Fallas 2018: Feuer, Stierkampf, Tapas und Blumen in Valencia

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Wer denkt, dass in Spanien nur im Sommer gefeiert wird, irrt gewaltig. Sogar Stierkämpfe gibt es schon im Frühling – wer einen schattigen Nachmittag mit Dunst und heraufziehender Kälte erleben und dabei die besten Toreros der Welt sehen will, ist also bei den Fallas in Valencia genau richtig. Natürlich auch dann, wenn man keine Stierkämpfe mag. Denn die Fallas sind ein richtiges Volksfest, für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Schon jetzt laufen die Festlichkeiten, jeden Tag um 14 Uhr gibt es ein Böllerkonzert auf dem Rathausplatz, das im wahrsten Sinne des Wortes die Wände wackeln lässt. Für die Einheimischen ist das Geballer nicht nur wie Musik. Es ist Musik, hat Komponisten, die bekannt sind. Klar, dass Neulinge nur den ohrenbetäubenden Lärm registrieren werden. Aber mit ein wenig Übung erkennt man den Takt, die Choreografie. Fünf Minuten lang dauert die Böller-Symphonie, dann geht sie nach dem „Erdbeben“, das vor allem die Magengegend unter enormen Stress stellt, unter tosendem Beifall zu Ende.

Alles fliegt in die Luft

Schon gleich nach der Ankunft in Valencia, egal wo man landet, auf dem Bahnhof (also gleich neben der Stierkampf-Arena), auf dem Flughafen oder einem Parkplatz, wird klar, dass es sich bei den Fallas um ein Fest der Superlative handelt. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, Tag und Nacht, tausende von Touristen mischen sich darunter. Unaufhörlich explodieren Knaller, schon die Allerkleinsten rennen mit Tüten voller Chinaböller durch die Gassen und jagen alles in die Luft. Auch das: Tag und Nacht.

Und so bietet sich jedes Jahr das gleiche Bild: Während die Spanier, die das Szenario mit der Muttermilch aufsaugen, unbeirrt ihrer Wege durch die Stadt ziehen, zucken die lärmempfindlichen Besucher bei jedem Böller zusammen. Schon das gibt Bilder für die Ewigkeit.

Die imposanten, bis zu zwanzig Meter hohen Fallas–Figuren, sorgen dann für die Höhepunkte der Kulisse. Sie werden in den Tagen vor ihrer Verbrennung aufgebaut, auf jedem Fleck der Stadt, der dazu Platz bietet, wird eine aufgebaut. Sie gelten als Hauptakteure des Festes, am 15. März eines jeden Jahres sind sie dann alle vollständig aufgestellt.

Valenciano oder Englisch

Die meisten von ihnen thematisieren ein Detail der aktuellen politischen Lage oder auch irgendeine Lebensweisheit. Oft sieht man das erst auf dem zweiten Blick, oft hilft nur das Lesen der bereit gestellten Infoschilder. So man denn Valenciano beherrscht. Denn vor allem zu den Fallas besinnen sich die Valencianer ihrer Herkunft und sprechen mit Vorliebe ihre Landessprache – natürlich sprechen sie mittlerweile auch Englisch und helfen gerne weiter. Die größte dieser Fallas steht auf dem Rathausplatz und ragt über die Besuchermassen hinweg. Brenn sie dann am Ende der Fallas, sieht man noch aus dem Weltall im Satellitenbild.

Etwas näher dran kommt man als Tourist. Fast unmöglich ist es, alle rund 400 Fallasgruppen an einem Tag zu besichtigen, denn zu Fuß sind die Entfernungen mitunter enorm, um von einem Ende der Stadt zum anderen zu gelangen. Dazu muss man ja aber auch ständig stehen bleiben und Tapas essen. Oder ein Bierchen trinken. Selbst ohne Falles ist Valencia schließlich eine sehenswerte Stadt.

Ein Kleid aus Blumen

Wer es ruhig mag, ist bei der „Ofrenda“ genau richtig, der Blumengabe. Es ist der religiöse Höhepunkt der Fallas. In einer Prozession laufen die Falla-Vereinigungen aus dem ganzen Land Valencia zur Plaza de Virgen an der berühmten Kathedrale – eine Prozedur, die Stunden braucht. Die Frauen ziehen in atemberaubend schönen Kleidern durch die Straßen und überbringen der Schutzheiligen zahllose Blumengebinde. Die werden dann an einer Holzstatue zu einem Kleid für die Jungfrau gewirkt – ein Kleid aus verschiedenfarbigen Nelken. Bei dem Anblick des duftenden und farbenprächtigen Blütenmeeres sind die Böllerschüsse schnell vergessen. Unzählige Menschen wollen an der von Blumen übersäten Statue vorbeilaufen und das Kunstwerk bestaunen. Wer es ohne Rummel sehen will, kommt am besten nachts. Wobei, alleine ist man auch dann nie in Valencia.

Am Abend des letzten Falla-Tages, traditionell der 19. März, rückt die Stunde des Feuers immer näher. In diesem Jahr ist es der Montag. Für die nötige Stimmung sorgt ein imposanter Feuerumzug. Verkleidete Menschen auf Stelzen schwingen bedrohlich große Feuerfontänen und tanzen wild an den Zuschauern vorbei. Ein großes Feuerwerk sorgt dafür, dass auch der letzte Besucher komplett in Rauch eingehüllt wird. Ein detailliertes Programm gibt es in der lokalen Presse. Im folgenden bieten wir ein …

Programm mit den Höhepunkten

Mittwoch, 7. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Gironina).

Donnerstag, 8. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Caballer FX).

Freitag, 9. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Alpujarreña). Ab 20 Uhr 30 steigt ein Rockkonzert mit Javier Gurruchaga, Fortu Sánchez, Shuarma, José María Guzmán, Micky, Pau Monteagudo, Aurora García und All Star Band.

Samstag, 10. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Hermanos Baller). Um Mitternacht großes Feuerwerk. Stierkampf: José Antonio Valencia, Arturo Gilio und Borja Collado

Sonntag, 11. März 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Tomás). Um 11 Uhr 30 gibt es ein Konzert mit der Banda Municipal de València. Stierkampf: Juan José Padilla, El Fandi und Román

Montag, 12. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Ferrándiz). Stierkampf: Jesús Chover, Alejandro Gardel und Ángel Téllez. Alle Stierkämpfe beginnen um 17 Uhr.

Dienstag, 13. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Crespo). Stierkampf: Toñete, Jorge Rico und Marcos

Mittwoch, 14. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Zarzoso). Stierkampf: David Mora, Álvaro Lorenzo und Luis David Adame

Donnerstag, 15. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Ricasa). Stierkampf: Juan Bautista, Daniel Luque und José Garrido

Freitag: 16. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Aitana). Um Mitternacht großes Feuerwerk auf dem Paseo de la Alameda (Pirotecnia Mediterráneo). Stierkampf: Sebastián Castella, José María Manzanares und Roca Rey

Samstag, 17. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Turís). Ab 15 Uhr 30 die Ofrenda a la Virgen de los Desamparados. Um ein Uhr morgens steigt ein großes Feuerwerk auf dem Paseo de la Alameda (Pirotecnia Peñarroja). Stierkampf: Enrique Ponce, Alejandro Talavante und Paco Ureña

Sonntag, 18. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Valenciana). Ab 15.30 geht die Ofrenda weiter. Stierkampf: Miguel Ángel Perera, Cayetano und López Simón

Montag, 19. März: 14 Uhr Mascletà (Pirotecnia Martí). Ab 22 Uhr steigt die Verbrennung (Cremà) der Kinder-Falleas, um 22.30 werden die von der Jury prämierten Kinder-Fallas verbrannt. Um 23 Uhr wird die Kinder-Falla auf der Plaza del Ayuntamiento verbrannt. Ab Mitternacht folgt dann die Verbrennung aller anderen Fallas. Um ein Uhr morgens endet das Fest mit einem großen Feuerwerk aukf der Plaza del Ayuntamiento (Pirotecnia Martí), dazu wird die große Falla dort ebenfalls verbrannt. Stierkampf: Antonio Ferrera, Román y Ginés Marín. Am Vormittag gibt es Stierkämpfe mit berittenen Toreros: Andy Cartagena, Sergio Galán und Lea Vicens.

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