Valencia, das spanische Griechenland! "Vom Wirtschaftswunder zum Schulden-El Dorado"
Die Region Valencia war bis vor wenigen Jahren ein Aushängeschild des spanischen Wirtschaftswunders. Heute gilt sie als ein Symbol von Krise und Korruption.
Es ist schon gut zehn Monate her, dass der
Flughafen von Castellón feierlich eröffnet wurde. Flugzeuge sind auf
dem Airport der ostspanischen Stadt aber bis heute nicht gestartet
oder gelandet. Kritiker hatten das Projekt von Anfang als überflüssig
und größenwahnsinnig bezeichnet. Der «Geisterflughafen» ist nur eines
von vielen Beispielen von Prasserei und Misswirtschaft in der Region
Valencia.
Noch vor wenigen Jahren war die Mittelmeerregion - mit 23.300
Quadratkilometern und 5,1 Millionen Einwohnern etwas größer als
Bundesländer wie Hessen oder Sachsen - ein Eldorado gewesen, das in
anderen Gegenden Spaniens Neid erweckte. Die Regionalhauptstadt
Valencia erhielt eine «Stadt der Künste und der Wissenschaften» mit
mehreren architektonisch spektakulären Bauwerken, deren Kosten auf
1,3 Milliarden Euro geschätzt wurden.
Die Hafenstadt wurde Schauplatz der weltweit bedeutendsten
Segelregatta des America's Cup und Austragungsort von
Formel-1-Rennen. Die Region, die bis dahin vor allem durch ihre
Orangenhaine und Badestrände bekannt war, wurde zu einem
Aushängeschild des spanischen Wirtschaftswunders.
Heute ist sie eher ein Symbol der Krise und gilt als ein Hort der
Verschwendung. Die seit mehr als 16 Jahren von der konservativen
Volkspartei (PP) regierte Region ist praktisch pleite. Zahlreichen
Schulen droht die Schließung, Universitäten stehen am Rande der
Zahlungsunfähigkeit. Im Dezember 2011 konnte die Regierung einen
fälligen Bankenkredit nicht zurückzahlen und musste von der Madrider
Zentralregierung «gerettet» werden. Böse Zungen sprechen von einem
«spanischen Griechenland».
Riesensummen von Steuergeldern wurden für ruinöse
Prestige-Projekte verprasst. Die überdimensionierten Vorhaben
brachten der Region einen immensen Schuldenberg ein: In keiner der 17
spanischen Regionen sind die Verbindlichkeiten der öffentlichen Hand
so groß wie in Valencia: 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Die Großvorhaben leerten die staatlichen Kassen, verhalfen aber
Baulöwen und anderen Geschäftsleuten zu Reichtümern. Dies zeigte sich
erstmals beim Bau des 2000 eröffneten Vergnügungsparks «Terra MÃtica»
beim Badeort Benidorm. Firmen kassierten mit falschen Rechnungen ab,
die Anlage stand jahrelang am Rande des Bankrotts. In Alicante wurde
für 240 Millionen Euro eine Straßenbahnlinie gebaut, auf der bis
heute keine Züge fahren, weil sich kein Betreiber fand. Die Stadt
erhielt auch einen großen Komplex von Filmstudios, genannt «Die Stadt
des Lichts». Kürzlich gingen wegen Geldmangels die Lichter aus.
Korrupte Politiker und halbseidene Politiker arbeiteten bei der
Plünderung der öffentlichen Kassen häufig Hand in Hand. Ein
ehemaliger Stadtrat berichtete der Zeitung «El PaÃs»: «Mir wurde
gesagt: Das macht man hier so.» In allen größeren Städten der Region
deckte die Justiz in jüngster Zeit Korruptionsskandale auf und
leitete Ermittlungen gegen Dutzende von Verdächtigen ein.
In der Zeit des Booms hatte Spaniens jetziger Ministerpräsident
Mariano Rajoy die Region noch als ein Vorbild bezeichnet. «Wenn ich
an die Regierung komme, werde ich diesem Modell folgen», sagte er als
Oppositionsführer vor vier Jahren. An diese Worte wird der
konservative Regierungschef heute nur ungern erinnert werden. In sein
Kabinett nahm er keinen einzigen Politiker aus Valencia auf.
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Bild: wikipedia / Text: dpa







