Eurovision Song Contest 2017: Spaniens Manel Navarro sorgt für Surf-Stimmung – und Ohrfeigen!

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Hurra, die Warterei hat ein Ende. Nach einem Jahr ohne Schlagerfestival steht der 62. Eurovision Song Contest ins Haus. Diesmal in Kiew, weil im Vorjahr Jamal für die Ukraine gewonnen hat. Nach 2005 findet das Spektakel zum zweiten Mal im International Exhibition Centre (IEC) statt, vom 9. bis 13. Mai 2017. 42 Länder machen diesemal mit, ein Rekord. Das Finale wird am 13. Mai wie gewohnt um 21 Uhr ausgetragen, wie immer sendet das Erste live und in Farbe.

Weil vor allem für die osteuropäischen Staaten der Eurovision Song Contest mittlerweile die Bedeutung einer Fußball-WM erreicht oder sogar noch überschritten hat, gibt es wenig Humor unter den Teilnehmern, dafür umso mehr Hickhack im Umfeld. Natürlich auch mit Russland, das politisch im Clinch mit der Ukraine liegt. Auf der offiziellen Webseite des ESC heißt es dazu: „Politisch ist die Situation zwischen Russland und der Ukraine stark angespannt. Daher war lange die Teilnahme von Russland unsicher, kurz wurde sogar der Rückzug von der Krim als Bedingung diskutiert und über ein Einreiseverbot für russische Künstler spekuliert. Schließlich folgte die Zusage von Russland. Doch damit waren die ESC-Zerwürfnisse beider Länder nicht beigelegt. Die am 12. März intern nominierte russische Sängerin Julia Samoylova erhielt am 22. März vom ukrainischen Geheimdienst ein Einreiseverbot. Die 27-Jährige ist 2015 bei einem Konzert auf der von Russland annektierten Krim aufgetreten und habe somit gegen ukrainisches Recht verstoßen, heißt es aus Kiew. Mitte April gab das russische Staatsfernen bekannt, sich vom Wettbewerb zurückzuziehen und den ESC auch nicht zu übertragen.“

Samoylova soll jetzt im nächsten Jahr für Russland starten…

Samoylova soll jetzt im nächsten Jahr für Russland starten. Ob sie das trösten kann? Natürlich gilt das Versprechen ja auch nur für den Fall, dass die Ukraine ihren Titel nicht verteidigen kann. Kaum anzunehmen, dass Russland im kommenden Jahr wieder dabei sein wird. Immerhin kehren Rumänien und Portugal nach einem Jahr Pause wieder zum ESC zurück, die Türkei ist allerdings nicht mit dabei. Weil sie das meiste Geld für die Veranstaltung beisteuern, sind wie immer auch einige Länder sicher im Finale mit dabei, die so genannten Big Five: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.

Eine Menge Polemik gab es aber auch um den spanischen Starter Manel Navarro. Der Katalane gewann Mitte Februar mit seinem Song „Do It For Your Lover“ den spanischen Vorentscheid „Objetivo Eurovisión“. Allerdings löste sein Sieg nicht unbedingt nur Freude aus, denn die spanische Fangemeinde hatte eigentlich eine andere Kandidatin klar bevorzugt: „LeKlein“ hatte mit mehr als 63 Prozent der Zuschauerstimmen eine Wildcard für die Endrunde des Finales gewonnen, wurde allerdings von der parallel tagenden Jury aus Experten des spanischen Staatsrundfunks aus dem Match geworfen. Hintergrund: Um die Veranstaltung bei den Fans aufzumöbeln,wurde in diesem Jahr ein aufwendiges Wildcard-System installiert, um für mehr Zuschauerbeteiligung zu sorgen. Eine Jury reduzierte aber die zehn Favoriten der Internet-User, die über die Wildcards abstimmen durften, auf drei. Die wurden im folgenden „Eurocasting“-Konzert noch einmal dem Publikum zur Wahl gestellt.

“Manel Navarro war mein Favorit aus rein künstlerischen Motiven heraus…“

Dann wurde zu allem Überfluss auch noch im Finale die mit Navarro punktgleiche Sängerin Mirela durch eine Stichentscheidung der Jury auf den zweiten Platz verwiesen. Pfiffe, Anschuldigungen vor laufenden Kameras, das Ende der Show war dann doch eher unschön. Navarro wurde danach sogar Gegenstand einer Debatte im spanischen Parlament. Die Sozialisten baten das staatlichen Rundfunksender RTVE, den von ihr zu verantworteten und veranstalteten Eurovision-Contest zu erklärten, vor allem, wieso es zum offenen Eklat um Navarro kommen konnte. Jury-Mitglied Xavi Martínez, der nach der Sendung von aufgebrachten Fans Mirelas tätlich angegriffen wurde, erklärte: “Manel Navarro war mein Favorit aus rein künstlerischen Motiven heraus.“ Zu den Vorkommnissen erklärte er: „Alles ging ganz schnell. Als ich von der Bühen ging, kamen vier oder fünf Typen, die im Publikum waren. Sie sind mir nachgelaufen. Sie haben nach mir geschrien und mich mit dem Tode bedroht. Danach gaben sie mir eine Ohrfeige, ich hatte keine Zeit, zu reagieren.“

Dass sich Navarro vor laufenden Kameras auch noch zu einem unschönen Finger gegen das buhende Publikum herabließ, verbesserte seine Position nicht. Der Sänger später: „Ich entschuldige mich für meine Geste, die ich im Eifer der Livesendung gemacht habe.“

Navarro: „Eine große Chance für mich, auch international bekannt zu werden…“

Wie Navarro das Spektakel wegsteckt, wird die Frage sein. Mit Bescheidenheit will der erst 20-jährige Sängers jedenfalls offenbar nicht punkten. Der Katalane sagte wenigstens selbstbewusst im Vorfeld: „Ich bin ein ehrlicher und natürlicher Typ. Ich schreibe meine Songs selbst und sehe gut vor der Kamera aus.“ Was zu beweisen sein wird. Die blonden, langen Locken, die blauen Augen und die jungenhafte Erscheinung könnte für Punkte sorgen. Ob der ESC dann das erhoffte Karrieresprungbrett für Navarro wird, das er sich erhofft, bleibt abzuwarten. Navarro: „Es ist eine große Chance für mich, auch international bekannt zu werden. Es ist die wichtigste Musik-Show in Europa, vielleicht sogar weltweit. Ich bin total begeistert, dass ich diese Eurovision-Erfahrung machen darf.

Sein Song „Do It For Your Lover“ ist in Spanien immerhin schon jetzt ein Radio-Hit, Navarro singt in spanischer und englischer Sprache, der Refrain geht ins Ohr. Ob er aber dort auch bleibt?Im Video zum Lied sieht man den Sonnyboy mit Surfbrett und Hawaii-Hemd am Palmen-Strand in die Saiten seiner Gitarre greifen – Urlaubsstimmung pur. Den Text sowie die Musik hat Navarro selbst geschrieben, zusammen mit Antonio Rayo.

Navarros Lebenslauf weist bereits einige Erfolge aus. Der aus Sabadell stammende Sänger begann mit 14 Jahren, Gitarre zu spielen und machte mit Cover-Versionen von sich reden, die er im Internet veröffentlichte. 2014 gewann er dann den Talentwettbewerb „Catalunya Teen Star“. Im selben Jahr unterzeichnet er dann seinen ersten Plattenvertrag. Zu den musikalischen Vorbildern gehört unter anderem Bob Dylan.

Fakt ist aber, dass sich die spanischen Teilnehmer in der jüngeren Vergangenheit nicht wirklich mit Ruhm bekleckert haben. In Vorjahr war für Barei in Stockholm nicht mehr als Platz 22 drin. Die beiden bisherigen Siege Spaniens liegen lange zurück: 1968 und 1969 konnten die Iberer zweimal in Folge gewinnen. 1968 gewann Massiel mit La, la, la mit einem Punkt Vorsprung vor Cliff Richard und seinem Lied Congratulations. Danach musste sich Siegerin Salomé mit Vivo cantando den Sieg aber mit Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden teilen.



Video Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=SwS45HBhzTs / Text: Wilhelm Wagner

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