El Gordo 2017: Auf nach Sort in Katalonien! Oder doch lieber online Lose kaufen?

Featured Video Play Icon

Weihnachten beginnt, je nach Lesart, mit dem 1. Advent. Für viele aber auch mit dem Nikolaustag. Andere fangen spät an, Heilig Abend. Wiederum andere nutzen schon die ersten Lebkuchen in den Supermärkten Ende Oktober, um sich in festliche Stimmung zu bringen. Für die meisten Spanier beginnt Weihnachten allerdings am 22. Dezember. Und das hat seinen Grund. An diesem Tag nämlich wird die legendäre Lotterie „El Gordo“ ausgespielt. Mit landesweitem Echo.

Wie die Zeitung „El Mundo“ schreibt, beginnt für 69,2 Prozent der Loskäufer die Weihnachtszeit mit der Ziehung der berühmten Zahlen am 22. Dezember – im Volksmund „Gordo“ genannt (der „fette“ Gewinn). Ganz Spanien schaut dann elektrisiert in die Röhre, ins Internet oder hört Radio – und hofft, auf einen Schlag steinreich zu werden.

Vereine oder Dörfer häufig Tippgemeinschaften, die der Hauptpreis „El Gordo“ oft gleich um Millionen reicher macht

Die weitaus größte Zahl der aber interessiert sich nicht für irgendwelche Zahlenkomibinationen. Sie wollen ihre Gewinnchancen mit einem besonderen Datum verbinden. Denn jedes Los bekommt seine besondere Nummer. Dafür kauft man so genannte Anteilsscheine (Decimos). In der Vergangenheit war eine beliebte Nummer zum Beispiel die 25609 – der  Tag, an dem Michael Jackson starb.

Da ein Einzellos mit 200 Euro vergleichsweise teuer ist, kauft man in Spanien traditionell Zehntel-Beteiligungen, sogenannte „Décimas“ an einer Losnummer. So bilden Vereine oder Dörfer häufig Tippgemeinschaften, die der Hauptpreis „El Gordo“ oft gleich um Millionen reicher macht. In den Kneipen und Restaurants in Spanien kann man solche Anteilsscheine kaufen und damit gleichzeitig den Verein, der sie ausgibt, unterstützen. Man zahlt dann allerdings nicht nur 20 Euro, sondern einen kleinen Ausgabeaufschlag noch dazu. Dafür hat man viele Freunde, wenn man gewinnt. Denn die anderen haben ja eben auch gewonnen.

Die Ziehung ist ein Spektakel, das einer festgelegten Liturgie folgt

Jeder Spanier gibt im Durchschnitt 55 Euro in diese Lotterie aus, die jedes Jahr am 22. Dezember live im Fernsehen übertragen wird. Und das nicht nur fünf Minuten lang. Denn die Ziehung ist ein Spektakel, das einer festgelegten Liturgie folgt. Es ist quasi die Hochmesse der Lotto-Spieler. Die Litanei der Losnummern, die von singenden Kindern in der Oper in Madrid gezogen werden, dauert drei Stunden. Die erste Ziehung liegt bereits über 200 Jahre zurück, was das traditionelle spanische weihnachtliche Lottofieber erklären könnte.

Die Gewinnchance ist mit 1:100.000 sehr hoch

Die Sonderziehung der staatlichen Lotterie heißt dabei streng genommen „Loteria de Navidad“ (Weihnachtslotterie). Sie ist die größte und älteste Ziehung weltweit mit einer Gewinnausschüttung von vermutlich fast 2,3 Milliarden Euro auch in diesem Jahr. Die Gewinnchance ist dabei mit 1:100.000 sehr hoch. Zum Vergleich: Bei dem deutschen Lottoklassiker 6 aus 49 liegt die Wahrscheinlichkeit für den Hauptgewinn nur bei 1:140.000.000.

Laut Miguel Córdoba Bueno, Dozent für angewandte Mathematik an der Universität CEU San Pablo, liegen die Gewinnwahrscheinlichkeiten folgendermaßen: 84,32 Prozent der Lose verlieren, immerhin zehn Prozent gewinnen den Einsatz zurück. 5,68 Prozent der Lose gewinnen tatsächlich. (Quelle: Wikipedia)

Um möglichst eine perfekte Nummer zu bekommen, kaufen viele Teilnehmer ihre Lose bereits im November – und mit einer professionellen Nummernsuche

Immer mehr Lose werden übers Internet verkauft, sehr viele Online-Spieler kommen aus dem Ausland, mittlerweile mehr als 50 Prozent. Um möglichst eine perfekte Nummer zu bekommen, kaufen viele Teilnehmer ihre Lose bereits im November. Der Verkauft beginnt dabei bereits im Juli. Es ist nie zu früh, bei „El Gordo“ mitzumachen. Online gibt es sogar Nummernsuch-Maschinen, die anzeigen, in welchem Laden man seine Wunschnummer kaufen kann, wenn es sie online nicht geben sollte. Fakt ist: Ohnehin unternehmen Spanier oft tagelange Reisen, um „ihre“ Nummer zu ergattern. Oder um die Billets in einem Dorf oder einer Stadt zu ergattern, die in der Vergangenheit für Siege bekannt geworden war.

Die erste Gewinn-Nummer im Jahr 1812 war  03604

Die Zahlenkombination, mit der die erste Ziehung im Jahr 1812 gewonnen wurde, war folgende: 03604. Wer also zurück zu den Ursprüngen will, kann diese Zahl versuchen. Die Nummer, die bislang allerdings am häufigsten gezogen wurde, ist die 1. Die 4 wurde dagegen am seltensten gezogen. Kaffeesatzleserei?

Auf geht’s nach Sort in Katalonien

Besonders beliebt ist die Verkaufsstelle La Bruixa d’Or im katalanischen Dörfchen Sort. Denn Sort bedeutet auf Katalanisch „Glück“  – was traditionell die Glücksucher aus Spanien anzieht. Und tatsächlich wurden in Sort schon überdurchschnittlich viele Gewinner-Lose verkauft. Die Verkaufsstelle La Bruixa d’Or (katalanisch: Die Goldhexe) ist jedenfalls mit Abstand die umsatzstärkste des Landes. Hier können im übrigen die Lose auch per Internet bestellt werden, die dann mit der Post geliefert werden, damit man sich mit dem Schein in der Hand am 22. Dezember vor die Glotze hocken kann. Oder vor den Monitor.

Fakt ist: Ausländer stellen mittlerweile die Gruppe der Teilnehmer, die das meiste Geld in „El Gordo“ investiert. Im Jahr 2015 gab jeder Nicht-Spanier, der mitmachte, rund 72 Euro aus.

1.794 Preise über je 1.000 Euro, genannt Pedrea („Hagel- oder Steinschlag“), weil es diese Preise bei der Ziehung nur so hagelt

Die Wikipedia listet die Gewinn-Optionen im einzelnen auf. Das viele, schöne Geld verteilt sich demnach wie folgt:

1 Erster Preis über 4.000.000 Euro, genannt El Gordo.

1 Zweiter Preis über 1.250.000 Euro.

1 Dritter Preis über 500.000 Euro.

2 Vierte Preise über 200.000 Euro.

8 Fünfte Preise über 60.000 Euro.

1.794 Preise über je 1.000 Euro, genannt Pedrea („Hagel- oder Steinschlag“), weil es diese Preise bei der Ziehung nur so hagelt.

9.999 Einsatzrückzahlung (reintegros) über 200 Euro für die Losnummern, deren letzte Ziffer mit der letzten Ziffer des Ersten Preises übereinstimmt

Es gewinnen alle 160 billetes der gezogenen Losnummern. Die Gesamtgewinnsumme z.B. des Gordo macht also 640 Mio. Euro aus. Neben den gezogenen Nummern gewinnen aber auch noch andere nicht gezogene Losnummern:

2 Preise über 20.000 Euro für die Losnummern direkt vor und nach dem Ersten Preis (aproximación).

2 Preise über 12.500 Euro für die Losnummern direkt vor und nach dem Zweiten Preis(aproximación).

2 Preise über 9.600 Euro für die Losnummern direkt vor und nach dem Dritten Preis (aproximación).

297 Preise über 1.000 Euro für die Losnummern, deren erste 3 Ziffern mit den ersten 3 Ziffern des Ersten, Zweiten oder Dritten Preises übereinstimmen (centena).

198 Preise über 1.000 Euro für die Losnummern, deren erste 3 Ziffern mit den ersten 3 Ziffern einer der beiden Vierten Preise übereinstimmen (centena).

2.997 Preise über 1.000 Euro für die Losnummern, deren letzten beiden Ziffern mit den letzten beiden Ziffern des Ersten, Zweiten oder Dritten Preises übereinstimmen.

9.999 Einsatzrückzahlung (reintegros) über 200 Euro für die Losnummern, deren letzte Ziffer mit der letzten Ziffer des Ersten Preises übereinstimmt.



Video Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=5BKc_pq4eu4 / Text: Wilhelm Wagner

Kommentar hinterlassen on "El Gordo 2017: Auf nach Sort in Katalonien! Oder doch lieber online Lose kaufen?"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*