Sie befinden sich hier: Titelseite > Forum > Sprachenstreit in Spanien
Tell a friend   als PDF speichern...   Drucken  

Sprachenstreit in Spanien


Alle Themen | Anmelden, um eine Antwort zu schreiben


tami69

weiblich Spanien

Mitglied seit: 21.01.2008

Beiträge: 33

tami69
schrieb am 11.06.2008 um 18:24 Uhr
Wer im Freundes- und Familienkreis Menschen hat, die von Francos Leuten eingesperrt oder ermordet wurden, weil sie Katalanisch gesprochen haben, wird es wohl nachvollziehen können, warum die Regionalsprache für viele ein ernstes Thema ist.

Ich persönlich habe es auch weder in Katalonien, noch in der Comunidad Valenciana erelebt, dass die Leute nicht automatisch Castellano reden, wenn sie merken, dass jemand der anderen Sprache nicht mächtig ist.

Der Balearen-Regierung geht es doch nur darum, die Ansage bei Flügen nach Mallorca in beiden offiziellen Sprachen zu bringen. Sie haben sogar auf Deutsch, und nicht auf "Mallorquín" angefragt.

Air Berlin ist bei dem Artikel meiner Meinung nach über das Ziel hinausgeschossen und hat die Provokation ins Rollen gebracht. Natürlich kann es deshalb aber nicht angehen, dass die Flotte jetzt mit Nazi-Symbolen und als "Air Goebbels" verumglimpft wird. Jetzt übertrumpfen sie sich gegenseitig... wie die kleinen Kinder. Dabei gibt es doch so einfache Lösungen, diesem Kleinkrieg schnell ein Ende zu bereiten...

Es geht doch nicht darum, dass ab sofort alle x-beliebigen Airlines ihre Ansagen auf Catalán machen. Aber vor dem Hintergrund, dass Air Berlin den spanischen Hauptsitz in Palma hat, finde ich die Forderung der Balearen gar nicht so abwägig. Air Berlin würde sich mit den Balearen noch verbundener zeigen. Haben sie nicht kürzlich, ein riesiges Balearen-Festival in Berlin-Mitte veranstaltet?

Herr Hunold muss mit Sicherheit keine "katalanischen Stewardessen" einstellen. Es würde doch reichen, wenn man ein Tape in der Regionalsprache am Anfang und Ende des Fluges einspielt, wie es auch beispielsweise Iberia macht. Das kostet sicher nicht die Welt und ist kundenfreundlich. Und an Kundenfreundlichkeit sollte doch einem Unternehmen gelegen sein, wenn es nicht bald rote Zahlen schreiben will.

Wie ein Finanz-Portal kürzlich bemerkte, hat Air Berlin eigentlich ganz andere Sorgen. In Anbetracht der steigenden Treibstoffpreise ist es nicht gesagt, dass eine Billig Airline ohne weiteres überleben wird, auch wenn es die zweitstärkste Airline in Deutschland ist. Mehr Chancen habe da wohl Lufthansa, die dank ihrer Preispolitik die Krise eher überleben kann, so das Portal.

Alle anderen Diskussionen zum Thema Catalán-Castellano fallen ja wohl eher in das innenpolitische Ressort, da sollte sich ein deutsches Unternehmen lieber nicht einmischen.

Die persönliche Meinung des Einzelnen ist wieder etwas anderes. Hier kann man pro und contra sein. Leider vergleichen viele Deutsche das Sprachenthema in Spanien immer wieder mit deutschen Dialekten wie Bayerisch oder Kölsch. Meines Wissens nach ist in Deutschland noch niemals jemand unterdrückt worden, der seinen regionalen Dialekt gesprochen hat. Von den Diskriminierungen in der Vergangenheit (die Diktatur ist noch gar nicht so lange her und noch vielen Spaniern in guter Erinnerung) wissen die meisten deutschen Mallorca-Urlauber oder Residenten in der Comunidad Valenciana doch gar nichts.

Die Regionalsprachen werden in erster Linie für Berufe im öffentlichen Dienst verlangt. Nicht nur die Privatschulen unterrichten in Castellano, auch viele staatliche oder subventionierte Schulen, z.B. an der Costa Blanca, lassen den Schülern die freie Wahl, ob sie beispielsweise Naturwissenschaften in Castellano oder Valenciano erlernen möchten. Natürlich gibt es aber auch reine Valenciano-Schulen. Wer sein Abi machen möchte, muss aber auch hier in Castellano bestehen. Die Universitäten lassen Studenten aus anderen Ländern oder den übrigen Regionen Spaniens übrigens auch ohne Catalán/Valenciano zu. Auch hier kann man zwischen beiden Sprachrichtungen wählen.

Zuguterletzt: Ich finde es immer lustig, wenn eine "Fallera Mayor" oder ein "Falla-Künstler" während der Fallas in Valencia live im Fernsehen interviewt wird. Man darf davon ausgehen, dass es sich um waschechte Valencianos handelt, die mit den Traditionen der Region eng verbunden sind. Nicht selten stellte der Moderator seine Fragen in Valenciano, die Befragten antworteten aber in reinstem Castellano... und das im regionalen Fernsehen. Und sie werden trotzdem nicht von ihren Landsleuten diskriminiert...












Wilhelm Wagner

männlich Spanien

Mitglied seit: 27.12.2007

Beiträge: 86

Wilhelm Wagner
schrieb am 11.06.2008 um 12:02 Uhr
Zum Thema Katalanisch folgender Gedanke:

Katalanisch ist eine wunderbare Sprache, die aufgrund ihrer Tradition für Katalonien das Tor zu Europa sein könnte. Es gibt zum Beispiel wunderbare Gedichte auf Katalanisch.

Leider wird die Sprache seit Jahren in Katalonien, Mallorqua und im Land Valencia für politische Interessen und zur Abkapselung missbraucht - und wer dagegen ist, wird von nationalistischen Politikern als Faschist und Franco-Anhänger beschimpft. Das ist kindische Antifa-Logik, die auf Flugblätter gehört, aber nicht in eine ernsthafte Debatte.

Tatsächlich schweigt die sozialistische Regierung in Madrid dazu, weil sie nur mit Duldung dieser Nationalisten regieren kann. Und immer öfter hört man auch von deutschen Parteigängern der Sozialisten die Meinung, man lebe schließlich im "Europa der Regionen", also müsse man regionale Eigenarten auch tolerieren.

Über diese hohle "Toleranz" können alle die Deutschen nur gequält lächeln, die in Spanien leben, leidlich Castellano sprechen, von ihrem Arzt im öffentlichen Gesundheitssystem aber mit der Bemerkung nach Hause geschickt werden, sie möchten doch bitte mit einem Katalanisch-Dolmetscher wiederkehren. Wobei meistens das Wörtchen Bitte enfällt. Das kommt zwar nicht immer vor, aber immer öfter. Und es ist ja nicht so, als hätten diese Menschen nicht das durch die EU verbriefte Recht auf eine Behandlung.

Die von Air-Berlin-Boss Hunold angeprangerte tatsächlich stattfindende Benachteiligung der spanischen Sprache (Castellano) in Schulen und generell im öffentlichen Dienst trifft ja im übrigen nicht nur Ausländer, sondern auch viele Spanier.

Die flüchten sich zum Beispiel oft nur deshalb in teure Privatschulen, weil man sie in ihren heimischen öffentlichen Schulen mit Katalanisch, das sie nicht sprechen, als Unterrichtssprache traktiert hat ...




Wilhelm Wagner

männlich Spanien

Mitglied seit: 27.12.2007

Beiträge: 86

Wilhelm Wagner
schrieb am 11.06.2008 um 10:42 Uhr
Der Streit um Air Berlin wird ungemütlich ... jetzt lassen katalanisch-mallorquinische Extremisten sogar schon Flugzeuge von Air Berlin abstürzen, wenn auch nur auf Video ... was soll man davon halten?




Anfang
vorhergehend
1 2 3 
nächste
Ende

Einträge 11 bis 13 von 13 | Seite 3 von 3
saz-aktuell.com - copyright © 2005 - 2008 by Kirme Media, S.L. | Powered by Digital Desire Group | Erzeugt in 0,25 Sekunden.