Paris und Berlin streiten um Eurobonds! Bleiben Merkel und Schäuble stark?
Berlin und Paris sind tief zerstritten über Eurobonds. Schon beim EU-Sondergipfel am Mittwoch will Frankreich seine Forderungen auf den Tisch legen. Der neue Finanzminister Moscovici gibt sich beharrlich.
Deutschland und Frankreich streiten weiter über die
Einführung von Eurobonds. Der neue französische Finanzminister Pierre
Moscovici betonte am Montag bei seinem Antrittsbesuch in Berlin,
Paris halte an der Forderung nach gemeinsamen Staatsanleihen der
Euro-Länder fest.
«Für uns ist das eine ganz wichtige Idee», sagte er nach einem
Treffen mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Frankreich werde
das Thema am Mittwoch beim informellen Treffen der EU-Staats- und
Regierungschefs auf den Tisch legen. Dieses Treffen mache nur Sinn,
wenn über alles ganz offen geredet werde - auch über strittige
Themen. Beim EU-Gipfel Ende Juni seien aber Ergebnisse nötig: «Das
erwarten die Europäer von uns.»
Die Bundesregierung lehnt Eurobonds bisher strikt ab. Bei solchen
Staatsanleihen profitieren Euro-Krisenländer von niedrigeren Zinsen
an den Kapitalmärkten. Deutschland befürchtet eine zusätzliche
Belastung und weniger Druck auf Haushaltssünder.
Schäuble ging auf der gemeinsamen Pressekonferenz nicht näher auf
Eurobonds ein. Er sagte lediglich, dass am Mittwoch über alles
gesprochen werde und sich Deutschland an allen Debatten über
Maßnahmen für mehr nachhaltiges Wachstum beteiligen werde.
Schäuble und Moscovici machten aber deutlich, dass beide Länder
trotz Differenzen in Einzelfragen Schrittmacher bei der Bewältigung
der Euro-Schuldenkrise bleiben wollen. «Ein starkes handlungsfähiges
Europa ist in unserem gemeinsamen Interesse», sagte Schäuble.
Die deutsch-französische Achse sei zwar nicht alles. Beide Länder
müssten auch Rücksicht auf kleinere Partner nehmen. Wenn Berlin und
Paris aber nicht an einem Strang und nicht in dieselbe Richtung
zögen, werde es schwierig, Europa nach vorne zu bringen: «Wir werden
an gemeinsamen Lösungen arbeiten und gemeinsame Lösungen finden.»
Beide Minister hoffen, dass in Griechenland nach den Neuwahlen
Mitte Juni wieder stabilere Verhältnisse herrschen. «Wir wollen, dass
Griechenland im Euro-Verbund bleibt», sagte Schäuble. An den strengen
Vereinbarungen mit Athen könne jedoch nicht gerüttelt werden. Spanien
hat aus Sicht Schäubles die nötigen Maßnahmen ergriffen, um das
Vertrauen der Finanzmärkte in stärkerem Maße zurück zu gewinnen: «Wir
wissen alle um unsere Verantwortung.»
Moscovici bemühte sich um gemäßigte Töne Richtung Athen. Reformen
seien zweifelsohne nötig. Allerdings müssten die Anstrengungen der
Griechen auch anerkannt werden. Europa sollte den Griechen in der
Rezession starke Signale senden und sie ermutigen. Bei den Wahlen
entscheiden laut Moscovici aber die Griechen über ihre Zukunft.
Über die künftige Führung der Euro-Gruppe sowie andere Posten wird
laut Moscovici in einem Paket von den EU-Chefs entschieden. Laut
Medienberichten gibt es in Paris Vorbehalte gegen Schäuble als
künftigen Chef der Eurogruppe. Moscovici betonte, es gehe um
politische Entscheidungen und nicht um ein persönliches Veto.
Der neue Kassenwart in Paris bekräftigte, dass Frankreich die
Ziele bei der Konsoliderung der öffentlichen Haushalte einhalten
werde. Bis zum Jahr 2017 solle ein ausgeglichener Etat erreicht
werden, 2013 solle das Staatsdefizit wieder unter die Obergrenze von
3,0 Prozent der Wirtschaftsleistung gedrückt werden.
«Dieses Versprechen werden wir einhalten. Das ist eine Frage des
Vertrauens und auch der Glaubwürdigkeit», sagte Moscovici. Neben
einer vernünftigen Haushaltspolitik müsse aber auch Wachstum
unterstützt werden: «Beides gehört zusammen.»
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Bild: BANG/Cover Media/Prisa/ABC/ElMundo / Text: dpa
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