch den Richter für Zivilangelegenheiten, cadí. Das Heer des Kalifen war eine Freiwilligenarmee, was aber nicht ausschloss, dass in Zeiten höchster Gefahr eine allgemeine Mobilmachung für alle wehrfähigen Männer ausgerufen wurde. Das ursprüngliche islamische Steuersystem war recht simpel. Es gab nur eine einzige Steuer, die von Mohammed eingesetzt worden war und die auch der Koran (8,42) erwähnt. Sie trug den Namen azaque, d.h. Almosen, Spende, denn, so hatte es der Prophet vorgesehen, die Begüterten sollten mit dieser Spende den Mittellosen helfen. In al-Andalus wurde der Staatshaushalt dann mit dem fünften Teil der Kriegsbeute und den Steuern, die von den dimmies erhoben wurden, bestritten. Als die Kriegszüge nicht mehr genug einbrachten, wurden auch die Neophyten mit einer Kopfsteuer belegt. Außerdem wurden Mittel ersonnen, den Übertritt zum Islam, der in vielen Fällen nichts weiter als Steuerflucht war, zu erschweren. Der Kalif war auch der oberste Rechtsprecher und ernannte persönlich die Richter, darunter auch einen Oberrichter, der die Rechtstätigkeit der cadís zu überwachen hatte, wobei es hauptsächlich darum ging, die "richtige" Interpretation der Vorschriften des Korans sicherzustellen.
Die Wirtschaft
Die Wirtschaft
Die Bewirtschaftung der Ländereien erfolgte in der Regel über Pachtverträge zwischen dem Herrn und dem Pächter. Letzterer war ein freier Mann und führte jährlich einen festgesetzten Anteil der Ernte ab. Hauptsächlich wurden Zitrusfrüchte, Mandeln und Oliven angebaut. Der Weinbau war fest in Händen von Christen und Juden. Gemüse- und Ziergärten waren bei den Mauren beliebt, wobei übertriebene Gartenarchitektur verpönt war. Zur Zeit des Kalifats gab es den größten Waldbestand in al-Andalus, dieser schwand mit dem Vorrücken der Reconquista. An Viehzucht ist die Pferdezucht der Berber erwähnenswert. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts führten sie auch das Marinoschaf ein. Weitere wichtige Industriezweige waren der Bergbau (Quecksilber, Salz, Gold), die Waffenfabrikation vor allem in Toledo und Córdoba, Leinwandherstellung in Zaragoza, Seidenerzeugung (Maulbeerplantagen) in Murcia und Granada. Diese Betriebe waren alle in Staatsbesitz. Auch der Handel war sehr wichtig. Wichtigste Ziele der Handesfahrten waren der Orient und die nordafrikanische Küste, aber auch für Nordeuropa lässt sich der Handel der spanischen Mauren nachweisen.
Literatur
Literatur
Die Poesie war bei den Arabern sehr beliebt. Eine maurische Chronik besagt, bereits Tarik hätte die Invasionsarmee mit seiner Dichtkunst aufgeheitert. Die dementsprechende Überlieferung ist allerdings aus einer wesentlich späteren Zeit. Im 9. Jahrhundert waren in Spanien die Verse des Ibn Hani berühmt. Da dieser abweichende religiöse Anschauungen vertrat (es ging um die rechtliche Nachfolge Mohammeds), musste er al-Andalus verlassen und an den Hof des fatimidischen Kalifen fliehen. Zu Zeiten Abd-al-Rahmans III. entstand die Gruppe der Hofdichter. Viele ihrer Werke sind noch erhalten, und besonders wichtig ist die Gedichtsammlung (diván) des Ibn Darray al-Qastalli. Das höchste Ansehen aber genoss die Dichtkunst unter den Taifa-Königen. Da diese Kleinkönige schon keine Geschichte machen konnten, wollten sie sich wenigstens als Kunstfreunde und -förderer einen Namen machen. Besonders tat sich hier al-Mutamid, König von Sevilla hervor, der auch selber Gedichte verfasste. Nachdem er von den Almoraviden vertrieben worden war, verbrachte er den Rest seines Lebens in Marokko, teilweise als Gefangener, teilweise im Zustand einer eingeschränkten Freiheit. Hier schrieb er eine Reihe Gedichte, in denen er bessere Zeiten heraufbeschwor, weshalb diese Werke sich von den ansonsten stets optimistischen Gedichten der arabischen Poeten abheben. Aufmerksamkeit erregte auch Ibn Zaydun (gest. 1070), der seine Zuneigung zur omaijadischen Prinzessin Wallada in blumige Worte gefasst hat. Aus der Epoche der Almohaden ragt Abu Yafar heraus. Neben dieser klassischen gab es auch die Volksdichtung, hervorgegangen aus dem Kontakt zwischen Mozarabern und Moslems. Diese zeichneten sich durch Refrains in Altspanisch (Romance) aus und sind die ältesten Beispiele der spanischen Lyrik. Im Vergleich mit der Lyrik war die Prosa eher zweitrangig. Der erste nennenswerte Autor ist Abd al-Rabbihi, ein Zeitgenosse Abd al-Rahmans III. Er verfasste eine Art Kulturalmanach. Aber am bekanntesten, auch heute noch, dürfte Ibn Hazn de Córdoba gewesen sein. Sein Buch von der Liebe und den Liebenden ist in viele Sprachen übersetzt worden und ist auch heute noch unter dem Titel "Das Halsband der Taube" oder "El Collar de la Paloma" in deutschen und spanischen Büchereien erhältlich.
Der Koran gilt den Moslems als das ihnen von Gott gegebene Buch, das immer schon da war und von daher auch ein Modell der arabischen Sprache darstellt. Deren Grammatik wurde aus den Suren abgeleitet. Es gibt also eine direkte Verbindung zwischen der Koranexegese und der Philologie. Die ersten Schriften zu diesem Genre erschienen in al-Andalus zur Zeit des Kalifats. Al-Zabaydi verfasste ein grammatikalisches Kompendium sowie eine Abhandlung über Lautverschiebungen und Aussprache. Ein weiterer wichtiger Grammatiker war ibn Madin aus Córdoba (gest. 1195). Auch einen wichtigen Lexikographen hat al-Andalus hervorgebracht: Ibn Sida aus Denia (gest. 1066), Verfasser mehrerer Wörterbücher.
Rechtswissenschaft
Der Koran gilt den Moslems als das ihnen von Gott gegebene Buch, das immer schon da war und von daher auch ein Modell der arabischen Sprache darstellt. Deren Grammatik wurde aus den Suren abgeleitet. Es gibt also eine direkte Verbindung zwischen der Koranexegese und der Philologie. Die ersten Schriften zu diesem Genre erschienen in al-Andalus zur Zeit des Kalifats. Al-Zabaydi verfasste ein grammatikalisches Kompendium sowie eine Abhandlung über Lautverschiebungen und Aussprache. Ein weiterer wichtiger Grammatiker war ibn Madin aus Córdoba (gest. 1195). Auch einen wichtigen Lexikographen hat al-Andalus hervorgebracht: Ibn Sida aus Denia (gest. 1066), Verfasser mehrerer Wörterbücher.
Rechtswissenschaft
Ein charakteristischer Zug der klassischen moslemischen Gesellschaft ist der enge Zusammenhang von göttlichem und weltlichem Recht. Theoretisch wurde letzteres aus ersterem abgeleitet, der Koran diente also auch als Straf- und Zivilgesetzbuch für alle in ihm vorgesehenen Fälle. Für alle weiteren Fälle musste man auf das Leben und die Taten des Propheten zurückgreifen, der ja von Gott den Menschen geschickt worden ist, und dessen Taten daher auch mit dem Wunsche Gottes haben übereinstimmen müssen. Die Anekdotensammlung, welche die verschiedenen Facetten des Lebens Mohammeds umfasst, wurde sunna oder zuna genannt. Ursprünglich wurden sie mündlich überliefert, und als im 8. und 9. Jahrhundert die sunna kodifiziert wurde, wurden nur solche Elemente aufgenommen, deren Überlieferungsstrang vom Entstehen bis zur Gegenwart zurückverfolgt werden konnte. Sollte ein juristischer Fall weder durch den Koran noch durch die sunna gelöst werden können, wurden Präzedenzfälle gesucht und mit dem aktuellen Fall verglichen. Hier begann dann das Eingreifen des Gesetzeskundigen (alfaquí).
Geschichtsschreibung
Geschichtsschreibung
Die Geschichtsschreibung im maurischen Spanien begann bereits anlässlich der Invasion im Orient. Die ersten Autoren überfrachteten ihre Schriften mit phantastischen Anekdoten und Fabeln. Diese Technik wurde auch von den Historikern in al-Andalus übernommen. Erwähnenswert ist hier al-Razi, dessen Werke verschollen sind. Zur Kalifenzeit entstand eine anonyme Vita Abd al-Rahmans III. Zu dieser Zeit schrieb auch Ibn al-Qutiyya seine Geschichte der Eroberung Spaniens. Die goldene Epoche der Geschichtsschreibung in al-Andalus ist die Zeit der Taifas. Hier wirkten u.a. Ibn Hayyan (gest. 1075), dessen Hauptwerk eine historische Anthologie ist. Sein Zeitgenosse Abd Allah, König von Granada, versuchte, nachdem er von den Almoraviden vertrieben worden war, seine Regierungstätigkeit in seinen Memoiren zu rechtfertigen. Diese Memoiren bilden die wichtigste Quelle für das Verständnis der letzten Jahre der Taifas. Die Epoche der Almohaden ist von Ibn Sahib al Sala in seinen Schriften festgehalten worden. Anfang des 15. Jahrhunderts schrieb Ibn Jaldu aus Granada seine Prolegomena, der erste Versuch, Philosophie und Geschichtsschreibung miteinander zu verbinden. Auch das Genre der Biographie wurde in al-Andalus sehr gepflegt.
Philosophie
Philosophie
Die philosophischen Studien entwickelten sich abhängig vom Grad der Toleranz, den die Alfaquíes jeweils an den Tag zu legen gewillt waren. Zur Zeit Abd al-Rahmans III. verbreitete Ibn Masarra seine aus Ägypten importierte Lehre über die Schöpfung des Korans und über die Askese. Auf Drängen der Alfaquíes verbannte ihn der Kalif, das Dekret darüber ist noch erhalten. Ibn Masarra zog sich mit einigen Schülern in die Askese aufs Land in der Nähe von Córdoba zurück und verbreitete von hier seine neuplatonischen Ideen. Er starb 931. Wie für viele andere kulturelle Bereiche, so war auch für die Philosophie die Zeit der Taifas eine Blütezeit. Ibn Bayya (unter dem Namen Avempace im Okzident bekannt) schuf eine Reihe kleiner Schriften, in denen er versuchte, das aristotelische Gedankengut neu zu beleben. Dieser Autor war auch der erste, der ernsthafte Kritik am geozentrischen Weltbild des Claudius Ptolemaios übte. Das System des Avempace führte zum sufistischen Pantheismus des Ibn Tufayl. Dessen bekanntestes Werk "Hayy ibn Yaqzan" wurde noch 1671 unter dem Titel "Philosophus autodidactus" ins Lateinische übertragen.
Einer der Schüler des Ibn Tufayl war der cordobeser Arzt Ibn Rusd, bei uns besser bekannt unter dem Namen Averoes (1126-1198). Er verband die aristotelische Metaphysik mit der neuplatonischen Emanationslehre und nahm einen einheitlich tätigen Verstand an, der das individuelle Denkvermögen aktualisiere, während die Einzelseele an den Leib gebunden und wie dieser sterblich sei. Moderne Orientalisten haben sich natürlich gefragt, wie weit die averroistischen Positionen mit dem islamischen Credo vereinbar seien. Der letzte Stand der Forschung ist, dass der Philosoph aus Córdoba sich keine nennenswerten Abweichungen erlaubt hat. Zu den stärksten Kritikern Averroes gehörte Thomas von Aquin.
Seit der Zeit der Almoraviden war der Mystizismus in al-Andalus im Aufschwung. Wichtigster Vertreter dieser Richtung war Ibn Arabi, aber noch bekannter in der christlichen Welt war Ibn Sabin, an den sich der Staufer Friedrich II. mit einigen philosophisch-theologischen Fragen gewandt hat.
Weitere Wissenschaften
Einer der Schüler des Ibn Tufayl war der cordobeser Arzt Ibn Rusd, bei uns besser bekannt unter dem Namen Averoes (1126-1198). Er verband die aristotelische Metaphysik mit der neuplatonischen Emanationslehre und nahm einen einheitlich tätigen Verstand an, der das individuelle Denkvermögen aktualisiere, während die Einzelseele an den Leib gebunden und wie dieser sterblich sei. Moderne Orientalisten haben sich natürlich gefragt, wie weit die averroistischen Positionen mit dem islamischen Credo vereinbar seien. Der letzte Stand der Forschung ist, dass der Philosoph aus Córdoba sich keine nennenswerten Abweichungen erlaubt hat. Zu den stärksten Kritikern Averroes gehörte Thomas von Aquin.
Seit der Zeit der Almoraviden war der Mystizismus in al-Andalus im Aufschwung. Wichtigster Vertreter dieser Richtung war Ibn Arabi, aber noch bekannter in der christlichen Welt war Ibn Sabin, an den sich der Staufer Friedrich II. mit einigen philosophisch-theologischen Fragen gewandt hat.
Weitere Wissenschaften
Anfang des 9. Jahrhunderts wurden im Orient die arabischen Ziffern eingeführt. Sie sollten vor allem dazu dienen, die kaufmännische Buchführung zu erleichtern. Sehr bald erreichten sie al-Andalus, von wo aus sie ihren Siegeszug auch in die christliche Welt antraten. Viele der exakten Wissenschaften waren im Islam eingeschränkt, da sie im Widerspruch zu einigen Aussagen des Korans standen. Das galt nicht für die Geometrie, die zusammen mit der Astronomie bei der Ausrichtung der Mezquitas benötigt wurde. Der Aufschwung der Astronomie begann mit dem Madrider Maslama; der höchste Exponent dieser Wissenschaft in al-Andalus war allerdings der Toledaner Azarquiel, der sich besonders durch Berechnungen von Planetenbahnen auszeichnete. Von den Naturwissenschaften wurden vor allem die Pharmazie, Medizin und Zoologie gepflegt. Dass die Mauren auch großartige Architekten waren, beweisen nicht nur ihre Bauwerke in Granada und Córdoba.
Datum:
17.06.2008
Quelle:
SAZ
Autor:
Ralf Peters
Bildquelle:
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Suchbegriffe: Mauren, Spanien, Mittelalter, Geschichte
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