Valencia, das spanische Griechenland! "Vom Wirtschaftswunder zum Schulden-El Dorado"


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Maria Font 
- 01.02.2012

Valencia, das spanische Griechenland! "Vom Wirtschaftswunder zum Schulden-El Dorado"
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Die Region Valencia war bis vor wenigen Jahren ein Aushängeschild des spanischen Wirtschaftswunders. Heute gilt sie als ein Symbol von Krise und Korruption.



Es ist schon gut zehn Monate her, dass der Flughafen von Castellón feierlich eröffnet wurde. Flugzeuge sind auf dem Airport der ostspanischen Stadt aber bis heute nicht gestartet oder gelandet. Kritiker hatten das Projekt von Anfang als überflüssig und größenwahnsinnig bezeichnet. Der «Geisterflughafen» ist nur eines von vielen Beispielen von Prasserei und Misswirtschaft in der Region Valencia.

Noch vor wenigen Jahren war die Mittelmeerregion - mit 23.300 Quadratkilometern und 5,1 Millionen Einwohnern etwas größer als Bundesländer wie Hessen oder Sachsen - ein Eldorado gewesen, das in anderen Gegenden Spaniens Neid erweckte. Die Regionalhauptstadt Valencia erhielt eine «Stadt der Künste und der Wissenschaften» mit mehreren architektonisch spektakulären Bauwerken, deren Kosten auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt wurden.

Die Hafenstadt wurde Schauplatz der weltweit bedeutendsten Segelregatta des America's Cup und Austragungsort von Formel-1-Rennen. Die Region, die bis dahin vor allem durch ihre Orangenhaine und Badestrände bekannt war, wurde zu einem Aushängeschild des spanischen Wirtschaftswunders.

Heute ist sie eher ein Symbol der Krise und gilt als ein Hort der Verschwendung. Die seit mehr als 16 Jahren von der konservativen Volkspartei (PP) regierte Region ist praktisch pleite. Zahlreichen Schulen droht die Schließung, Universitäten stehen am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Im Dezember 2011 konnte die Regierung einen fälligen Bankenkredit nicht zurückzahlen und musste von der Madrider Zentralregierung «gerettet» werden. Böse Zungen sprechen von einem «spanischen Griechenland».

Riesensummen von Steuergeldern wurden für ruinöse Prestige-Projekte verprasst. Die überdimensionierten Vorhaben brachten der Region einen immensen Schuldenberg ein: In keiner der 17 spanischen Regionen sind die Verbindlichkeiten der öffentlichen Hand so groß wie in Valencia: 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die Großvorhaben leerten die staatlichen Kassen, verhalfen aber Baulöwen und anderen Geschäftsleuten zu Reichtümern. Dies zeigte sich erstmals beim Bau des 2000 eröffneten Vergnügungsparks «Terra Mítica» beim Badeort Benidorm. Firmen kassierten mit falschen Rechnungen ab, die Anlage stand jahrelang am Rande des Bankrotts. In Alicante wurde für 240 Millionen Euro eine Straßenbahnlinie gebaut, auf der bis heute keine Züge fahren, weil sich kein Betreiber fand. Die Stadt erhielt auch einen großen Komplex von Filmstudios, genannt «Die Stadt des Lichts». Kürzlich gingen wegen Geldmangels die Lichter aus.

Korrupte Politiker und halbseidene Politiker arbeiteten bei der Plünderung der öffentlichen Kassen häufig Hand in Hand. Ein ehemaliger Stadtrat berichtete der Zeitung «El País»: «Mir wurde gesagt: Das macht man hier so.» In allen größeren Städten der Region deckte die Justiz in jüngster Zeit Korruptionsskandale auf und leitete Ermittlungen gegen Dutzende von Verdächtigen ein.

In der Zeit des Booms hatte Spaniens jetziger Ministerpräsident Mariano Rajoy die Region noch als ein Vorbild bezeichnet. «Wenn ich an die Regierung komme, werde ich diesem Modell folgen», sagte er als Oppositionsführer vor vier Jahren. An diese Worte wird der konservative Regierungschef heute nur ungern erinnert werden. In sein Kabinett nahm er keinen einzigen Politiker aus Valencia auf.



Schlüsselwörter: Korruption Valencia Krise Euro Regierung Alicante Züge Zeitung
Bild: wikipedia / Text: dpa




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